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Die AECO, die Gesellschaft arktischer Expeditionskreuzfahrtorganisationen, ist die nördliche Antwort auf die IAATO und hat sich seit ihrer Gründung 2003 kontinuierlich an Gewicht gewonnen. Die Gesellschaft möchte sicherstellen, dass Tourismus in der Arktis auf eine nachhaltige und sanfte Art und Weise durchgeführt wird. Dazu hat sie wichtige und mittlerweile allgemein anerkannte Richtlinien und Wegweisungen eingeführt, die von den Mitgliedern (und auch Nicht-Mitgliedern) eingehalten werden. Seit diesem Jahr ist auch PolarNEWS ein Mitglied der AECO und war daher zum ersten Mal an ihrem Jahrestreffen mit dabei.

Der Geschäftvorstand der AECO (von links nach rechts) besteht aus Frygg Jørgensen, Troels Jacobsen, Jørn Henriksen, Conrad Combrink, Bill Evans und Ilja Leo Lang. Bild: Frygg Jørgensen
Der Geschäftvorstand der AECO (von links nach rechts) besteht aus Frygg Jørgensen, Troels Jacobsen, Jørn Henriksen, Conrad Combrink, Bill Evans und Ilja Leo Lang. Bild: Frygg Jørgensen

Die AECO hat sich in den letzten 11 Jahren zu einer wichtigen Nichtregierungsorganisation in der Arktis entwickelt. Frygg Jørgensen, die Geschäftsführerin, erklärte, dass sowohl die Mitgliederzahlen einen signifikanten Sprung gemacht haben, und zwar von 33 Mitgliedern 2013 auf 45 für diese Jahr. Auch die Tatsache, dass AECO bei verschiedenen Anlässen und vor unterschiedlichen politischen und technischen Organen auftreten konnte und über Tourismus in der Arktis sprechen durfte. Besonders hervorzuheben war dabei der Auftritt vor dem House of Lords, dem britischen Oberhaus. Doch auch die immer stärker steigende Zahl von Projektbeteiligungen und Anfragen von verschiedenen politischen und wissenschaftlichen Organen zeige die Bedeutung der AECO im internationalen Kontext, schloss Jørgensen.

Die Geschäftsführerin Frygg Jørgensen stellt die aktuellen Aktivitäten der AECO am diesjährigen Treffen in Oslo vor. Bild: Ilja Leo Lang
Die Geschäftsführerin Frygg Jørgensen stellt die aktuellen Aktivitäten der AECO am diesjährigen Treffen in Oslo vor. Bild: Ilja Leo Lang

Das Hauptaugenmerk der Industrie liegt auf Svalbard und die Entwicklung des Schiffstourismus dort, was von der Tourismusverantwortlichen der Svalbardverwaltung, Margrete Keyser, vorgestellt wurde. Dabei zeigte sich, dass die Besucherzahlen ähnlich hoch waren wie im Rekordjahr 2012. Doch die Zahl der grossen Kreuzfahrtschiffe (>300 Passagiere) hatte sich verringert, während die Zahl der Expeditionsschiffe sich gesteigert hatte. Insgesamt 35 Schiffe waren in der Saison 2014 im Svalbard-Archipel unterwegs.

Auf der anderen Seite der Arktis gab Anders La Court Vahl von „Visit Greenland" einen Überblick über die Entwicklung des Tourismus in Grönland. Dabei zeichnete er ein etwas düsteres Bild. Denn die Zahlen haben stagniert, obwohl die Zahl der Touristen angestiegen sind insgesamt. Wichtig dabei ist auch die Tatsache, dass die Expeditionsschiffe die grösste Zahl an Besuchen und Fahrten für Grönland darstellen. Weiter fügte La Court Vahl an, dass die Zahl der entwendeten Artefakte in Nordostgrönland seit 2011 zugenommen hat und die Schiffsbetreiber in Zukunft genauer auf ihre Gäste achten sollen.

Für die Entwicklung des Tourismus in der russischen Arktis sah die Entwicklung der Zahlen ähnlich aus. Zwar waren die Besucherzahlen leicht ansteigend, doch im Bereich des russischen Nationalparks waren im 2014 nur gerade 2 Schiffe unterwegs mit insgesamt 738 Besuchern. Der grösste Teil davon entfielen auf Gäste aus China, gefolgt von Deutschland und den USA. Doch auch die Schweizer Gäste gehörten zu den zahlreicheren Besuchern.

Auf der Agenda stand aber auch die Entwicklung des Schiffstourismus im nördlichen Kanada. Diese Region ist traditionell eher auf landgestützten Tourismus fokussiert, möchte jedoch im Rahmen eines Entwicklungsprogrammes für die lokale Bevölkerung auch Expeditionsschiffe in die Region einladen. Don Marrin und François Duclos von Parks Canada stellten dabei ein Massnahmenpaket zur Förderung eines sanften Expeditionstourismus vor.

Der erste Tag stand im Zeichen des arktischen Expeditionstourismus während der zweite Tag ausschliesslich für die AECO Mitglieder und ihre Geschäfte geplant war. Bild Ilja Leo Lang
Der erste Tag stand im Zeichen des arktischen Expeditionstourismus während der zweite Tag ausschliesslich für die AECO Mitglieder und ihre Geschäfte geplant war. Bild Ilja Leo Lang

Dass die AECO immer wichtiger wird in der Entwicklung der Arktis, zeigte sich auch in der Teilnehmerliste und den Projekten, bei denen die Expertise der AECO-Mitglieder zum Tragen kommt. Neben den AECO-Mitgliedern waren beispielsweise Francis Zachariae Vizegeneraldirektor der dänischen Seefahrtsbehörden, Arild Lyssand, Chefinspektor des Gouverneurs von Svalbard und Dr. Nikita Ovsyanikov von Polar Bears International oder Dr. Albina Pashkevich von der Universität Dalarna für Vorträge, die mit der AECO zusammenhängen, am zweitägigen Meeting eingeladen. Auch der Arktisrat, der Zusammenschluss der Arktisanrainerstaaten, hatte sich der Thematik „Arktischer Tourismus" angenommen und sucht die Zusammenarbeit mit der AECO, wie von Drummond Fraser, dem kanadischen Vertreter, hervorgehoben wurde. Und in der Entwicklung eines neuen e-Navigationswerkzeugs namens „ArcticWeb" wird die Meinung und die Eindrücke der einzelnen Mitglieder genutzt.

Neben den Tourismusaspekten wurde auch zum ersten Mal ein Preis für herausragende Leistungen für die AECO verliehen, der «Puffin» (Papageientaucher) in Bronze. In diesem Jahr ging der Preis an Oceanwide Expeditions für ihre Bemühungen und ihren Einsatz in den letzten Jahren zur Stärkung der AECO. Das Rennen für die übrigen Mitglieder, die AECO in Zukunft noch weiter zu stärken, ist damit eröffnet. Nächstes Jahr in Kopenhagen wird der «Puffin» wieder auf die AECO-Mitglieder warten.

Zum ersten Mal wurde der «Puffin» in diesem Jahr vergeben. Mark van der Hulst (links) und Troels Jacobsen (Mitte) nahmen den Preis von Jørn Henriksen (rechts) von der AECO entgegen. Bild: Frygg Jørgensen
Zum ersten Mal wurde der «Puffin» in diesem Jahr vergeben. Mark van der Hulst (links) und Troels Jacobsen (Mitte) nahmen den Preis von Jørn Henriksen (rechts) von der AECO entgegen. Bild: Frygg Jørgensen

Quelle: Michael Wenger