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Als die «Nisshin Maru» am 15. April 2008 im Hafen von Tokio anlegte, hatte die Besatzung eine monatelange Reise hinter sich. Beinahe ein halbes Jahr war der schwarze Kahn mit der grossen Aufschrift «Resarch» - also Forschung - im Südpolarmeer umhergekreuzt, um dort Jagd auf Wale zu machen. Doch nicht wegen der langen Fahrt hatte es die Besatzung eilig, am Ende der Reise vom Schiff herunterzukommen. Die Seeleute, bekleidet mit blauen Overalls und orangefarbenen Helmen, mussten offenbar eine grössere Zahl an Kisten in Sicherheit bringen.

Walfleisch-beim-waegenIn den verklebten und verschnürten Pappkartons des «Persönliches Gepäck» befand sich nach Erkenntnissen der Umweltschutzorganisation Greenpeace Walfleisch, das von den Seeleuten unterschlagen worden sein soll, um es illegal auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Konkret gelang es Greenpeace-Aktivisten, einen der Kartons in ihren Besitz zu bringen. Darin hätten sich 23,5 Kilogramm gesalzenes Walfleisch befunden, sagt Greenpeace-Mitarbeiter Thilo Maack im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Damit würde der Marktwert allein dieses Pakets bei fast 2000 Euro liegen.
Doch der Karton ist für Greenpeace nur das Symbol eines viel grösseren Skandals: In einem Video der Umweltschützer sagt ein anonymer japanischer Informant aus, von den 150 Mann an Bord der «Nisshin Maru» hätten für gewöhnlich 120 bis 130 derartige Pakete auf den Weg gebracht. Greenpeace berichtet, dass im April insgesamt 93 Kartons als «Persönliches Gepäck» entladen worden seien, die insgesamt 23 Seeleuten gehört hätten.

Walfleisch

Die Besatzung, so heisst es bei Greenpeace, habe nur mit Unterstützung der Betreiberfirma «Kyodo Senpaku» und der japanischen Regierung handeln können. «Die Verantwortlichen müssen etwas gewusst haben», sagt Umweltaktivist Maack. Greenpeace hat nun Strafanzeige gegen zwölf Verdächtige gestellt und der Staatsanwaltschaft in Tokio das entdeckte Walfleisch übergeben.
Die japanische Walfang-Flotte hatte im vergangenen Monat die diesjährige Jagdsaison beendet - mit einem deutlich geringeren Ertrag als erhofft. Immer wieder hatten Umweltaktivisten die Walfänger attackiert.
Walfang ist in Japan nach wie vor gestattet, offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken. Mit dem Wissenschaftsargument bedient sich die Regierung eines Schlupflochs im Walfang-Moratorium von 1986. Zugleich macht Tokio keinen Hehl daraus, dass das Walfleisch letztlich in die Supermarktregale des ostasiatischen Landes kommt, wo es als Delikatesse gilt.

Greenpeace-Walfleisch

Quelle: Spiegel Online