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Der Klimawandel ist die grösste Herausforderung und die grösste Bedrohung für die Arktis und ihre Bewohner. Arktische Gemeinden müssen sich überall anpassen und Hürden überwinden, um mit den Auswirkungen des Klimawandels zurecht zu kommen. Eine Forschungsarbeit von Wissenschaftlern der kanadischen McGill Universität hat nun einige der Hürden identifiziert. Die Forscher kommen zum Schluss, dass die Bewohner der Arktis die Fähigkeit in sich drin haben, mit einem sich ändernden Klima umzugehen, aber es zahlreiche nicht-klimarelevante Faktoren gibt, die grössere Entwicklungshindernisse darstellen. Zusätzlich kommt dazu, dass diese Faktoren regional unterschiedlich sind.

Tausende von Jahren Anpassung haben arktischen Gemeinschaften die Fähigkeiten und Möglichkeiten gegeben, von Natur aus mit einer sich verändernden Umwelt umzugehen. Jedoch sind Aspekte und Faktoren des modernen Lebens wie beispielsweise Jagdverbote oder langsame und unflexible Verwaltungsapparate grosse Hürden im Alltagsleben und behindern die Menschen, sich entsprechend an eine sich immer stärker verändernde Natur anzupassen. Bild: Michael Wenger
Tausende von Jahren Anpassung haben arktischen Gemeinschaften die Fähigkeiten und Möglichkeiten gegeben, von Natur aus mit einer sich verändernden Umwelt umzugehen. Jedoch sind Aspekte und Faktoren des modernen Lebens wie beispielsweise Jagdverbote oder langsame und unflexible Verwaltungsapparate grosse Hürden im Alltagsleben und behindern die Menschen, sich entsprechend an eine sich immer stärker verändernde Natur anzupassen. Bild: Michael Wenger

Die Forscher sind zu diesen überraschenden Ergebnissen gekommen, nachdem sie eine grosse Zahl von wissenschaftlichen Arbeiten (135 Artikel) über die Anpassung an Klimawandel, Widerstandsfähigkeit und Anfälligkeit von arktischen Gesellschaften auf der gesamten Erde. Aber trotz der Stärke und des Geschwindigkeit des Klimawandels im Norden, glauben die Forscher, dass, wenn die Politik und die Praktiken in verschiedenen Arten sich ändern werden, diese Gemeinschaften von Natur aus gerüstet sind, um sich an viele, wenn auch nicht alle, zu erwartenden Veränderungen des Klimas anzupassen. «Arktische Gemeinschaften werden oft als sehr anfällige Menschen betrachtet. Aber das ist nicht, was uns die Forschung notwendigerweise zeigt», erklärt James Ford von der McGill Universität, Abteilung Geographie, und Hauptautor der Studie, die vor kurzem im sehr renommierten Fachjournal Nature Climate Change veröffentlich wurde. «Menschen in diesen Gemeinden betrachten die arktische Umwelt von Natur aus als unvorhersehbar und einem konstanten Fluss. Sie haben sich in der Vergangenheit immer wieder an Umweltveränderungen angepasst, indem sie flexibel mit ihren Ressourcen umgegangen sind. Aber ihre Fähigkeit, Möglichkeiten auszuschöpfen, wie beispielsweise eine länger werdende Transportsaison oder neue Erntemöglichkeiten, werden durch Druck von aussen und Beschränkungen zu einer Herausforderung.»

Die Probleme, die kleine arktische Gemeinden wie beispielsweise Ittoqqortoormiit in Ostgrönland haben, sind nicht natürlich, sondern zivilisationsbedingt und daher ursprünglich menschlicher Natur. Bild: Michael Wenger
Die Probleme, die kleine arktische Gemeinden wie beispielsweise Ittoqqortoormiit in Ostgrönland haben, sind nicht natürlich, sondern zivilisationsbedingt und daher ursprünglich menschlicher Natur. Bild: Michael Wenger

Die Forscher haben herausgefunden, dass abhängig von der Region, die Situation der nördlichen Gemeinschaften sich signifikant unterscheiden, je nach der Interaktion zwischen der Geschwindigkeit des Klimawandels und verschiedenen nicht-Klimafaktoren wie Ressourcen, lokale politische Führung, Flexibilität der Institutionen und die Geschichte der Kolonisierung mit seinen wirtschaftlichen, gesundheitlichen und Bildungsaspekten. «Nicht alle Formen von Institutionen bremsen die Anpassungen», meint Ford. «Institutionen können als Wege der Wissensentwicklung dienen. Im nördlichen Kanada und Alaska beispielsweise, integrieren Mitbestimmungspraktiken Wissenschaft, traditionelles Wissen und lokale Bedürfnisse in das Wildtiermanagement von Belugas in der Beaufortsee. Es gibt Beweise, dass diese Form des Managements den Informationsaustausch beschleunigt und die Konflikte um die Ressourcen verringert. Aber dieser Erfolg wurde nicht überall gesehen. In einigen Fällen existiert immer noch ein Konflikt zwischen Wissenschaft und traditionellem Wissen. Und es besteht die Gefahr, dass die Diskussion über Anpassung von einzelnen mächtigen Interessensvertreter selektiv genutzt wird, um bestimmte politische Absichten und Bahnen einzuschlagen.»

Regionale Unterschiede resultieren in verschiedenen Entwicklungsstadien arktischer Gemeinschaften. Beispielsweise sind kanadische Gemeinden besser mit der Aussenwelt und innerhalb des Staates besser vernetzt. Daher geht es den Mitgliedern dort im Vergleich zu anderen, eher abgelegenen Orten besser. Bild: Michael Wenger
Regionale Unterschiede resultieren in verschiedenen Entwicklungsstadien arktischer Gemeinschaften. Beispielsweise sind kanadische Gemeinden besser mit der Aussenwelt und innerhalb des Staates besser vernetzt. Daher geht es den Mitgliedern dort im Vergleich zu anderen, eher abgelegenen Orten besser. Bild: Michael Wenger

Die Wissenschaftler glauben, dass die Arktis nicht nur ein Herold des Klimawandels für die weiter südlichen Regionen ist, sondern uns auch ein Verständnis über die Herausforderungen bietet, die auf uns zukommen werden. Die Forscher schlagen vor, dass weitere Studien durchgeführt werden sollten, um besser zu verstehen, warum einige Gemeinschaften erfolgreicher sich anpassen konnten als andere und so unser Verständnis für die Barrieren und Grenzen der Anpassungen zu erweitern.

Quelle: McGill University, www.mcgill.ca/newsroom