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Marc Cornelissen und Philip de Roo, zwei niederländische Forscher, sind in der Nähe von Bathurst Island, Nunavut, Kanada, seit  Mittwoch, 29. April 2015 verschwunden. Die beiden Forscher waren auf einer Expedition zur Eisdickenmessung im Norden von Kanada. Die kanadische berittene Polizei RCMP, die eine Such-und Rettungsoperation durchgeführt hatte, hat den Tod der beiden vermeldet und versucht nun die sterblichen Überreste der Forscher zu finden.

Marc Cornelissen und Philip de Roo von Cold Facts kamen am 29. März 2015 in Resolute, Kanada an. Von hier aus planten die beiden Forscher nach Norden zu wandern und dabei wichtige Daten über Eis- und Schneedicke zu sammeln. Foto: Cold Facts
Marc Cornelissen und Philip de Roo von Cold Facts kamen am 29. März 2015 in Resolute, Kanada an. Von hier aus planten die beiden Forscher nach Norden zu wandern und dabei wichtige Daten über Eis- und Schneedicke zu sammeln. Foto: Cold Facts

Die Gegend um Bathurst Island, nördlich von Resolute in der kanadischen Arktis, gilt als eine der letzten Regionen mit ständigem Sommermeereis und wird auch «Last Ice Area» genannt. Dadurch ist die Region für wissenschaftliche Arbeiten interessant geworden, um Eis- und Schneedickenmessungen durchzuführen. Mehrere Projekte sind bereits daran, dort Daten zu sammeln. Marc Cornelissen, der Gründer der niederländischen Organisation Cold Facts, gehörte auch dazu und hatte eine Expedition zur Datensammlung begonnen. Zusammen mit dem niederländischen Polarforscher Philip de Roo startete die «Last Ice Survey 2015»-Expedition am 29. März 2015 in Resolute mit ihrer Ankunft. Beiden galten als sehr erfahrene Polarexperten, die bereits in der Arktis und der Antarktis wissenschaftliche Projekte durchgeführt hatten.

Die im Norden von Nunavut geplante Expedition endete auf tragische Weise.
Die im Norden von Nunavut geplante Expedition endete auf tragische Weise.

Die Mission von Cold Facts war es, Gebiete mit verschiedenen Eisbedingungen zu untersuchen und zu Fuss bzw. auf Skis zu erreichen. Dabei sollten Eisdicken gemessen werden und Informationen von lokalen Jägern und Einwohnern über vergangene Jahre gesammelt werden, um die gemessenen Daten in Relation setzen zu können. Nach mehreren Tagen, in denen sie ihre Ausrüstung zusammengestellt hatten und verschiedene Methoden getestet hatten, zogen Marc und Philip zusammen mit dem Hund Kimnik als Schutzhund auf ihrer 400 Kilometer langen Reise los. Das Team hielt regelmässigen Kontakt mit Wissenschaftlern und einem Basislager. Sprachnachrichten von beiden auf der Webseite von Cold Facts informierten interessierte Hörer und die Familien zuhause über ihrer Fortschritte der Expedition.

Marc und Philip waren sehr erfahrene Polarexperten. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen halfen den beiden, auf dem Eis zu campieren während der Expedition. Sie waren sehr gut ausgerüstet und hielten regelmässigen Kontakt aufrecht, auch bei schlechtem Wetter. Foto: Cold Facts
Marc und Philip waren sehr erfahrene Polarexperten. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen halfen den beiden, auf dem Eis zu campieren während der Expedition. Sie waren sehr gut ausgerüstet und hielten regelmässigen Kontakt aufrecht, auch bei schlechtem Wetter. Foto: Cold Facts

Im Verlauf der Expedition erlebte das Team unterschiedliche Eis- und schnell wechselnde Wetterbedingungen. In seiner letzten Sprachnachricht von Dienstag, 28. April, erklärt Marc, dass die Temperaturen nach einem kalten Beginn enorm schnell angestiegen waren und es ungewöhnlich warm sei. «Zum Schluss musste ich in meiner Unterwäsche laufen (…). Ich bin froh, dass ihr keine Bilder von uns auf dem Eis habt. Es sieht sehr hart aus und nicht besonders sexy. Aber es war die einzige Art, mit der Wärme am besten umzugehen», witzelt Marc in seiner Nachricht. Er erwähnte auch, dass sie offene Wasserflächen gesehen hätten und dadurch wohl gezwungen seien, einen Umweg zu gehen und mehr nach Norden auszuweichen. «Wir glauben, dass wir dünnes Eis vor uns gesehen haben, was enorm interessant ist (…) Und wir werden dies genauer untersuchen, wenn wir können», meint Marc gegen Ende seiner letzten Nachricht.

Das Team zog seine Schlitten je selbst und auch Kimnik hatten einen kleinen Schlitten zum Ziehen. Daneben diente der Hund auch als Wache gegen Eisbären, wie es häufig in der Arktis der Fall ist. Foto: Cold Facts
Das Team zog seine Schlitten je selbst und auch Kimnik hatten einen kleinen Schlitten zum Ziehen. Daneben diente der Hund auch als Wache gegen Eisbären, wie es häufig in der Arktis der Fall ist. Foto: Cold Facts

Verschiedene wissenschaftliche Modelle haben vorhergesagt, dass das Sommermeereis in dieser Region der Arktis noch bis 2050 vorhanden sein würde. Doch gemäss Experten ist das mehrjährige Eis, welches besonders für Robben und Eisbären wichtig ist, seit Jahren immer dünner geworden. Ein Bericht des kanadischen Forschungsrates hatte daher die Notwendigkeit einer Erforschung der Situation vor Ort als wichtig betrachtet und unterstützt. Daher war es das Ziel von Marc und Philip, genügend Daten zu sammeln, die in die Modelle eingespiesen werden könnten und so die Arbeit der Wissenschaftler zu unterstützen, die die Erwärmung der Arktis und das Ausdünnen des wichtigen mehrjährigen Eises untersuchen.

Am Mittwoch, 29. April 2015 erhielt das niederländische Basislager eine Notfallnachricht vom Suchgerät, welches Marc und Philip bei sich trugen. Ein Flugzeug aus Resolute war innert kürzester Zeit in der Luft und flog zur letzten bekannten Stelle, die vom Gerät übermittelt worden war. Der Pilot, der aufgrund der Eisbedingungen nicht landen konnte, fand jedoch nur den Hund, einen Schlitten und ein grosses Loch im Eis. Die RCMP begann darauf eine Such- und Rettungsmission mit Hilfe eines anderen Flugzeugs und vier Beobachtern an Bord. Doch das Team fand beim Überfliegen der Stelle keine Spur von Marc und Philip selbst, sondern nur den Hund und einen Schlitten auf dem Eis und einen zweiten Schlitten im Wasser. Teile der Ausrüstung wurden auf dem Wasser treibend gesehen. Am Freitag gaben die Behörden den Tod von Marc Cornelissen und Philip de Roo bekannt, Todesursache: Ertrinken. Am Tag darauf begann die Polizei eine Bergungsaktion und sie konnten den Hund, der treu an der möglichen Unfallstelle ausgeharrt hatte, zurückholen. Doch von Marc und Philip fehlt auch weiterhin jede Spur. Es scheint, dass traurigerweise genau die Eisbedingungen, die sie untersuchen wollten, sie ihr Leben gekostet hat.

Quelle: Cold Facts, www.coldfacts.org