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Eisbären haben einen einzigartigen Status in der Sicht der Menschen. Auf der einen Seite werden sie von den arktischen Völkern verehrt und andere geben viel Geld aus, sie zu sehen; auf der anderen Seite werden sie gefürchtet und verabscheut, weil sie an der Spitze der Nahrungskette stehen und der König der Arktis sind. Die Probleme zwischen Menschen und Bären sind alt und werden durch den Klimawandel noch schlimmer. Besonders in der Hudson Bay, bevor sie zufriert, stellten Bären eine Bedrohung für die kleinen Gemeinden dar und die Menschen erschossen die Tiere. Doch seit 2010 hat WWF Kanada eine erfolgreiche Kampagne am Laufen, um Begegnungen zwischen Mensch und Bär zu reduzieren und damit die Opfer auf beiden Seiten

Eisbären wandern auf der Suche nach Nahrung der Küster der Hudson Bay entlang und warten bis diese zufriert. Durch den Klimawandel ist jedoch dieser Termin immer später in der Saison. Bild: Michael Wenger
Eisbären wandern auf der Suche nach Nahrung der Küster der Hudson Bay entlang und warten bis diese zufriert. Durch den Klimawandel ist jedoch dieser Termin immer später in der Saison. Bild: Michael Wenger

David Miller, der Präsident und Geschäftsführer von WWF Kanada sagt, dass mit der immer kleineren Meereisbedeckung durch den Klimawandel, Eisbären der westlichen Hudson Bay Population mehr Zeit an Land verbringen und zu lange weg seien von ihrer Hauptnahrung, den Robben. Während sie auf das Zufrieren der Bucht warten, suchen einige ihr Futter entlang der Küste und werden von den Gemeinden angezogen. In dieser Saison (Sept. – Dez. 2015) zählte man in Arviat, einer dieser Gemeinden, 190 Begegnungen mit Eisbären. Dabei mussten zwei Bären erschossen werden, weil sie Menschen ernsthaft bedroht hatten. In den letzten Jahren verzeichnete man insgesamt 20 Angriffe auf Menschen. Die Bären werden vom Geruch von Fleisch, das für die Hunde der Inuit oder den Eigengebrauch gelagert wird, angelockt und natürlich auch von den Gerüchen aus den Abfallhalden.

Da die Sommermonate immer länger dauern, haben Eisbären Schwierigkeiten, Nahrungsquellen zu erschliessen und werden dadurch unvorsichtiger im Umgang mit Menschen. Dies führt zu gefährlichen Begegnungen für Mensch und Bär. Bild: Michael Wenger
Da die Sommermonate immer länger dauern, haben Eisbären Schwierigkeiten, Nahrungsquellen zu erschliessen und werden dadurch unvorsichtiger im Umgang mit Menschen. Dies führt zu gefährlichen Begegnungen für Mensch und Bär. Bild: Michael Wenger

Bären, die um oder sogar in die Dörfer gelangen, können sehr gefährlich sein. Bis 201, als WWF Kanada mit seiner Kampagne begann, Eisbären zu verjagen, wurden pro Jahr durchschnittlich 10 Bären im Selbstschutz erschossen. Seit dann aber ist diese Zahl auf ein Tier pro Jahr gesunken. Der WWF hat Patrouillen finanziert, um Eisbären in der Nähe von Dörfern zu entdecken und sie zu vertreiben, bevor sie ein Risiko werden. Die täglichen Patrouillen am Höhepunkt der Bärensaison (Sept. – Dez.) besonders in der Nacht, haben die Konflikte signifikant verringert. Die Patrouillenteams sind mit verschiedenen Werkzeugen ausgerüstet, u.a. mit Knallpetarden, Gummigeschossen, Beanbag-Gewehren, Signalpistolen und richtiger Munition. Bären, die nicht zum Verschwinden „überredet“ werden können, werden mit Robbenfleisch in Fallen gelockt und dann nach einer Weile  weit weg von der Ortschaft gebracht.

Die Gemeinde von Churchill, Manitoba, haben die Fallenstelltechnik für „ihre“ Eisbären perfektioniert. Gefangene Bären werden in einem alten Hangar während 30 Tagen bei Wasser und Eis gehalten und danach weit weg gebracht und wieder freigelassen. Bild: Eyal Kaplan
Die Gemeinde von Churchill, Manitoba, haben die Fallenstelltechnik für „ihre“ Eisbären perfektioniert. Gefangene Bären werden in einem alten Hangar während 30 Tagen bei Wasser und Eis gehalten und danach weit weg gebracht und wieder freigelassen. Bild: Eyal Kaplan

„Der WWF freut sich zu sehen, dass die laufende Partnerschaft mit der Gemeinde von Arviat sich auszahlt, sowohl für die Gemeinde wie auch für die Bären“, sagt Miller stolz. „Wir arbeiten jetzt daran, diesen Erfolg mit anderen nördlichen Gemeinden zu teilen und die Kampagne auszuweiten.“ WWF Kanada weitet das erfolgreiche Arviat-Modell auf weitere kanadische Orte aus und wird im März 2016 einen Workshop für die betroffenen Orte durchführen. Verschiedene Managementmethoden und Abschreckungstechniken werden zurzeit noch im Feld getestet. Daneben werden auch andere Methoden bei der Abfallentsorgung und lärmende Geräte getestet.

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Weil Eisbären eine Ikone der Arktis sind, haben einige Gesellschaften begonnen, Touristen in abgelegene Camps entlang der Küste der Hudson Bay zu bringen. Dort schiessen diese statt mit Gewehren mit Kameras auf die Bären. Bild: Michael Wenger

Quelle: Marc Montgomery, Radio Canada International