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Nun will sich auch Deutschland in den Streit um die Aufteilung der Arktis einschalten. Das Auswärtige Amt plant eine grosse Arktiskonferenz im März 2009. Bei einigen Teilnehmern gibt es bereits jetzt Verstimmung.

Das Ambiente ist edel. Nach bisheriger Planung soll Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) seine Gäste im Welt- und Europasaal seines Ministeriums begrüssen. Beides sind ehemalige Kassenhallen der Reichsbank, die mittlerweile das Herz des Konferenzbereichs im Auswärtigen Amt bilden. «Wir haben einen Kalten Krieg am Nordpol zu vermeiden», hatte Steinmeier im Herbst 2007 erklärt. Über Ansprüche von Anrainerländern auf die dortigen Energievorkommen dürfe nur nach internationalem Recht entschieden werden. Mit einer grossen Arktiskonferenz in Berlin will er diese Vorgabe nun offenbar umsetzen.

Karte-Arktis-Gebietsansprueche

Vom 11. bis zum 13. März 2009 wollen die deutschen Diplomaten dazu eine grössere Zahl von Gästen begrüssen und mit ihnen, so das Veranstaltungsprogramm, über «Chancen und Verantwortlichkeiten» in der Arktis sprechen. Kooperationspartner des Treffens sind die Aussenministerien von Norwegen und Dänemark sowie das Max-Plack-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg. Als Vortragende sind unter anderem EU-Fischereikommissar Joe Borg, der norwegische Aussenminister Jonas Gahr Støre und der russische Nordpoltaucher Artur Tschilingarow geladen.

Bei den traditionellen Arktisbewohnern haben die Konferenzvorbereitungen unterdessen bereits für Verstimmung gesorgt. Zunächst hatten die Organisatoren gar keine Inuit zu Wort kommen lassen wollen. Als es daraufhin Proteste gab, wurde mit Aqqaluk Lynge vom Inuit Circumpolar Council gerade einmal einer ihrer Vertreter aufs Podium geholt. Die Situation erinnert an den Arktisgipfel der dänischen Regierung aus dem vergangenen Sommer, als Lynge ebenfalls der einzige traditionelle Arktisbewohner war, der überhaupt gehört wurde. «Unsere Interessen müssen berücksichtigt werden», hatte Grönlands Aussenminister Per Berthelsen im Januar im SPIEGEL-ONLINE-Interview gefordert. Auf der Berliner Konferenz dürfte das bestenfalls am Rande der Fall sein.

Bislang hat sich Deutschland nur wenig um die wachsenden Spannungen in der Arktis gekümmert. Ebenso wie die EU, die sich mit ihrer neuen Arktisstrategie ebenfalls nach einer langen Zeit des Desinteresses positioniert hat, scheint nun auch Berlin langsam aufzuwachen. Die Arktiskonferenz könnte zumindest ein Beleg dafür sein.
Im deutschen Interesse ist ein Fokus auf die Arktis allemal. Russland und Norwegen, zwei der wichtigsten deutschen Energielieferanten, wollen ihre Förderung im hohen Norden ausbauen - und sind nicht zuletzt deswegen auf politische Stabilität in der Region angewiesen. Ausserdem ist Deutschland eine der führenden Nationen in der Polarforschung, mit einer gemeinsam mit Frankreich betriebenen Forschungsstation auf Spitzbergen, mit dem Forschungsschiff «Polarstern» und auch mit der millionenschweren Beteiligung am geplanten europäischen Forschungseisbrecher «Aurora Borealis».

Quelle: Spiegel Online