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Das grösste Tier ernährt sich von einem der kleinsten Tiere im Meer: Wale in den eiskalten Gewässern des Südlichen Ozeans fressen vor allem Krill, ein nur wenige Zentimeter langes Krebstier. Eine Essensbuffet er anderen Art erlebten vor kurzem australische Wissenschaftler auf einer Forschungsfahrt zu den Kerguelen: Ein Superschwarm von Krill zog mehr als 100 Buckelwale an.

Antarktischer Krill versammelt sich Milliardenfach in den Gewässern rund um die Antarktis und ernährt dort Wale, Robben und Seevögel inklusive Pinguine. Bild: anniekatec.blogspot.com
Antarktischer Krill versammelt sich Milliardenfach in den Gewässern rund um die Antarktis und ernährt dort Wale, Robben und Seevögel inklusive Pinguine. Bild: anniekatec.blogspot.com

Die Forschungsfahrt entlang der Kerguelen-Achse im südlichen Indischen Ozean hatte Hobart, Tasmanien, am 11. Januar verlassen (siehe PolarNEWS-Artikel vom 25. Januar und 10. März). Pünktlich zum Valentinstag, an dem normalerweise gerne schick Essen geht, trafen die Wissenschaftler einen seltenen sogenannten Superschwarm von antarktischem Krill (Euphausia superba) an, der Billionen von Tieren beinhaltete. Solche Superschwärme können sich über mehrere zehn Kilometer erstrecken und werden von jungen, dicht zusammengedrängten Krillkrebsen gebildet. Dieses Schwarmverhalten ist ein Verteidigungsmechanismus, der kleinere Räuber verwirren soll, sich auf individuelle Tiere konzentrieren zu können. Der leitende Wissenschaftler der Fahrt, Dr. Andrew Constable, erklärt: „Dies ist das erste Mal, dass ein Superschwarm im Indischen Ozean genau beobachtet und vermessen werden konnte, seit sie zum ersten Mal von einem Fischereischiff in den 1970er beschrieben worden waren. Wir konnten neueste Technologie anwenden, um den Schwarm zu kartographieren und mehr über das Verhalten und die Häufigkeit von Krill in dieser Region erfahren.“

Der leitende Wissenschaftler Dr. Andrew Constable untersucht eine Salpe. Salpen sind Teil des Zooplanktons und können ähnlich wie Krill riesige Schwärme bilden. Sie stehen auch am Anfang des Nahrungsnetzes, sind aber weniger nährstoffreich als Krill. Bild: Nick Roden
Der leitende Wissenschaftler Dr. Andrew Constable untersucht eine Salpe. Salpen sind Teil des Zooplanktons und können ähnlich wie Krill riesige Schwärme bilden. Sie stehen auch am Anfang des Nahrungsnetzes, sind aber weniger nährstoffreich als Krill. Bild: Nick Roden

„Im Schwarm beobachteten wir Wale, unter anderem Buckel- und Finnwale, an verschiedenen Stellen, wo der Krill sehr dicht war. Wir sahen auch Adélie-, Kaiser und Königspinguine, Krabbenfresser und Pelzrobben, plus verschiedene Arten von Seevögeln, darunter auch Albatrosse, Sturmvögel und Seeschwalben“, erklärt Dr. Constable weiter.

Ein Buckelwal filtert das Wasser nach Krill, indem er es zwischen den Hornplatten, den Barten hindurchpresst. Wie in einem Sieb bleiben die Krebse in den Haaren der Platten hängen. Bild: Robert Pitman, NOAA, Public Domain
Ein Buckelwal filtert das Wasser nach Krill, indem er es zwischen den Hornplatten, den Barten hindurchpresst. Wie in einem Sieb bleiben die Krebse in den Haaren der Platten hängen. Bild: Robert Pitman, NOAA, Public Domain

Die Forscher fanden zahlreiche nährstoffreiche Schwärme von Krill viel weiter nördlich als angenommen. Sie waren nicht auf die Gebiete südlich des Antarktischen Zirkumpolarstromes beschränkt. „Wir haben auch Krill in hoher Dichte in scheinbar unproduktiven Gewässern gefunden und zum ersten Mal haben wir zusammenhängende Ökosystemdaten, um neue und verbesserte Theorien zur Verbreitung und Bewegung von Krill in dieser Region formulieren zu können.“ Weiter meint Dr. Constable, die Fahrt habe auch bestätigt, dass die auf Fisch-basierende Nahrungsbeziehungen viel wichtiger, vielfältiger und weiter verteilt sei in den Gebieten, wo auch Krill vorkäme. „Unsere Möglichkeit, alle Aspekte des Nahrungsnetzes an jeder Forschungsstation zu messen, bedeutete, dass wir sehen konnten, wie Fisch und Krill untrennbar miteinander verbunden sind, was auch viele neuen Theorien bisher vorhergesagt hatten.“

Die Produktivität des Meerwassers kann durch das Untersuchen von Spurenelementen gemessen werden. Hier bereiten Forscher eine Spurenelementrosette vor, die Konzentrationen von Eisen im Wasser sammelt. Eisen gilt als Dünger für pflanzliches Plankton. Bild: Rob King
Die Produktivität des Meerwassers kann durch das Untersuchen von Spurenelementen gemessen werden. Hier bereiten Forscher eine Spurenelementrosette vor, die Konzentrationen von Eisen im Wasser sammelt. Eisen gilt als Dünger für pflanzliches Plankton. Bild: Rob King

Ozeanographische Beobachtungen an zwei verschiedenen Stellen zeigten auch, dass das Tiefenwasser heute weniger salzhaltig, wärmer und weniger dicht ist als vor 10 Jahren. „Die Veränderungen in den Tiefenwasser sind weitere Beweise für unheimlich schnelle Veränderungen im Südlichen Ozean, sogar in den tiefsten Schichten“, meint Dr. Constable dazu.

Die ozeanographische Wissenschaftsfahrtan Bord der Aurora Australis war ein Teil einer internationalen Studie mit den Schiffen Roger Revelle, Marion Dufresne, Umitaka Maru und Hakuho Maru, die jedes an verschiedenen Stellen entlang der Kerguelen-Achse Proben entnohmen und Messungen durchgeführt hatten. Dr. Constable erklärt, dass die umfangreichen Proben in der Region zusammen mit den Proben der Franzosen, Amerikaner und Japaner die Entwicklung eines Beobachtungsprogrammes ermöglichen wird. Dies wird helfen, den Zustand und die Trends im ostantarktischen Ökosystem zu bestimmen. Die Chefwissenschaftlerin der AAD, Dr. Gwen Fenton, sagt dazu, dass die Forschung und die Analysen wertvolle Ressourcen in der Zukunft sein werden, besonders für die CCAMLR, eine Untersektion des Antarktisvertrags.

Die Daten der Reise werden auf verschiedenen Portalen verfügbar sein, unter anderem auf dem Australian Antractic Data Center, dem Australian Integrated Marine Observing System IMOS und weiteren Webseiten.

Quelle: Australian Antarctic Division