Südliche Glattwale oder Südkaper haben lange unter unkontrollierter Jagd in den frühen Tagen des industriellen Walfangs gelitten. Besonders rund um die subantarktische Insel Südgeorgien hatten die Walfänger sehr schnell die langsamen und fetten Wale dezimiert. Seit dem Walfangmoratorium zu Beginn der 70er Jahre haben aber die Tiere ein erstaunliches Wiederauferstehen gefeiert. Jetzt will ein internationales Forscherteam unter der Leitung der British Antarctic Survey (BAS) nach Südgeorgien segeln, um zum ersten Mal eine Übersicht über den Zustand der Glattwale zu erhalten.

Südliche Glattwale sind zwischen 15 -18 m lang und wiegen 45 – 80 Tonnen. Ihre Wanderrouten sind lang, denn die Tiere pendeln zwischen den antarktischen und den argentinischen Küstengewässern. Bild: Michael Wenger
Südliche Glattwale sind zwischen 15 -18 m lang und wiegen 45 – 80 Tonnen. Ihre Wanderrouten sind lang, denn die Tiere pendeln zwischen den antarktischen und den argentinischen Küstengewässern. Bild: Michael Wenger

Die Population von südlichen Glattwalen war nach fast 300 Jahren Jagd im Südatlantik auf einen Tiefpunkt gefallen. Als der kommerzielle Walfang gestoppt wurde, dachte man, dass sich die Populationen wieder erholen würden. Nun wird ein Team von 8 Forschern und drei Seglern rund fünf Wochen an Bord der „Song of the Whale“ verbringen, um den Gesundheitszustand der Wale an ihren Nahrungsstellen zu bestimmen. Zusätzlich hoffen die Wissenschaftler herauszufinden, warum im letzten Jahrzehnt eine grosse Zahl von toten Walkälbern an den Küsten von Argentinien angeschwemmt worden waren. Fotoidentifizierung und Satellitensender zeigten, dass die Glattwale ihre saisonalen Wanderungen zwischen Südgeorgien und der Halbinsel Valdes in Argentinien unternehmen. Doch dieses Gebiet hatte in der Vergangenheit eine grosse Kälbersterblichkeit. Es besteht ein starker Verdacht, dass die Umweltbedingungen Südgeorgiens auf direkte Weise den Aufzuchtserfolg dieser Wale beeinflusst. Man nimmt an, dass die Nahrungsverfügbarkeit um Südgeorgien ein primärer Faktor ist, der die Reproduktionsrate der Tiere beeinflusst. Die Walökologin Dr. Jennifer Jackson von der BAS leitet die Forschungsfahrt. Sie erklärt: „Wir wissen nur wenig über die Glattwale um Südgeorgien. Jetzt wollen wir herausfinden, wieviele Tiere sich hier aufhalten, wo und was sie fressen und wie gesund sie sind. Schliesslich wollen wir verstehen, wie die Population sich vom Walfang erholt und hoffen auch, das Geheimnis um die toten Kälber zu lüften.“

Glattwale gebären ihre Kälber in den warmen Gewässern der argentinischen Küste. Die Jungen werden dann während zwei Jahren gesäugt- Wie die anderen Glattwalarten pflanzen sich die Tiere nur langsam fort aufgrund ihres langen Lebens. Rosely Miranda
Glattwale gebären ihre Kälber in den warmen Gewässern der argentinischen Küste. Die Jungen werden dann während zwei Jahren gesäugt- Wie die anderen Glattwalarten pflanzen sich die Tiere nur langsam fort aufgrund ihres langen Lebens. Rosely Miranda

Das Team wird die Wale mithilfe von fortschrittlicher Akustiktechnik lokalisieren, wie es bereits bei Blauwalen erfolgreich angewendet worden ist. Durch die Geräusche oder Gesänge können die Forscher den Ort entdecken. Wenn sie entdeckt worden sind, werden die Tiere mit Fotos identifiziert, es werden Hautproben genommen und Satellitenseinder angebracht, um sie zu verfolgen. Auch der Einsatz von Drohnen ist geplant, um den Körper und den generellen Gesundheitszustand zu bewerten. Ausserdem hofft das Team auf die Mithilfe von Expeditionsschiffen und Touristen, die in den Gewässern von Südgeorgien und den Falklandinseln unterwegs sind während der Zeit zwischen Januar und März. Bilder mit guter Qualität und die Details von Beobachtungen von Glattwalen sollen helfen, mehr über die Tiere zu erfahren und ihren Zustand zu bestimmen. Das Projekt erstreckt sich über zwei Jahre und Saisons: 2017/18 und 2018/19. Es hat zwei Forschungsziele, die jeweils einzeln finanziert werden. Das erste, von der EU finanzierte SWIM-Projekt möchte einen Gesundheitscheck der südlichen Glattwale, die um Südgeorgien ihre Nahrung finden, vornehmen, und untersuchen, wovon die Tiere sich ernähren. Das zweite, von der Stiftung Darwin Plus, bezahlte Projekt will einen Orientierungswert der Populationsgrösse durch Zählung erreichen, um festzustellen, ob die Tiere sich erholen.

Das 21 Meter lange Forschungsschiff wurde spezifisch für Meeresforschung gebaut, besonders für Walforschung. Es wird von der Marine Research Conservation betrieben und besitzt einen Stahlrumpf, der geeignet für die polaren Regionen ist. Bild: Susannah Calderan
Das 21 Meter lange Forschungsschiff wurde spezifisch für Meeresforschung gebaut, besonders für Walforschung. Es wird von der Marine Research Conservation betrieben und besitzt einen Stahlrumpf, der geeignet für die polaren Regionen ist. Bild: Susannah Calderan

Quelle: British Antarctic Survey