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Meeresbiologen in der Antarktis, die den Gesängen des grössten Tiers der Welt, dem Blauwal, gelauscht hatten, haben Individuen gehört, die über 750 Kilometer entfernt gewesen sind. Die Forscher, die Teil einer sechswöchigen australisch-neuseeländischen Forschungsfahrt über das Ökosystem Rossmeer waren, kehrten nun an Bord der RV Tangaroa zurück nach Wellington.

Blauwale wandern normalerweise allein durch die Meere und kommen nur beim Fressen in Gruppen vor. Photo: Paula Olson, AAD
Blauwale wandern normalerweise allein durch die Meere und kommen nur beim Fressen in Gruppen vor. Photo: Paula Olson, AAD

Dr. Brian Miller, ein Akustiker an Bord der Tangaroa, erklärte, dass gerichtete Sonobojen (Geräte, die mit einem Akustikempfänger und einem Funksender ausgerüstet sind, der Signale aussendet, wenn das Gerät Unterwassergeräusche aufnimmt) eingesetzt wurden, um die tiefen rollenden Gesänge der Blauwale zu hören und das Schiff zu ihnen zu führen. «Es ist schon sehr aufregend, diese Wale in den Weiten des Südpolarmeers zu untersuchen und ihre Rufe in über 750 Kilometer Entfernung zu hören», meint Dr. Miller. «Während unserer Fahrt konnten wir mehr als 40‘000 Rufe über 520 Stunden aufnehmen.»

Die Sonobojen schalten sich automatisch ein, wenn akustische Signale empfangen werden und schicken dann ein Funksignal via Funksender. Photo: Dave Allen, NIWA
Die Sonobojen schalten sich automatisch ein, wenn akustische Signale empfangen werden und schicken dann ein Funksignal via Funksender. Photo: Dave Allen, NIWA

Der australische Fahrtleiter, Dr. Mike Double, meinte, dass sie erstaunt gewesen waren, über 80 Blauwale in einem relativ kleinen Gebiet zu finden, nachdem sie lange Zeit kein einziges Tier entdeckt hatten. «Mit einer solch ungleichmässigen Verteilung können diese bedrohten Tiere nur mit Hilfe von Akustiktechnologie effizient untersucht werden. Wir von der AAD wenden diese so an.» Die Wissenschaftler fotoidentifizierten während dieser Fahrt 58 Tiere aufgrund ihrer Pigmentierung und Marmorierung auf der Seite. Diese Bilder werden helfen, die Populationsgrösse, die Erholungsrate und die Bewegungsmuster des bedrohten Antarktisblauwals zu bestimmen. «Unsere Fähigkeit, die Wale zu finden und der multidisziplinäre Art dieser Forschungsfahrt erlaubte es uns, auch den Lebensraum der Wale zu untersuchen.»

Die RV Tangaroa, das neuseeländische Forschungsschiff, bildete die Plattform, von der aus die Forscher ihre Arbeiten durchführen konnten. Photo: Dave Allen, NIWA
Die RV Tangaroa, das neuseeländische Forschungsschiff, bildete die Plattform, von der aus die Forscher ihre Arbeiten durchführen konnten. Photo: Dave Allen, NIWA

Unter Nutzung von Echolotgeräten, mit denen man die Distanzen Unterwasser bestimmen kann, konnten die Forscher Krill, die Hauptnahrung der Blauwale, kartographieren, charakterisieren und überwachen. Sie fanden heraus, dass in dem Gebiet die Dichte an Krill höher war, als an anderen Orten. «Bemerkenswerterweise konnten wir mit Hilfe der neuen Echolotgeräte sogar einzelne Krillkrebse zum ersten Mal verfolgen und so einen Einblick in die internen Strukturen eines Krillschwarms gewinnen.» Daneben wurden auch ozeanographische Daten zur Messung der Produktivität der Gewässer gesammelt.

Blauwale sind trotz ihrer Grösse sehr schwer zu entdecken und es braucht einiges an Glück. Photo: Dave Allen, NIWA
Blauwale sind trotz ihrer Grösse sehr schwer zu entdecken und es braucht einiges an Glück. Photo: Dave Allen, NIWA

Die Forschungsfahrt, die eine Zusammenarbeit von Antarctica New Zealand, dem New Zealand Institute for Water and Atmospheric Research (NIWA) und der Australian Antarctic Division war, wird «eine dauerhafte Hinterlassenschaft an die wissenschaftliche Gemeinschaft und das Verständnis dieses einzigartigen Ökosystems sein», sagt Dr. O’Driscoll, der neuseeländische Fahrtleiter. «Es geht nicht nur darum, Wale zu finden. Wir verstehen jetzt das Gesamtbild, sprich das Ökosystem, von dem die Topräuber abhängig sind, um einiges besser. Wenn wir alle Daten dieser Fahrt analysiert haben, werden wir eine bessere wissenschaftliche Grundlage habe, um Einflüsse und Effekte auf das Südpolarmeer und seine Bewohner zu verstehen.»

Die Eisgängigkeit der RV Tangaroa war unverzichtbar für die Forscher, um das Ökosystem des Südpolarmeers zu untersuchen. Photo: Dave Allen, NIWA
Die Eisgängigkeit der RV Tangaroa war unverzichtbar für die Forscher, um das Ökosystem des Südpolarmeers zu untersuchen. Photo: Dave Allen, NIWA

Quellen: National Institute of Water and Atmospheric Research (NIWA)

Australian Antarctic Division (AAD)