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Archäologen der National Oceanic and Atmospheric Agency NOAA haben die Wrackteile von zwei Walfangschiffen aus dem 19. Jahrhundert gefunden. Vor mehr als 144 Jahren waren sie Teil einer 33 Schiffe umfassende Walfangflotte, die vor der Küste von Alaska gesunken und verschwunden war.

«Die Walfänger verlassen ihre Schiffe im Arktischen Ozean im September 1871» Die Schiffe sind: Monticello, Kohola, Eugenia, Julian, Awashonks Thom Dickason, Minerva, WM. Rotch, Victoria und Mary. Wainwright Inlet ist im Hintergrund zu sehen. © Ted and Ellie Congdon, Huntington Library
«Die Walfänger verlassen ihre Schiffe im Arktischen Ozean im September 1871» Die Schiffe sind: Monticello, Kohola, Eugenia, Julian, Awashonks Thom Dickason, Minerva, WM. Rotch, Victoria und Mary. Wainwright Inlet ist im Hintergrund zu sehen. © Ted and Ellie Congdon, Huntington Library

Die Schiffswracks und Teile von anderen Schiffen, die gefunden wurden, sind mit grösster Wahrscheinlichkeit die Überreste von 33 Schiffen, die im September 1871 nahe der Küste von Alaska von Packeis eingeschlossen worden waren. Die Kapitäne der Schiffe hatten damals auf einen Windrichtungswechsel aus dem Osten gezählt, der das Eis auf das offene Meer hätte schieben sollen, wie es in den Jahren zuvor immer geschehen war. Doch das Eis blieb und die eingeschlossenen Schiffe wurden innerhalb von Wochen zerstört. Dadurch waren mehr als 1‘200 Walfänger gestrandet bis sie von sieben Schiffen einer Flotte, die rund 80 Seemeilen südlich nahe Icy Cape geblieben waren, gerettet wurden. Niemand starb bei dem Unglück, aber es wird als einer der Hauptgründe für den Niedergang des kommerziellen Walfangs in den USA betrachtet.

Die Karte zeigt das Gebiet, welches im Rahmen der Suche nach der verlorenen Walfangflotte im letzten Herbst durchsucht worden war. © M. Lawrence, NOAA
Die Karte zeigt das Gebiet, welches im Rahmen der Suche nach der verlorenen Walfangflotte im letzten Herbst durchsucht worden war. © M. Lawrence, NOAA

Aufgrund von weniger Eis in der Arktis durch den Klimawandel haben Archäologen nun besseren Zugang zu potentiellen Untergangsorten. Im September durchsuchte ein Archäologenteam als Teil des NOAA-internen Maritime Heritage Program einen 50 Kilometer langen Küstenbereich im Bereich der Tschuktschensee nahe Wainwright, Alaska. Vorherige Suchteams hatten Spuren von Ausrüstungsgegenständen gefunden, die von der lokalen Inupiat-Bevölkerung von den Wracks geborgen worden war. Ausserdem hatten sie an den Stränden zwischen Wainwright und Point Franklin im oberen Bereich Holzbretter gefunden. Mit Hilfe von neuesten Sonar- und Abtastungstechnologien konnte das NOAA-Team die magnetische Signatur der zwei Schiffswracks nachzeichnen, inklusive der Umrisse der abgeflachten Schiffsrümpfe. Die Wrackstelle war ausserdem mit Anker, Verschlüssen, Ballast und Ziegelsteinumwandeten Trantöpfen, in denen der Blubber zu Tran verkocht wurde, versehen.

Das Bild zeigt einige Überbleibsel der Schiffswracks: Ein kleiner Anker, eine Kettenplatte zur Befestigung von Takelage, ein eisernes Knie als Teil eines Schiffsrumpfes. © NOAA
Das Bild zeigt einige Überbleibsel der Schiffswracks: Ein kleiner Anker, eine Kettenplatte zur Befestigung von Takelage, ein eisernes Knie als Teil eines Schiffsrumpfes. © NOAA

«Frühere Forschungsergebnisse von einigen Wissenschaftlern hatten angedeutet, dass ein paar der Schiffe, die als gesunken galten, immer noch auf dem Meeresgrund sein könnten», erklärt Brad Barr, Projektvizeleiter und NOAA-Archäologe. «Aber bisher hat niemand einen definitive Beweis für den Verbleib der Schiffe liefern können. Die jetzige Expedition bietet die Gelegenheit, das letzte Kapitel dieses wichtigen Teils der amerikanischen Seefahrtsgeschichte zu schreiben.» James Delgado, Leiter des Programms Maritime Heritage Program der NOAA, erklärt, er glaube, dass die Wracks gegen eine unterseeische Sandbank gedrückt worden waren. Aufgrund von Beschreibungen aus erster Hand über den Verlust der Flotte, erklärt er, dass das Eis die Schiffsrümpfe geöffnet hatte und die oberen Bereiche der Schiffe weggerissen hatte. Dadurch wurden die Holzbretter an die Strände gespült, während die unteren Bereich der Schiffsrümpfe durch den Ballast und Anker an Ort und Stelle gehalten gegen die Sandbank gedrückt worden waren. «Normalerweise zerstört die Arktis Schiffe nicht, wenn es natürliche Hindernisse wie eine Sandbank, grosse Felsen oder eine geschützte Stelle gibt, die teilweise die Kräfte der Tonnen von Eis ablenken können», meint Delgado weiter.

Das Bild aus der Zeitschrift Harper’s Weekly von 1871 zeigt, wie die Seeleute die Schiffe George, Gayhead und Concordia verlassen. Bild: Mit freundlicher Genehmigung der Robert Schwemmer Maritime Library
Das Bild aus der Zeitschrift Harper’s Weekly von 1871 zeigt, wie die Seeleute die Schiffe George, Gayhead und Concordia verlassen. Bild: Mit freundlicher Genehmigung der Robert Schwemmer Maritime Library

Quelle: National Oceanic and Atmospheric Agency NOAA, www.noaanews.noaa.gov