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Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass in Zukunft mit einem erheblichen Anstieg des globalen Meeresspiegels aufgrund von schmelzendem Eis in der Antarktis zu rechnen ist, wenn Treibhausgasemissionen weiter steigen.

Gestrandete Eisberge in der Nähe der Adelaide Insel bei der Antarktischen Halbinsel. Die Antarktische Halbinsel ist eine der sich am schnellsten erwärmende Regionen des Kontinents. Bis zum Ende diesem Jahrhundert könnte der Beitrag der Antarktis zum globalen Meeresspiegelanstieg 40 cm betragen. Foto: Nicholas Golledge
Gestrandete Eisberge in der Nähe der Adelaide Insel bei der Antarktischen Halbinsel. Die Antarktische Halbinsel ist eine der sich am schnellsten erwärmende Regionen des Kontinents. Bis zum Ende diesem Jahrhundert könnte der Beitrag der Antarktis zum globalen Meeresspiegelanstieg 40 cm betragen. Foto: Nicholas Golledge

Ein internationales Wissenschaflterteam unter der Leitung von Dr. Nicholas Golledge, Senior Research Fellow am Antarctic Research Center der Victoria Universität in Wellington, Neuseeland, hat seine Forschungsergebnisse in der Zeitschrift Nature veröffentlicht mit dem Titel «The multi-millennial Antarctic commitment to future sea-level rise». Die Studie untersucht, wie das Inlandeis der Antarktis auf künftige Erwärmung der Erdatmosphäre reagiert. Mit Hilfe von Computer-Modellen untersuchten Dr. Golledge und seine Kollegen die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf das Inlandeis der Antarktis. Sie simulierten eine Vielzahl von verschiedenen Treibhausgasemissions-Szenarien, von einem Business-as-usual Szenario mit unkontrollierten Emissionen bis hin zu einem Szenario mit bei dem die Emissionen nach 2020 drastisch reduziert waren. Sie fanden heraus, dass alle, bis auf ein Szenario (das mit den deutlich reduzierten Emissionen ab 2020) zum Verlust grosser Teile des antarktischen Inlandeises führen, eine Folge davon - ein erheblichen Anstiegs des globalen Meeresspiegels.

Eine grafische Darstellung der Modell-Ergebnisse: Das Eis der Antarktis wird für das Jahr 3000 simuliert unter einem Szenario mit hohen Treibhausgasemissionen (RCP 8.5). Wärmere Farben zeigen schneller fliessendes Eis an. Die kleinere Grafik unten links zeigt den Beitrag der Antarktis zum globalen Meeresspiegelanstieg. (Grafik: Nicholas Golledge)
Eine grafische Darstellung der Modell-Ergebnisse: Das Eis der Antarktis wird für das Jahr 3000 simuliert unter einem Szenario mit hohen Treibhausgasemissionen (RCP 8.5). Wärmere Farben zeigen schneller fliessendes Eis an. Die kleinere Grafik unten links zeigt den Beitrag der Antarktis zum globalen Meeresspiegelanstieg. (Grafik: Nicholas Golledge)

«Die lange Reaktionszeit des Eises, es dauert zum Beispiel tausende von Jahren bis sich Änderungen der Umgebungsbedingungen vollständig im Eisfluss manifestieren, verbunden mit der Tatsache, dass die CO₂-Verweilzeit in der Atmosphäre sehr lang ist, bedeutet, dass die Erwärmung, die wir heute auslösen, sich in einer Weise auf das Eis auswirkt, die unglaublich schwer rückgängig zu machen ist», sagte Dr. Golledge. In seinem 2013 erschienen Bericht prognostiziere das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), dass das Eis der Antarktis bis zum Ende dieses Jahrhunderts insgesamt nur 5 Zentimeter zu globalen Meeresspiegels beitragen würde. Dies galt auch für das 'business as usual' Szenario mit den höchsten Emissionen. Aber Professor Tim Naish, der mit Golledge an der neuesten Studie arbeitete und auch ein führender Autor des IPCC-Berichts war, warnt, dass zu der Zeit als der IPCC Bericht geschrieben wurde, keine ausreichende wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verfügung standen, wie sich das Eis der Antarktis bei einer Erwärmung verhalten würde. Dies bedeutet dass die IPCC-Vorhersagen zum Anstieg des Meeresspiegels womöglich zu niedrig ausfielen. «In unserem neuen Modell werden Prozesse berücksichtigt, die stattfinden, wenn das Eis mit dem Ozean in Kontakt kommt. Rund 93 % der Wärme der anthropogenen Erwärmung wurden von den Ozeanen aufgenommen. Dieses erwärmte Wasser kommt nun in Kontakt mit den Rändern des antarktischen Eisschildes, dem Schelfeis. Wenn wir diese Schelfeise verlieren könnte der Beitrag der Antarktis zu den Anstieg des Meeresspiegels bis 2100 bei fast 40 Zentimeter liegen», sagte Dr. Golledge. Zusammen mit den Auswirkungen der Wärme-Expansion des Ozeans und dem Schmelzen des grönländischen Innlandeises und Gletscher, könnte das einen Meeresspiegel von 1,5 Meter bis 2100 zur Folge haben.

Eisberg

Darüber hinaus besitzen die Schelfeise eine weitere wichtige Funktion. Sie wirken als Bremse für die Eismassen der Antarktis. Die Schelfeise sind wie ein Korken in einer Flasche Sekt, wenn der Korken entfernt wird schiesst der Sekt heraus. Wenn die Schelfeise verschwinden fliesst das dahinter liegende Eis schneller ins Meer. Um den Verlust der antarktischen Schelfeise zu vermeiden, und einen damit einhergehenden Anstieg des Meeresspiegels bis zu mehreren Metern zu verhindern, muss, wie die Studie zeigt die atmosphärische Erwärmung unter 2°C bleiben verglichen mit dem heutigen Niveau. «Wird das 2°C-Ziel verfehlt, kann die Antarktis bis zu 10 Meter zum Ansteigen des Meeresspiegels beitragen», sagte Dr. Golledge. «Eine grosse Gefahr, man muss bedenken, dass bis zu 10% der Weltbevölkerung innerhalb von zehn Metern des heutigen Meeresspiegels leben.» Die neuen Erkenntnisse fordern daher eine ethische Entscheidung von uns allen, laut Dr. Golledge. «Ohne deutliche Reduzierung der Treibhausgasemissionen in den kommenden Jahrzehnten, verdammen wir das Eis in der Antarktis dazu in den nächsten paar tausend Jahre kontinuierlich zu schmelzen uns weniger zu werden. Wollen wir wirklich dafür verantwortlich sein?» «Zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf 2°C, und um gefährlichere Folgen des Klimawandels zu verhindern, müssen die Vereinten Nationen beim Klima Treffen in Paris in diesem Jahr der Begrenzung der weltweiten CO2-Emissionen auf Null vor dem Ende des Jahrhunderts zustimmen», fügt Professor Naish bei. «Dies erfordert eine globale Reduzierung bis zum Jahr 2030 um 30% verglichen mit Emissionen des Jahres 1990.»

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Dr. Golledge sagt: Die Zeit ist reif, um ein paar ernste Fragen zu beantworten. «Wollen wir unsere Emissionen jetzt mindern zum Vorteil künftiger Generationen oder wollen wir eine Welt, in der die Küstenlinien neu gezeichnet werden müssen? Aller Wahrscheinlichkeit nach werden beides tun müssen, denn der Meeresspiegel wird auf in jedem Fall 25 Zentimeter bis zum Jahr 2050 und mindestens 50 Zentimeter bis zum Jahr 2100 ansteigen.» Dr. Golledge sagte, das letzte Mal als CO₂-Konzentration in der Atmosphäre ähnlich hoch waren, war vor etwa 3 Millionen Jahren. «Die damaligen globalen Durchschnittstemperaturen waren zwei bis drei Grad wärmer, grosse Teile des antarktischen Inlandeises waren geschmolzen und der Meereisspiegel war unglaubliche 20 Meter höher als heute. Wir sind momentan am Beginn eines globalen Temperaturanstiegs von einigen Grad, aber es ist durchaus möglich, dass ein paar unheimlich Überraschungen innerhalb der nächsten hundert Jahre auf uns warten.»

Quelle: Victoria University of Wellington, New Zealand