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Das grösste jemals unternommene Rattenexterminationsprojekt auf Südgeorgien hat am 23. März 2015 eine grosse Hürde genommen. Der Hubschrauber, der den letzten Eimer mit den blauen Ködern für die Rattenplage transportiert hatte, landete um 12.50 Ortszeit wieder im Camp und beendete damit die Köderauslegung im Südwesten der Insel. In 3 Feldsaisons seit 2011 wurden insgesamt über 800 Eimer mit Ködern über eine Fläche von mehr als 1‘000 Quadratkilometer verstreut. Nun fängt das Überwachunsgprogramm an, um das Resultat dieser Herkulesaufgabe zu untersuchen.

Am 28. Januar 2015 startete der dritte Teil des ambitionierten Projektes, um die Rattenplage auf Südgeorgien zu beenden. Ein Team von 18 Leuten unter der Führung von Tony Martin, dem Projektleiter vom South Georgia Heritage Trust (SGHT), landete an Bord der RSS Shackleton in Grytviken, um von dort aus den Süden der Insel mit Giftködern zu versehen. Mit dabei waren 3 Hubschrauber, mit deren Hilfe die Köder in den betroffenen Gebieten ausgestreut werden sollen.

Um die Köder erfolgreich in den verschiedenen Gebieten zu verstreuen, musste ein grosser logistischer Aufwand betrieben werden, u.a. mit Camps mitten im Nirgendwo und 3 Hubschraubern. Photo: Tony Martin, SGHT
Um die Köder erfolgreich in den verschiedenen Gebieten zu verstreuen, musste ein grosser logistischer Aufwand betrieben werden, u.a. mit Camps mitten im Nirgendwo und 3 Hubschraubern. Photo: Tony Martin, SGHT

Die Phase 3 hatte gleich zu Beginn einen schlechten Start erwischt. Ein Sturm während der Erstellung der Lager entlang der Küste beschädigte einen Hubschrauber derart stark, dass eine weitere Nutzung ausgeschlossen war. Glücklicherweise blieben noch 2 Hubschrauber übrig, um die Köder über den letzten 364 Quadratkilometer im Südwesten der Insel zu verteilen. Der nordöstliche Teil wurde bereits 2013 in einer massiven Anstrengung beködert und wird seither regelmässig kontrolliert.

Die von der Rattenplage betroffenen Gebiete Südgeorgiens wurden in 9 Areale unterteilt, die in 3 Phasen ab 2011 mit speziellen Ködern versetzt wurden. Ein 2-jähriges Überwachungsprogramm kontrolliert den Erfolg der Aktion. Quelle: SGHT
Die von der Rattenplage betroffenen Gebiete Südgeorgiens wurden in 9 Areale unterteilt, die in 3 Phasen ab 2011 mit speziellen Ködern versetzt wurden. Ein 2-jähriges Überwachungsprogramm kontrolliert den Erfolg der Aktion. Quelle: SGHT

Das Wetter spielte in den Bemühungen den wichtigsten Teil. Mehrere Male musste Phase 3 wegen schlechtem Wetter unterbrochen werden. Doch aus den Erfahrungen der vorherigen Phasen wurde eine Reihe von Funkstationen entlang der Insel errichtet, so dass die Hubschrauber und das Team mit Wetterbeobachtern in Kontakt bleiben konnten. Somit konnten die Hubschrauber starten, sobald das Wetter es erlaubte. Eine weitere Änderung bildeten die grösseren Spinner-Eimer, die unter den Hubschraubern hängen und die Köder auswerfen. Die neue Grösse erlaubte einen weiteren Verteilungsradius und somit weniger Flüge. Einige Male waren aber die Wettergötter dem Team wohlgesonnen, u.a. während der Verteilung über St. Andrew’s Bay, in der die grösste Königspinguinkolonie Südgeorgiens liegt. Innerhalb kürzester Zeit waren auch dort die Köder für die zahlreichen Ratten ausgelegt, ohne Störung der Pinguine. Trotz einer weiteren langen Pause wegen schlechtem Wetter, gelang es dem Team bis am 23. März, die restlichen Bereiche zwischen St. Andrew’s Bay und Cooper Bay zu beködern.

Über 400‘000 Königspinguine brüten im weiten Kessel von St. Andrew’s Bay. Starke Winde und Niederschläge sind hier keine Seltenheit. Trotzdem gelang es dem Team, die Köder auszustreuen.
Über 400‘000 Königspinguine brüten im weiten Kessel von St. Andrew’s Bay. Starke Winde und Niederschläge sind hier keine Seltenheit. Trotzdem gelang es dem Team, die Köder auszustreuen.

Tony Martin, der das Projekt seit 5 Jahren leitet, war von Anfang an bei den Feldarbeiten mit dabei. «Ich beobachtete den Abflug der letzten Ladung mit gemischten Gefühlen. Vor allem war ich erleichtert, dass wir alle dieses grosse Ziel wohlbehalten erreicht hatten. Ein verspannter Rücken hier und da, aber das Team ist sicher und gesund», schreibt er in einem Newsletter. «Doch dann wurde mir bewusst, dass in ein paar Wochen diese einzigartige und eng zusammengeschweisste Gruppe auseinandergehen wird. Und ich denke, dass keiner von uns jemals wieder das Privileg haben wird, diese Juwel von Insel und all seine Facetten auf eine so intime Weise erleben wird.» Doch das Ende der Köderauslegung bedeutet noch nicht das Ende des Projekts. Das Team wird noch drei Wochen auf der Insel die Gebiete der Phase 2 kontrollieren. Danach ist die Reihe an den jetzt behandelten Gebieten. «Dazu wird in zwei Jahr eine grossangelegte, Schiff-basierte Untersuchung mit all ihren Kosten durchgeführt. Nur danach können wir entspannen und sicher sein, dass die Arbeit erledigt ist», meint Tony Martin weiter.

Die Grösse des Projekts und das schwierige Gelände machte eine reibungslose Zusammenarbeit der Teammitglieder absolut notwendig und dies trug massgebend zum Erfolg bei. Photo: Tony Martin, SGHT
Die Grösse des Projekts und das schwierige Gelände machte eine reibungslose Zusammenarbeit der Teammitglieder absolut notwendig und dies trug massgebend zum Erfolg bei. Photo: Tony Martin, SGHT

Südgeorgien gilt als Tierparadies mitten im Südatlantik und als einer der wichtigsten Brutplätze für Millionen von Seevögel. Die Insel, die britisches Überseeterritorium ist und von den Falklandinseln aus verwaltet wird, ist über 160 Kilometer lang und misst an seiner breitesten Stelle 38 Kilometer. Der grösste Teil der Insel ist mit Gletschern bedeckt und wird von einer hohen Gebirgskette durchzogen. Doch der Küstenbereich ist ein wichtiger Brutplatz für Millionen von Pinguinen, Robben und Seevögel, darunter auch verschiedene Albatrosarten. Einige der Vogelarten sind endemisch, d.h. kommen nirgends sonst vor auf der Welt. Dazu gehören die Südgeorgien-Spitzschwanzente und der Südgeorgien-Riesenpieper, der südlichste Singvogel der Welt. Die Ratten, die mit Wal- und Robbenfängern auf die Insel gekommen waren, richteten unter den schutzlosen Vögel und der Vegetation enormen Schaden an. Der Erfolg des Projekts ist bereits in einigen Teilen ersichtlich, beispielsweise durch das Auftauchen von Südgeorgien-Riesenpieper in Gebieten, in denen er zuvor jahrzehntelang verschwunden war. Die Zukunft für die Vögel Südgeorgiens wieder etwas rosiger aus.

Der Südgeorgien-Riesenpieper, der südlichste Singvogel der Welt, kann wieder in seine angestammten Brutgebiete zurückkehren, wo er einst von den Ratten vertrieben wurde. Photo: Sally Poncet
Der Südgeorgien-Riesenpieper, der südlichste Singvogel der Welt, kann wieder in seine angestammten Brutgebiete zurückkehren, wo er einst von den Ratten vertrieben wurde. Photo: Sally Poncet

Quelle: South Georgia Heritage Trust