Seeleoparden sind gehören zu den Top-Räubern der Antarktis. Doch obwohl die über 3 Meter grossen Tiere sehr auffällig sind, ist nur wenig über ihre Lebensweise bekannt. Nun haben Forscher der British Antarctic Survey (BAS) etwas Licht ins Dunkel gebracht und die Wanderwege der Robben aufgezeichnet und so ihre Verhalten während des Winters erforschen können.

Seeleoparden sind die heimlichen Könige der Antarktis. Sie haben ein breites Nahrungsspektrum, sind im Wasser schnelle und wendige Jäger und können wohl auch sehr weite Strecken schwimmen gemäss der Resultate der Studie. Bild: Michael Wenger
Seeleoparden sind die heimlichen Könige der Antarktis. Sie haben ein breites Nahrungsspektrum, sind im Wasser schnelle und wendige Jäger und können wohl auch sehr weite Strecken schwimmen gemäss der Resultate der Studie. Bild: Michael Wenger

Während des harschen antarktischen Winters werden immer wieder Seeleoparden auf den subantarktischen Inseln wie beispielsweise Südgeorgien gesichtet. Gerade dort haben die Wissenschaftler der British Antarctic Survey (BAS) diese geheimnisvollen Jäger in den letzten 20 Jahren genauer untersucht. Doch was die Tiere während der langen Wintermonate tatsächlich machen, war bisher ein Geheimnis. Dr. Iain Stainland, der Hauptautor der vorliegenden Studie, erklärt: „Als einer der antarktischen Topräuber haben Seeleoparden einen grossen lokalen Einfluss auf die Beutepopulationen. Beispielsweise kann ihre Anwesenheit die Grösse von Pelzrobbenpopulationen steuern. Man weiss auch, dass sie einen signifikanten Anteil an den Verlusten bei kleinen Pinguinkolonien haben. Bei einer Eselpinguinkolonie waren es rund 15 Prozent der gejagten Tiere. Aber sie geben auch Auskunft über den Zustand eines Ökosystems und alarmieren uns indirekt über allfällige Probleme weiter unten im Nahrungsnetz.“

Auf Südgeorgien sind Seeleoparden immer wieder zu finden, meist am Anfang oder am Ende der Saison, wenn das Packeis etwas näher an der Insel ist. Nahrung ist aufgrund der Königspingiune im Überfluss vorhanden, auch im Winter. Bild: Michael Wenger
Auf Südgeorgien sind Seeleoparden immer wieder zu finden, meist am Anfang oder am Ende der Saison, wenn das Packeis etwas näher an der Insel ist. Nahrung ist aufgrund der Königspingiune im Überfluss vorhanden, auch im Winter. Bild: Michael Wenger

Doch Seeleoparden zu untersuchen, ist keine einfache Aufgabe aufgrund des Ortes und der Grösse der Tiere. Um mehr über ihr Verhalten und ihre Verteilung zu erfahren, befestigten Forscher zwischen 2003 – 2012 an 31 Tieren kleine Sensoren. Diese Sensoren zeichneten Sonnenaufgang und –untergang auf und besassen einen Trocken-/Nasssensor. Zusätzlich waren sie mit einer extralange Batterielaufzeit versehen, so dass man die Tiere über einen längeren Zeitraum verfolgen konnte. Die grösste Herausforderung war jedoch, die Sender wieder zurückzuholen, da sie keinen Sender zur Datenübermittlung besassen. Daher war es notwendig, die Robben zu lokalisieren und die Sensoren zu entfernen, während die Robben schliefen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt konnten die Forscher wieder fünf Sensoren zurückholen. Die dadurch gewonnenen Daten zeigen, dass im Sommer die Robben in den Süden ziehen und sich in der Nähe des antarktischen Meereises aufhalten. Wenn im Winter das Meereis sich wieder nach Norden ausdehnt, wandern die Seeleoparden in die flachen Küstengebiete der antarktischen und subantarktischen Inseln, wo sich Pinguine, Robben und kleinere Mengen an Krill aufhalten. Davon ernähren sich die Tiere während des langen und dunklen antarktischen Winters.

Die kleinen Sensoren sind für die Tiere keine Behinderung und können zumindest technisch gesehen relativ leicht entfernt werden. Bild: John Dickens
Die kleinen Sensoren sind für die Tiere keine Behinderung und können zumindest technisch gesehen relativ leicht entfernt werden. Bild: John Dickens

Neben den Wanderrouten konnten die Forscher auch zeigen, dass die Tiere bis zu einem Drittel ihrer Zeit ausserhalb des Wassers verbringen und dass sich dieses Verhalten im Laufe des Jahres stark verändert. Mit dieser Information können Wissenschaftler Populationszählungen, die mit Hilfe von Flugzeugen oder Drohnen durchgeführt werden, stark verbessern. Dazu meint Dr. Stainland: „Unsere Studie hat einige markante Erkenntnisse über diese Jäger erbracht. Zum ersten Mal wurde eine Langzeitstudie mit solchen Sensoren an Seeleoparden durchgeführt und damit die Gelegenheit gewonnen, einen ganzjährigen Wanderzyklus zwischen dem antarktischen Packeis und den subantarktischen Inseln aufzuzeichnen. Auch ihre Liegegewohnheiten konnten wir so zum ersten Mal genauer studieren. Diese Resultate werden uns helfen, bessere Populationsschätzungen abzugeben und die Rolle von Seeleoparden im Ökosystem des Südpolarmeeres zu bestimmen. Auf jeden Fall ist es ein grosser Schritt vorwärts in unserem Verständnis über das geheime Leben von Grossräubern in der Antarktis.“

Da Seeleoparden ein breites Nahrungsspektrum haben, ist ihr Gebiss multifunktionsfähig. Damit können sie sowohl Pinguine packe, Robben zerfleischen, aber auch Krill aus dem Wasser sieben. Bild: Michael Wenger
Da Seeleoparden ein breites Nahrungsspektrum haben, ist ihr Gebiss multifunktionsfähig. Damit können sie sowohl Pinguine packe, Robben zerfleischen, aber auch Krill aus dem Wasser sieben. Bild: Michael Wenger

Quelle: British Antarctic Survey