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Die vom Menschen verursachte globale Erwärmung begann viel früher als bisher angenommen. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Erwärmung bereits vor etwa 180 Jahren einsetzte, kurz nach Beginn der Industriellen Revolution. Forscher in Australien fanden Beweise für den früher als angenommenen Beginn der Erwärmung, indem sie mehr als 500 Jahre Klimadaten aus Eisbohrkernen, Korallen, Sedimentschichten und Baumjahresringen analysierten.

Privatdozentin Nerilie Abram von der Australian National University und Glaziologe Dr. Mark Curran von der Australian Antarctic Division betrachten einen Eiskern. Eisbohrkerne aus Grönland und der Antarktis bieten die Möglichkeit die Temperaturen auf der Erde in der Vergangenheit zu rekonstruieren. Bild: Oliver Berlin
Privatdozentin Nerilie Abram von der Australian National University und Glaziologe Dr. Mark Curran von der Australian Antarctic Division betrachten einen Eiskern. Eisbohrkerne aus Grönland und der Antarktis bieten die Möglichkeit die Temperaturen auf der Erde in der Vergangenheit zu rekonstruieren. Bild: Oliver Berlin

Die neue Studie, veröffentlicht in der Zeitschrift Nature, erfasst die Erwärmung im Anfangsstadium, die zunächst in den tropischen Ozeanen und der nördlichen Hemisphäre, später dann in der südlichen Hemisphäre begann. Die Forschung wurde unter der Leitung von Professor Nerilie Abram von der Australian National University und ihrem Co-Autor dem Glaziologen Dr. Mark Curran durchgeführt. Dr. Tas van Ommen, Leiter der Forschungsabteilung der Australian Antarctic Division, sagte, daß die vom Menschen verursachte Erwärmung bisher für ein Phänomen des 20. Jahrhunderts gehalten wurde. „Die neuesten Daten, die fünf Jahrhunderte zurückreichen, erlauben es uns, die Erwärmung in ihren Frühstadien zu sehen und zu beobachten wie sich sich auf den Rest der Welt ausbreitet“, sagte Dr. Tas van Ommen. „Es zeigt sich, dass das Erdklima empfindlich auf kleinste Änderungen der Treibhausgaskonzentrationen reagiert. Dies schafft einen Rahmen, der wichtig ist für die Modellierung unseres zukünftigen Klima.“

Dr. Mark Curran untersucht einen Eiskern auf Law Dome im Jahr 2007. Law Dome ist eine 1.395 Meter hoche Eiskuppe in der Ost-Antarktis. Eiskernforschung wurde hier seit den achtziger Jahren durchgeführt. Bild: Tas van Ommen
Dr. Mark Curran untersucht einen Eiskern auf Law Dome im Jahr 2007. Law Dome ist eine 1.395 Meter hoche Eiskuppe in der Ost-Antarktis. Eiskernforschung wurde hier seit den achtziger Jahren durchgeführt. Bild: Tas van Ommen

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die Erwärmung sich in Teilen der südlichen Hemisphäre bis zu 50 Jahren verzögerte, und dass der antarktische Kontinent erst noch eine deutliche Erwärmung erfahren wird. „Die Antarktis wurde aufgrund der thermischen Isolation von den großen europaweiten Veränderungen abgeschirmt. Der Süd-Ozean dämpfte die Erwärmung in der südlichen Hemisphäre und in der Antarktis.“ „Die westlichen Winde, die die Antarktis umzirkeln, halten warme Luftmassen vom Kontinent entfernt. Der Abbau des Ozons und die steigenden Treibhausgaskonzentrationen machen diesen Windschutz umso stärker“, sagte Dr. van Ommen. Die westliche Winde hatten jedoch auch komplizierende Einflüsse auf das Meer rund um die Antarktis. „Die Winde schleppen kühleres Wasser von der antarktischen Küste nach Norden. Das erlaubt tieferem warmem Wasser aufzusteigen und auf den Festlandsockel zu fließen, wo es das Eis von unten schmilzt.“

Das Law Dome Eisbohr Camp im Jahr 2008. Eiskerne werden entweder durch einen mechanischen oder thermischen Bohrer erbohrt. Ein mechanischer Bohrer ist ein rotierendes Rohr mit Schneidmessern an der Spitze, die sich in das Eis fressen. Bild: Joel Pedro
Das Law Dome Eisbohr Camp im Jahr 2008. Eiskerne werden entweder durch einen mechanischen oder thermischen Bohrer erbohrt. Ein mechanischer Bohrer ist ein rotierendes Rohr mit Schneidmessern an der Spitze, die sich in das Eis fressen. Bild: Joel Pedro

Die Studie zeigt seit Mitte des 20. Jahrhunderts eine erhebliche regionale Erwärmung im Westen der Antarktis und der Antarktischen Halbinsel. Die Erwärmung in diesen Gebieten gehört zu den stärksten weltweit. Dr. Mark Curran sagte, dass die Studie auch den Einfluss natürlicher vulkanischer Aktivität auf das Klima verdeutlicht. „In den frühen 1800er Jahren erlebten wir zwei große Vulkanausbrüche, was dazu führte, dass eine kurzfristige globale Abkühlung eintrat. Nach der Abkühlung kam es aber zu einer raschen Erholung. Ausserdem hatte dies nur einen geringen Einfluss auf den frühen Beginn der Erwärmung des Klimas."

Dr. Abram sagte, die Studie ändere nichts an unserem Wissen „wie sich das Klima im Laufe des 20. Jahrhunderts geändert hat“. „[Aber] es hat Bedeutung in unserer Diskussion über Was-ist-gefährlicher-Klimawandel und wie stark haben wir das Klima bereits verändert - es ist wichtig um ein vollständiges Bild zu haben.“

Die Studie wurde von einem Team aus 25 Wissenschaftlern aus Australien, den Vereinigten Staaten, Europa und Asien durchgeführt, die sich Past Global Changes (PAGES) 2k-Konsortium nennen.

Quelle: Australian Antarctic Division