pn en

Ein seltenes Phänomen, das als „Drachenhauteis“ beschrieben wird, wurde von Forschern auf einer Reise im Rossmeer in der Antarktis beobachtet. Dieses nur selten gesichtete Eis ist das Ergebnis von Hurrikan artigem Wind, der das gebildete Eis von offenen Wasserflächen wegbläst, so dass immer mehr Eis entsteht. Forscher planen nun, das Phänomen und die Meeresströmungen, die es unter Wasser verursacht, zu untersuchen.

Dieses nur selten beobachtete „Drachenhauteis“ ähnelt den mikroskopischen Strukturen eines Schmetterlingsflügels, oder für Menschen mit Fantasie, Drachenschuppen. Es entsteht durch katabatische Winde, die stark genug sind, um neu geformtes Meereis wegzublasen und das Wasser darunter frei zu legen, welches wiederum gefriert und ein schuppenähnliches Muster erzeugt. (Bild: IMAS)
Dieses nur selten beobachtete „Drachenhauteis“ ähnelt den mikroskopischen Strukturen eines Schmetterlingsflügels, oder für Menschen mit Fantasie, Drachenschuppen. Es entsteht durch katabatische Winde, die stark genug sind, um neu geformtes Meereis wegzublasen und das Wasser darunter frei zu legen, welches wiederum gefriert und ein schuppenähnliches Muster erzeugt. (Bild: IMAS)

Eine Herbstexpedition ins Rossmeer zur Untersuchung antarktischer Polynjas, offener Wasserstellen, hat die Expeditionsteilnehmer auf dem US-amerikanischen Eisbrecher Nathaniel B Palmer mit einem Blick auf ein selten beobachtetes Meereisphänomen belohnt. Die Sichtung von „Drachenhauteis“ war ein frühes Highlight der PIPERS-Expeditionsreise, die Anfang April begann, nachdem die meisten anderen Antarktisforscher sich längst in wärmere Gegenden zurückgezogen haben.

„Drachenhauteis ist sehr selten, skurril und ein Beweis für ein dunkleres Chaos im Reich der Kryosphäre, das seit 2007 nicht mehr in der Antarktis gesehen wurde“, sagte Dr. Guy Williams, Forscher am Institut für Marine- und Antarktis-Studien (IAMS) in Hobart, Tasmanien. Dr. Williams ist einer von 27 Wissenschaftlern aus acht Ländern, die das Verhalten von Küstenpolynjas, Bereiche offenen Wassers rund um den antarktischen Kontinent, im Winter untersuchen. Polynjas sind „Eisfabriken“, die aufgrund starker katabatischer Winde, kalte Fallwinde aus dem Innern der Antarktis, zehnmal mehr Meereis produzieren als andere Regionen. Dr. Williams beschreibt den Prozess folgendermassen: „Stellen Sie sich Ihren gewöhnlichen Eiswürfelbehälter vor, der einmal gefüllt wurde. Nach einer Woche hat man einen Behälter mit Eiswürfeln. Aber wenn sie jede Nacht den Eiswürfelbehälter leeren und wieder mit Wasser füllen, dann erhalten sie so viel mehr Eis. Das ist es, was die katabatischen Winde mit der Polynja machen, das Eis entfernen, offenes Wasser der eiskalten Luft aussetzen und mehr Eis bilden.“

Polynjas sind Bereiche offenen Wassers umgeben von Meereis. Sie sind „Eisfabriken“, die durch starke Winde aus dem Inneren der Antarktis zehnmal mehr Meereis produzieren als durchschnittlich. Frisch geformtes Eis wird ständig beiseitegeschoben neues Meereis gebildet. (Bild: IMAS)
Polynjas sind Bereiche offenen Wassers umgeben von Meereis. Sie sind „Eisfabriken“, die durch starke Winde aus dem Inneren der Antarktis zehnmal mehr Meereis produzieren als durchschnittlich. Frisch geformtes Eis wird ständig beiseitegeschoben neues Meereis gebildet. (Bild: IMAS)

Dr. Williams sagte, dass verstärktes Meereiswachstum einen entscheidenden Einfluss auf die lokale und globale Ozeanographie hat. Seewasser gefriert weitgehend als Süßwassereis. Hochkonzentriertes Salzwasser, Sole wird bei der Bildung von Meereis ausgeschieden und macht das darunter liegende Wasser so kalt und schwer, dass es in die Tiefseeschicht der großen Ozeanbecken absinkt und den südlichen Teil der globalen Meereszirkulation startet.

„Wir sind derzeit in der Mitte eines orkanartigen katabatischen Windereignis mit mehr als 65 Knoten (120 km/h) Windgeschwindigkeit in der Terra Nova Bay Polynya, im Rossmeer. Es ist ziemlich unglaublich, eine solche epische Demonstration der Interaktion zwischen Polarmeer und Atmosphäre zu erleben. „Nach einigen Wochen Forschung im Meereis im Norden haben wir auf dem Schiff wieder einmal alles festgeschnallt, da der Sturm und der Seegang unsere Arbeit behindern.“ „Wir werden während der nächsten zwei Wochen die ruhigen Zeiten nutzen, wenn der katabatische Wind nachlässt, um die Zunahme des Salzgehalts des Schelfwassers unterhalb der Polynjas zu messen. Der Salzgehalt sollte zunehmen da Sole, die bei Meereisbildung ausgestossen wird, in Tiefen von unterhalb 1000 m in den Drygalski-Trog absinkt.“

Das „Drachenhauteis“ wurde von Forschern an Bord des Nathaniel B Palmer Forschungsschiffs entdeckt. Die gegenwärtige Reise begann Anfang April, nachdem sich die meisten anderen Antarktis-Expeditionen bereits in wärmere Gebiete zurückgezogen haben. (Bild: IMAS)
Das „Drachenhauteis“ wurde von Forschern an Bord des Nathaniel B Palmer Forschungsschiffs entdeckt. Die gegenwärtige Reise begann Anfang April, nachdem sich die meisten anderen Antarktis-Expeditionen bereits in wärmere Gebiete zurückgezogen haben. (Bild: IMAS)

Quelle: University of Tasmania, Institute for Marine and Antarctic Studies (IAMS)