Über 70 Prozent der weltweiten Kolonien der Königspinguine könnten bald Teil der Vergangenheit sein, da die Klimaerwärmung die Vögel zwingt in südlichere Gebiete umzuziehen. Zu diesem Schluss kommt die Studie eines internationalen Forschungsteams um den Evolutionsbiologen Emiliano Trucchi. Die ForscherInnen haben die Veränderungen der Populationsgröße in den letzten 50.000 Jahren durch Genomanalysen rekonstruiert. Die Ergebnisse erscheinen in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Nature Climate Change.

Königspinguine sind die zweitgrösste Pinguinart und leben auf den subantarktischen Inseln des südlichen Ozeans. Sie sind schlanker und leichter als ihre Verwandten, die Kaiserpinguine. Bild: Michael Wenger
Königspinguine sind die zweitgrösste Pinguinart und leben auf den subantarktischen Inseln des südlichen Ozeans. Sie sind schlanker und leichter als ihre Verwandten, die Kaiserpinguine. Bild: Michael Wenger

Königspinguine sind sehr anspruchsvolle Tiere: Um eine Kolonie anlegen zu können, in der sie sich paaren, Eier legen und Jungtiere großziehen können, sind verschiedenen Bedingungen erforderlich: Neben ganzjährig niedrigen Temperaturen darf die Insel nicht vollständig von Meereis umschlossen sein und muss entweder Sand- oder Kiesstrände bieten. Aber vor allen Dingen bedarf es ertragreicher und stabiler Nahrungsquellen, damit Jungtiere gefüttert werden können. Über Jahrtausende konnten die Meeresvögel sich auf die antarktische Polarfront verlassen: Ein Strömungssystem, welches Wassermassen aus der Tiefe an die Oberfläche transportiert und dadurch zu großen Fischvorkommen in einem verhältnismäßig kleinen Gebiet führt. Durch den Klimawandel verlagert sich diese Polarfront jedoch nach Süden – und entfernt sich dabei von den von Königspinguinen bewohnten Crozetinseln, den Kerguelen und der Marion-Insel. Dadurch werden die Elterntiere dazu gezwungen, längere Distanzen zu schwimmen um Nahrung zu finden. Die nun veröffentlichte Studie sagt voraus, dass die immer länger andauernden Jagdzüge der Elterntiere bald dazu führen könnten, dass die Jungtiere nicht mehr genügend Nahrung erhalten und dadurch die Populationen der Königspinguine zusammenbrechen, falls sie sich nicht verlagern lassen. "Das Hauptproblem ist, dass es nur wenige Inseln im Südpolarmeer gibt und nicht alle von ihnen für Pinguinkolonien geeignet sind", sagt Robin Cristofari, der leitende Autor der Studie vom französischen Institut Pluridisciplinaire Hubert Curien und dem Centre Scientifique in Monaco (CSM).

Königspinguine haben sehr spezifische Bedürfnisse an ihre Brutgebiete, sowohl klimatisch wie auch geographisch. Sie bevorzugen die flachen Strände mit viel Platz im Hinterland und wenig Meereis vorne. Bild: Michael Wenger
Königspinguine haben sehr spezifische Bedürfnisse an ihre Brutgebiete, sowohl klimatisch wie auch geographisch. Sie bevorzugen die flachen Strände mit viel Platz im Hinterland und wenig Meereis vorne. Bild: Michael Wenger

Mithilfe von Informationen aus dem Pinguingenom haben die ForscherInnen die Veränderungen in der Populationsgröße der Pinguine in den letzten 50.000 Jahren rekonstruiert. Bei der Genomanalyse entdeckten ForscherInnen aus Frankreich, Monaco, Italien, Norwegen, Südafrika, Österreich und den USA, dass frühere Klimawandel und die damit verbundenen Änderungen der Meeresströmungen, des Meereisvorkommens und der Position der antarktischen Polarfront immer mit kritischen Phasen für die Vögel einhergingen. Allerdings besteht dadurch auch Grund zur Hoffnung: Die Königspinguine haben schon mehrere solche Phasen überlebt (das letzte Mal vor etwa 20.000 Jahren) – und sie scheinen gut damit umgehen zu können. "Die äußerst geringen genetischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Pinguinkolonien deuten darauf hin, dass regelmäßig Tiere zwischen den Kolonien hin- und her-migrieren", erklärt Emiliano Trucchi, einer der Hauptautoren der Studie, der bis vor kurzem an der Universität Wien gearbeitet hat und inzwischen an der Universität Ferrara forscht. "In anderen Worten: Die Königspinguine sind sehr gut darin, neue sichere Brutstätten zu finden, wenn es für ihre bisherigen Kolonien schlecht aussieht".

Die nördlichste Population von Königspinguinen findet sich nördlich der Konvergenzlinie, in den fischreichen Gewässern der Falklandinseln. Doch auch dort droht den Tieren wärmeres Wasser und Ölförderung die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Bild: Michael Wenger
Die nördlichste Population von Königspinguinen findet sich nördlich der Konvergenzlinie, in den fischreichen Gewässern der Falklandinseln. Doch auch dort droht den Tieren wärmeres Wasser und Ölförderung die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Bild: Michael Wenger

Die aktuelle Klimaerwärmung hat allerdings einen bedeutenden Unterschied im Vergleich zu früheren Temperaturschwankungen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Pinguine sind es menschliche Einflüsse, die zu besonders schnellen und möglicherweise unumkehrbaren Veränderungen auf der Erde führen und dabei auch die abgelegensten Regionen der Welt betreffen. Zusätzlich hat sich der Fischfang im Südpolarmeer stark vermehrt, was den Pinguinen die Nahrungssuche zusätzlich erschwert. "Es gibt noch einige Inseln weiter südlich auf die sich die Pinguine zurückziehen könnten" merkt Céline Le Bohec von der Universität Straßburg an. Die Konkurrenz bei der Suche nach Brutstätten und Nahrung ist aber auch ohne die Fischerei schon groß, besonders durch andere Pinguinarten wie den Zügelpinguin, den Eselspinguin oder den Adeliepinguin. "Vorhersagen zum Fortbestand der Pinguinkolonien lassen sich nicht leicht treffen, aber es wird sicherlich Verluste geben. Wenn wir die Pinguine erhalten wollen, müssen wir vorausschauende und wirksame Schutzmaßnahmen treffen", so Trucchi abschließend.

Die Fortpflanzungsstrategie von Königspinguinen ist sehr komplex und zieht sich über 15 Monate pro Küken hin. Es wird auch nur ein Junges pro Gelege aufgezogen. Alle 3 Jahre beginnt der Brutzyklus dann wieder neu. Bild: Michael Wenger
Die Fortpflanzungsstrategie von Königspinguinen ist sehr komplex und zieht sich über 15 Monate pro Küken hin. Es wird auch nur ein Junges pro Gelege aufgezogen. Alle 3 Jahre beginnt der Brutzyklus dann wieder neu. Bild: Michael Wenger

Quelle: Universtät Wien / Nature Climate Change