Im Rahmen der berühmten Discovery-Expedition von Sir Robert Falcon Scott 1901 – 1904 sammelten die Männer zahlreiche Proben, um das wissenschaftliche Verständnis zu Antarktika zu vergrössern. Über 100 Jahre später haben nun britische und amerikanische Forscher einige solche Proben untersucht. Ihre Resultate erlauben einen Einblick in die antarktische Ökologie vor der extensiven menschlichen Aktivität auf dem Kontinent und der restlichen Welt.

Die Discovery-Hütte auf Ross Island und im Hintergrund die US-amerikanische Basis McMurdo. Von hier aus startete Scott sein Wissenschafts- und Entdeckungsprogramm bis tief in den Kontinent hinein. Bild: Taylor & Francis
Die Discovery-Hütte auf Ross Island und im Hintergrund die US-amerikanische Basis McMurdo. Von hier aus startete Scott sein Wissenschafts- und Entdeckungsprogramm bis tief in den Kontinent hinein. Bild: Taylor & Francis

Proben, die während der berühmten Discovery-Expedition von Kapitän Scott gesammelt worden waren und zu den ältesten ihrer Art gehören, wurden kürzlich neuen Analysen mit modernen Techniken unterzogen. Dadurch erhielten die Forscher aufregende neue Daten, auch noch über 100 Jahre nach der Expedition. Die neuen Analysen, die in der Fachzeitschrift European Journal of Phycology veröffentlich worden sind, wurden von Wissenschaftlern der Universität Dundee (UK) und dem Brain Chemistry Labs (USA) vorgenommen. Sie untersuchten die Mengen an Cyanotoxinen, das sind Gifte, die von Cyanobakterien produziert werden. Die Proben waren zu einer Zeit entnommen worden, als Antarktika grösstenteils von Menschen unberührt gewesen war und nicht wie heute mit drastisch veränderten Temperaturen zu kämpfen hat, welche die fragile Natur dort bedroht.

Cyanobakterien (Blaualgen) dominierten die mikrobiellen Mattengemeinschaften am Boden von Schmelztümpeln auf dem McMurdo-Eisschelf. Diese Tümpel haben flüssiges Wasser im Sommer und sind komplett durchgefroren im Winter. Diese Umgebungsbedingungen sind extrem und nur Mikroben wie Cyanobakterien können hier überleben. Bild: Taylor & Francis
Cyanobakterien (Blaualgen) dominierten die mikrobiellen Mattengemeinschaften am Boden von Schmelztümpeln auf dem McMurdo-Eisschelf. Diese Tümpel haben flüssiges Wasser im Sommer und sind komplett durchgefroren im Winter. Diese Umgebungsbedingungen sind extrem und nur Mikroben wie Cyanobakterien können hier überleben. Bild: Taylor & Francis

Forscher, die sich mit den über 100 jährigen  Cyanobakterienproben beschäftigten, fanden heraus, dass sie eine essentielle Grundlinie für Mengen an Cyanotoxinen in antarktischen Süssgewässern bilden. Diese Entdeckung ermöglicht es Wissenschaftlern die Effekte des Klimawandels auf Blaualgen und ihre Toxine zu bestimmen. Die Hauptautorin der Studie, Dr. Anne Jungblut vom Naturhistorischen Museum in London, erklärt: „ Die Resultate werden Experten helfen, die Effekte des Klimawandels auf Blaualgen und ihrer Toxine in der Antarktis jetzt und in der Zukunft zu verstehen. Sie heben auch die vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen  Beiträge der Wissenschaftler hervor, die als Rückgrat von Kapitän Scott’s Discovery Expedition dienten. Diese historischen Proben aus dem Goldenen Zeitalter der Antarktisexpeditionen und unsere Arbeit 100 Jahre später zeigen den Wert und die weitere Wichtigkeit von Scotts wissenschaftlichem Erbe für die gegenwärtige Forschung in der Antarktis.“

Ein Stück aus einem Herbarium gesammelter Cyanobakterien und Mattengemeinschaften, die auf dem McMurdo-Eisschelf im Rahmen der Discovery-Expedition gesammelt worden waren. Bild: Taylor & Francis
Ein Stück aus einem Herbarium gesammelter Cyanobakterien und Mattengemeinschaften, die auf dem McMurdo-Eisschelf im Rahmen der Discovery-Expedition gesammelt worden waren. Bild: Taylor & Francis

Die berühmte Expedition von Sir Robert Falcon Scott war eine der ersten, die weit in den antarktischen Kontinent vorstossen wollte und resultierte in vielen neuen Erkenntnissen über Biologie, Zoologie und Geologie. Weil immer neue analytische Techniken entwickelt werden, wie die in dieser Studie benutzten Methoden, wird die Wichtigkeit dieser Expedition zur Beantwortung moderner Fragen in Antarktika immer offenkundiger. Es ist sehr wahrscheinlich, dass noch viele weitere Entdeckungen aus diesen Proben heraus entstehen können.

Kapitän Scott (Mitte), zusammen mit Shackleton (links) und Wilson (rechts) machten sich im Zuge der Expedition auf, so weit wie möglich nach Süden vorzustossen. Ihre Reise endete beinahe mit dem Tod aller aufgrund mangelnder Erfahrung, Skorbut und Schneeblindheit. Bild: National Library of New Zealand
Kapitän Scott (Mitte), zusammen mit Shackleton (links) und Wilson (rechts) machten sich im Zuge der Expedition auf, so weit wie möglich nach Süden vorzustossen. Ihre Reise endete beinahe mit dem Tod aller aufgrund mangelnder Erfahrung, Skorbut und Schneeblindheit. Bild: National Library of New Zealand

Quelle: Taylor & Francis Group Publishing