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Albatrosse sind eine der Ikonen der antarktischen Vogelwelt. Fast niemand kann sich der Faszination dieser eleganten Vögel entziehen, wenn sie über die Wellen des Südpolarmeeres segeln. Doch ihre Zahl hat sich in den vergangenen 35 Jahren signifikant reduziert, besonders diejenigen, die rund um Südgeorgien brüten. Zu diesem Resultat kommt eine Studie, die jetzt in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde.

Der Wanderalbatros ist der grösste Meeresvogel der Welt mit einer Spannweite von über 3.5 Meter. Sein Cousin, der Graukopfalbatros, misst „nur“ 2.5 Meter. Beide untersuchten Arten brüten auf Südgeorgien und jetzt scheinen ihre Zahlen zu fallen. Bild: Michael Wenger
Der Wanderalbatros ist der grösste Meeresvogel der Welt mit einer Spannweite von über 3.5 Meter. Sein Cousin, der Graukopfalbatros, misst „nur“ 2.5 Meter. Beide untersuchten Arten brüten auf Südgeorgien und jetzt scheinen ihre Zahlen zu fallen. Bild: Michael Wenger

Die Populationen von Wander-, Graukopf- und Schwarzbrauenalbatros haben sich in den vergangenen 35 Jahren auf Bird Island, welches zu Südgeorgien gehört, praktisch halbiert. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die eben in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde. Die Studie, die von Forscher der British Antarctic Survey (BAS) durchgeführt worden war, weist diesen Rückgang auf Umweltveränderungen und Tod durch die Langleinen- und Schleppnetzfischerei zurück. Insgesamt gehören die Albatrosse zu den am stärksten bedrohten Vögeln der Welt. Von den 22 bekannten Arten stehen 17 auf der Liste „Vom Aussterben bedroht“ und die restlichen fünf gelten als „Unmittelbar bedroht“. Mithilfe einer Analyse der Brutgeschichte von mehr als 36‘000 individuell beringten Albatrossen, fanden die Forscher einen Rückgang in den Überlebensraten von Erwachsenen und Jungvögeln, was zu einem ernsthaften Rückgang in den Wachstumsraten der Populationen mit entsprechenden Langzeiteffekten geführt hat. Albatrosse sind eine sehr langlebige Vogelgruppe mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 25 – 35 Jahren, wobei einzelne Vögel bis 50 und Wanderalbatrosse sogar bis über 60 Jahre alt werden können.

Wanderalbatrosse bleiben ein Leben lang zusammen und besitzen einen langsamen und langen Brutzyklus. Nach der Fortpflanzung trennen sich Männchen und Weibchen bis zum Beginn der neuen Brutsaison und fischen in verschiedenen Regionen. Bild: Michael Wenger
Wanderalbatrosse bleiben ein Leben lang zusammen und besitzen einen langsamen und langen Brutzyklus. Nach der Fortpflanzung trennen sich Männchen und Weibchen bis zum Beginn der neuen Brutsaison und fischen in verschiedenen Regionen. Bild: Michael Wenger

Die Studie konzentrierte sich auf Albatrosarten, die auf Bird Island, nahe Südgeorgien, brüten und von der BAS seit 1972 überwacht werden. Brütende und nicht-brütende Erwachsene und auch Küken wurden seither jedes Jahr beringt und identifiziert. Dadurch stand eine qualitativ hochstehendes Demographie-Datenset zur Verfügung, um die Auswirkungen von Alter, Geschlecht, Brutstatus und Jahr zu untersuchen. Durch die Langzeitbeobachtungen konnten die Wissenschaftler die Populationsstrukturen, Bruthäufigkeit und –erfolg und die Überlebensraten der Jungvögel und Erwachsenen der drei sehr langlebigen Vogelarten in ihrer sich verändernden Umwelt untersuchen. Zurzeit befinden sich auf Bird Island rund 700 Wanderalbatrospaare, rund 3‘000 Graukopfalbatrospaare und etwa 7‘000 Paare von Schwarzbrauenalbatrossen. Die Hauptautorin der Studie, Dr. Deborah Pardo von de BAS, meint: „Unsere Studie zeigt, dass der Beifang in der Fischerei und die Umweltveränderungen beide die Überlebensrate der Vögel hauptsächlich reduzieren. Während wir zwar wissen, dass die Populationsgrössen seit Mitte der 90er Jahren durch den Beifang beeinflusst worden sind, haben die klimatischen Veränderungen der letzten Jahre inklusive stärkere und polwärts gerichtete Winde, höhere Meerestemperaturen und weniger Meereis die Auswirkungen noch massiv verstärkt. Wir fanden auch heraus, dass die Population der Graukopfalbatrosse besonders durch El Niño-Phänomene, die zeitgleich mit erhöhten Fischereiaktivitäten im Nahrungsgebiet aktiv waren, betroffen worden waren. Das Phänomen reduzierte die Nahrungsverfügbarkeit und die Vögel wechselten auf das Verfolgen von Fischereischiffen und deren Abfälle. Damit endeten mehr Vögel an den Haken der Langleinen.“

Alle Albatrosarten müssen ihre Nahrung auf hoher See suchen. Diese Gebiete sind am gleichen Ort wie die Fischereigebiete, wo Langleinenschlepper Schwarze Seehechte und andere teure Fischarten fangen. Trotz verschiedener Versuche enden tausende von Albatrossen an den Haken als Beifang. Bild: Michael Wenger
Alle Albatrosarten müssen ihre Nahrung auf hoher See suchen. Diese Gebiete sind am gleichen Ort wie die Fischereigebiete, wo Langleinenschlepper Schwarze Seehechte und andere teure Fischarten fangen. Trotz verschiedener Versuche enden tausende von Albatrossen an den Haken als Beifang. Bild: Michael Wenger

Diese neue Studie betont die Wichtigkeit von Langzeituntersuchungen, um die Einflüsse der Fischerei genauer zu verstehen. Denn trotz der Anstrengungen, die verantwortlichen Stellen zu informieren, sind die Richtlinien zur Vermeidung von Beifang nicht umgesetzt worden und werden selten vollstreckt. Erschwerend kommen nun noch die Klimaveränderungen dazu, da sie die Beutestruktur und die Jagdeffizienz negativ beeinflussen. Der Mitautor der Studie, Professor Richard Phillips von der BAS, erklärt dazu: „Dies ist die erste umfangreiche Studie auf Südgeorgien, und eine der ersten global, die die Einflüsse von Klimawandel und Fischerei auf die Populationen von langlebigen Seevögeln untersucht. Das Resultat, dass der Beifang einen so grossen Einfluss auf die Population von Graukopfalbatrossen hat, kam sehr unerwartet. Normalerweise werden Mortalitäten von diesen Seevögeln nur selten von den Beobachtern an Bord der Fischereischiffe verzeichnet. Unsere Resultate untermauern auch, wie wichtig es ist, die Fischereirichtlinien anderswo zu verbessern. Denn während die BAS mit der CCAMLR zusamme die Richtlinien zur Vermeidung von Beifang in Südgeorgien durchgesetzt hat, haben wir Beweise von unseren Langzeitdaten, dass an anderen Orten mehr unternommen werden muss, um den unnötigen Tod von zehntausenden von Vögeln jedes Jahr verhindern zu können.“

Die Schwarzbrauenalbatrosse sind nahe mit den Graukopfalbatrossen verwandt, brüten jedoch nur in kleiner Zahl auf Südgeorgien. Das Hauptbrutgebiet liegt auf den Falklandinseln. Bild: Stefan Gerber
Die Schwarzbrauenalbatrosse sind nahe mit den Graukopfalbatrossen verwandt, brüten jedoch nur in kleiner Zahl auf Südgeorgien. Das Hauptbrutgebiet liegt auf den Falklandinseln. Bild: Stefan Gerber

Quelle: British Antarctic Survey