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Das kanadische Militär hat wieder die Eröffnung einer grossen arktischen Hafens verschoben. Dies wird als Zeichen gedeutet, dass die Regierung Probleme hat, ihren Anspruch über die abgelegene, aber Ressourcen-reiche Region der Arktis aufrechtzuhalten. Der geplante Tiefwasserhafen in Nanisivik, rund 3’100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Ottawa, ist eine der Schlüsselplätze in den Plänen von Premierminister Stephen Harper. Der Hafen, der bereits 2012 hätte eröffnet werden müssen, wird nun nicht vor 2018 in Betrieb genommen. Zusätzlich dazu werden auch die geplanten und benötigten Schiffe, um Kanadas Anspruch auf die arktischen Gewässer zu untermauern, erst in demselben Jahr fertiggestellt.

Die geplanten AOPS (Arctic/Offshore Patrol Ships) werden 103 Meter lang sein eine Crew von 65 haben. Die Hauptbewaffnung ist eine ferngesteuerte 25-mm Kanone. Ausserdem erlaubt der Bau des Schiffes die Aufnahme eines geplanten CH-148 Cyclone Seehelikopters, der auch 2018 fertig sein soll. Bild: The Globe and Mail
Die geplanten AOPS (Arctic/Offshore Patrol Ships) werden 103 Meter lang sein eine Crew von 65 haben. Die Hauptbewaffnung ist eine ferngesteuerte 25-mm Kanone. Ausserdem erlaubt der Bau des Schiffes die Aufnahme eines geplanten CH-148 Cyclone Seehelikopters, der auch 2018 fertig sein soll. Bild: The Globe and Mail

Nanisivik liegt am Eingang der Nordwestpassage, die eine Abkürzung für die Schifffahrt zwischen Atlantik und Pazifik wird, da der Klimawandel die Eis-verstopften Wasserwege mittlerweile geöffnet hat. Kanada erhebt Anspruch über die Passage und der Hafen von Nanisivik würde helfen, die Präsenz in der Region zu erhalten und so den Anspruch zu untermauern, Die USA lehnen Kanadas Anspruch ab und behaupten, die Passage sei internationale Gewässer. Die Regierung Harper hatte 2007 angekündigt, dass der Hafen in Nanisivik ab 2012 in Betrieb sein würde. Im August 2013 verschob sie dann die Eröffnung auf 2017 und redimensionierte die Grösse. Um Kostenexplosionen zu vermeiden, wurde aus der geplanten Flottenbasis eine Tank- und Dockstation, trotzdem aber strategisch wichtig. Das Verteidigungsministerium machte die Bemühungen zur Dekontamination von Land für die Verzögerung verantwortlich. Denn Nanisivik liegt in einem ehemaligen Blei- und Zinkabbaugebiet. "Das Zieldatum wurde auf 2018 angepasst nachdem wir Ortsuntersuchungen durchgeführt hatten… um sicherzustellen, dass alle Notwendigkeiten erfüllt werden können, “ erklärt die Navy-Sprecherin Dominique Tessier. Nanisivik war geplant als eine permanent besetzte Basis, wird aber nun nur während der 4-monatigen Sommersaison besetzt sein. Dies passt in den Plan von Premierminister Harper, der angekündigt hatte, dass während dieser Zeit, in der Schiffe durch die Passage fahren, Patrouillenschiffe in dem Gebiet eingesetzt werden.

Der Hafen von Nanisivik liegt rund 3.7 Kilometer von der ehemaligen Bergbaustadt entfernt. Die kanadische Küstenwache nutzt nun den Hafen für Trainingszwecke.
Der Hafen von Nanisivik liegt rund 3.7 Kilometer von der ehemaligen Bergbaustadt entfernt. Die kanadische Küstenwache nutzt nun den Hafen für Trainingszwecke.

Die Verzögerung ist eine weitere Herausforderung für Kanadas Pläne, der Arktis seinen Stempel aufzudrücken. Vor den Wahlen 2006 versprachen die Konservativen, dass sie drei bewaffnete Eisbrecher für die Region bauen würden. Ein Jahr später erklärten die nun gewählten Konservativen, sie würden sechs bis acht Patrouillenschiffe in Auftrag geben, die in mittleren Eisbedingungen operieren könnten. Im Januar dieses Jahres wurden daraus noch fünf bis sechs Schiffe. Der $3.5 Milliarden-Deal mit der Gesellschaft Irving Shipbuilding in Halifax wurde nun unterzeichnet und das erste Schiff namens Harry DeWolf wird im Jahr 2018 fertig sein, gefolgt von einem Schiff alle neun Monate.

Nanisivik ist eine ehemalige Minenstadt in Nunavut, in der Blei und Zink bis ins Jahr 2002 abgebaut wurde. Sie liegt rund 20 Kilometer östlich von Arctic Bay, einem bekannten Ort auf der Nordwestpassage-Route der Kreuzfahrtschiffe.
Nanisivik ist eine ehemalige Minenstadt in Nunavut, in der Blei und Zink bis ins Jahr 2002 abgebaut wurde. Sie liegt rund 20 Kilometer östlich von Arctic Bay, einem bekannten Ort auf der Nordwestpassage-Route der Kreuzfahrtschiffe.

Die sogenannten AOPS (Arctic/Offshore Patrol Ships) sind 103-Meter lange Schiffe, die in mittleren Eisbedingungen operieren können, das heisst bis in einem Meter dickem einjährigem Eis. Dadurch eröffnen sich der Marine die südlichen und westlichen Gebiete des kanadischen Archipels und der wichtige Westeingang der Nordwestpassage. Doch für Operationen in dickerem Eis benötigen die Schiffe die Unterstützung eines Eisbrechers der Küstenwache. “Wie die Schiffe eingesetzt werden, wird noch bestimmt. Es gibt keine spezifischen Patrouillengebiete für die Schiffe. Dies hängt von verschiedenen Variablen ab, besonders von der zugewiesenen Mission, “ steht in einem Marinebericht an die kanadische Zeitung The Globe and Mail. Die Aufgaben der Schiffe beinhalten zum einen Überwachung, zum anderen sollen sie ein Zeichen setzen „zur Sicherstellung und Durchsetzung von Kanadas Souveränität“. Vizeadmiral Mark Norman von der kanadischen Marine meint:„ Offensichtlich spielen die AOPS eine Schlüsselrolle, da sie der Marine erlauben, mit ihren Partnern Operationen in der Arktis durchzuführen und zu unterhalten. Wir sind sehr erfreut, die Gelegenheit einer Tankstation in Nanisivik zu haben. Denn dies gibt uns die Möglichkeit, uns zu etablieren und noch weiter nördlich liegende Gebiete zu erreichen.“

Die Pläne sehen eine Ausweitung der Operationen in arktischen Gewässern durch den Einsatz der AOPS bis zum Nordpol bis 2030 vor (rote Linie). Bild: The Globe and Mail
Die Pläne sehen eine Ausweitung der Operationen in arktischen Gewässern durch den Einsatz der AOPS bis zum Nordpol bis 2030 vor (rote Linie). Bild: The Globe and Mail

Trotz der Ankündigungen der Marine und der Reden von Premierminister Harper sind die Verzögerungen und Kürzungen zu einer Zeit gekommen, in der die Kritik an der kanadischen Arktispolitik im Inneren immer lauter geworden sind. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Kanada Gelegenheiten verpasst hat, seine Souveränität und Autorität in der Arktis zu festigen. Streitigkeiten mit den USA um Meeresbodengebiete im Beringmeer und mit Russland über den Nordpol sind die Konsequenzen. Es bleibt zu sehen, ob der geplante Fahrplan für die AOPS und die Anlagen in Nanisivik plus die übrigen Pläne der Regierung Harper ausreichen, um Kanadas Anspruch als arktische Macht zu festigen. Besonders in der jetzigen Zeit des Klimawandels, der nicht nur das natürliche Klima beeinflusst, sondern auch das politische Klima.

Quellen: Michael Bird The Glob and Mail, Mike De Souza Reuters