• Brand auf chilenischer Antarktis-Station

    Ein Feuer auf der chilenischen Marine-Basis auf King George Island (Südshetland-Inseln, Antarktis) hat in der Nacht auf Donnerstag mehrere Gebäude zerstört. Die 10 dort stationierten Angehörigen der chilenischen Marine wurden nicht verletzt und wurden evakuiert. Das Feuer brach mitten in der Nacht im alten Teil der Station aus. Angefacht durch starke Winde, sprangen die Flammen schon bald auch auf die neueren Gebäude aus dem Jahr 2009 über. Löschversuche wurden durch die Feuerwehr des nahegelegenen Flugplatzes Teniente Marsh unterstützt, doch mit wenig Erfolg. Bei Mporgengrauen konnte das Feuer zwar gelöscht werden, doch nur noch rauchende Ruinen blieben übrig. Die Ursache des Feuer und die Höhe des Schadens werden zurzeit untersucht. Der Flug- und Schiffsbetrieb werden weitergeführt.

Das arktische Meereis schmilzt immer weiter und viele Gebiete werden dadurch geöffnet. Dies zieht unter anderem auch Leute an, die nicht nur die negativen Konsequenzen für die arktischen Ökosysteme sehen, sondern auch Gelegenheiten für Unternehmen und Abenteurer. Eine der neuesten Ideen ist das «Sailing The Arctic»-Rennen, ein Segeljachtrennen, welches im Sommer/Herbst 2017 stattfinden soll. Der Plan sieht vor, von New York aus durch die sagenhafte Nordwestpassage nach Victoria auf Vancouver Island, Kanada zu segeln. Eine mehr als 12‘300 Kilometer lange Reise durch extreme Bedingungen.

Im Sommer 2014 mussten nach einem Monat Warten am östlichen Ende der Nordwest Passage Jimmy Cornell und seine Crew auf der «Aventura» leider aufgeben.
Im Sommer 2014 mussten nach einem Monat Warten am östlichen Ende der Nordwest Passage Jimmy Cornell und seine Crew auf der «Aventura» leider aufgeben.

Man hört oft, wie schlimm der Eisverlust für die arktischen Ökosysteme und die Kulturen dort sein wird. Doch es gibt Leute, die darin auch neue Möglichkeiten sehen. Und bei denen geht es nicht nur um Industrie und Schifffahrt, sondern auch um Wettbewerb und Abenteuer. Eines der neuesten solchen Projekte ist das «Sailing The Arctic»-Rennen (STAR), ein «extremes Jachtrennen» welches für 2017 geplant ist. Die Mannschaften sollen insgesamt 12‘391 Kilometer segeln, unter anderem auch durch die berühmte Nordwestpassage. «Je mehr Eis dort wegschmilzt, desto offener wird es dort für uns sein», sagt Robert Molnar, ein passionierter Segler, Unternehmer und Gründer und CEO von STAR. «Normalerweise könnte man das nicht tun, aber jetzt machen wir’s». Auf der Liste der Sponsoren haben sich bereits verschiedene Firmen eingetragen. Doch neben der Goldgräberstimmung herrscht auch Skepsis in Seglerkreisen. Beispielsweise hat Mark Pillsbury, der Redakteur des renommierten Seglermagazins Cruising World, das Projekt als «sehr ambitioniert und unwahrscheinlich» bezeichnet. Das bedeutet auch, dass bisher auf dem STAR-Projekt eine nicht unerhebliche Beweislast liegt. Doch auch wenn es jetzt nicht genau dieses Rennen in genau diesem Jahr 2017 sein werden wird, ist die Kernaussage, nämlich dass die Arktis sich rasant verändert und immer mehr Boote und Schiffe sie durchfahren werden, kaum wegzudiskutieren.

Gemäss den Organisatoren sollen die Jachten in New York starten und auf ihrem Weg nach Victoria, BC, Kanada Zwischenhalte in Halifax, Nuuk, Cambridge Bay, Tuktoyaktuk und Dutch Harbor (Aleuten) einlegen. Karte: Sailing The Arctic Race
Gemäss den Organisatoren sollen die Jachten in New York starten und auf ihrem Weg nach Victoria, BC, Kanada Zwischenhalte in Halifax, Nuuk, Cambridge Bay, Tuktoyaktuk und Dutch Harbor (Aleuten) einlegen. Karte: Sailing The Arctic Race

Die kritische Stelle der vorgeschlagenen Route wird die berühmte Nordwestpassage sein. Die Route folge derjenigen, die von Roald Amundsen zwischen 1903 – 1906 bei seiner Durchquerung der Passage an Bord seines kleinen Schiffes Gjøa genommen wurde, erklärt Mark Sezerre, Leiter des Nationales Schnee und Eisdatenzentrums in Boulder, Colorado. «Obwohl am Ende des Sommer die Eisbedingungen auf der Amundsen-Route der Nordwestpassage über die letzten zehn Jahre etwas milder geworden sind, bleiben sie sehr unterschiedlich,» erklärt Sezerre in einer E-Mail an die Washington Post. «Am Ende des Sommers 2017 kann die Route mehr oder weniger eisfrei sein. Sie könnte aber auch komplett mit Eis verstopft sein. Viel hängt davon ab, wie sich das Sommerwetter entwickelt.»

Roald Amundsen war der erste, dem eine Durchquerung der Nordwestpassage 1903 – 1906 gelang. Er benutzte die Gjøa ein kleines Schiff mit wenig Tiefgang, einem kleinen Paraffinmotor und etwas Eisverstärkung.
Roald Amundsen war der erste, dem eine Durchquerung der Nordwestpassage 1903 – 1906 gelang. Er benutzte die Gjøa ein kleines Schiff mit wenig Tiefgang, einem kleinen Paraffinmotor und etwas Eisverstärkung.

Trotz allem besteht nur wenig Zweifel, dass es immer leichter wird, die Nordwestpassage zu durchqueren. Daten der kanadischen Umweltbehörde zeigt, dass seit 2000 die Minimalfläche des Eises in der Passage im Spätsommer/Frühherbst weniger als 5 Prozent ist. «Seit den 1980er Jahren sind Fahrten durch die Passage ein jährliches Ereignis geworden», schreibt das Departement für Umwelt und Rohstoffe der kanadischen Nordwest Territorien. «Die Zahl der Fahrten hat von 4 pro Jahr in den 1980er auf 20 – 30 pro Jahr für 2009 – 2013 zugenommen.» Fast ein Drittel der Schiff, die durchfahren, sind gemäss der Agentur «kleine Schiffe und Abenteurer». Dies ist eine Klasse, die wahrscheinlich den Rennseglern am nächsten kommt. Gemäss einer Aussage der kanadischen Küstenwache müssen Jachten und Ausflugsschiffe, die durch die Gewässer der kanadischen Arktis hindurchfahren, sich nicht bei den Behörden melden. Aber es wird streng empfohlen, dies zu tun. «Schiffe, die durch die Nordwestpassage segeln, sollten auf sich rasch ändernde Wetter- und Eisbedingungen gefasst sein,» schreibt die Küstenwache weiter. «Seeleute können extreme jährliche Änderungen erfahren und sind für Navigationsentscheidungen und die Sicherheit ihrer Schiffe verantwortlich.»

Der berühmteste Versuch, die Nordwestpassage zu durchqueren, wurde von Sir John Franklin 1845 mit zwei Schiffen, der Erebus und Terror, unternommen. Die Expedition schlug fehl und alle Männer starben im Verlauf der Expedition.
Der berühmteste Versuch, die Nordwestpassage zu durchqueren, wurde von Sir John Franklin 1845 mit zwei Schiffen, der Erebus und Terror, unternommen. Die Expedition schlug fehl und alle Männer starben im Verlauf der Expedition.

Daher die Frage: Wird das Rennen wirklich stattfinden? Dazu sagt Katy Campbell, eine Sprecherin von STAR, dass das Rennen seinen Zeitplan verschieben kann, falls die Bedingungen schlecht seien oder aus Sicherheitsgründen die Route verlegen kann. «Seit 2007 fuhren mehrere Duzend Segelschiffe genau die Route ab, die wir durchfahren möchten.»

Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass auch wenn das Rennen nicht in dieser Form in diesem Jahr stattfinden wird, es immer mehr Schiffe geben wird, die durch die Nordwestpassage und durch die Arktis segeln werden, sowohl aus Geschäftsgründen wie auch aus Spass. Da kommt die Idee, ein Rennen daraus zu machen, von allein. Denn Abenteuer und Erkunden liegt in uns allen drin. Öffnet sich ein Teil der Welt, wird es immer jemanden geben, der sagen wird: Los geht’s‘! Robert Molnar meint dazu: «In die Arktis zu fahren, wird das erste Mal sein und darin liegt die Faszination für Sponsoren und der Leute dahinter. Denn es gibt immer nur eine einmalige Gelegenheit zu sagen: Das ist das erste Mal und ich war dabei.»

Quelle: Chris Mooney, The Washington Post