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Der russische Versuch, den in der Antarktis liegende Lake Vostok anzubohren, ist in der Entscheidungsphase. Der subglaziale See ist seit Millionen von Jahren von der Aussenwelt abgeschnitten. Man vermutet dort eigenständige Lebensformen, Bakterien vor allem, wie man sie auch auf dem Jupitermond Europa vermutet.

Lake_Vostok
250 Kilometer lang, bis zu 50 Kilometer breit und ist bis 740 Meter tief. Der Vostok See ist eines der weltweit grössten Süsswasser-Reservoire unserer Erde.

Das weltweit tiefste Bohrloch, das russische Fachleute über dem subglazialen Vostok-See unweit der gleichnamigen Südpolstation bohrten, hat gemäss Angaben der russischen Behörden eine Tiefe von 3701 Meter erreicht. Bis zur Wasseroberfläche müssen noch etwa 50 Meter vorangetrieben werden. Die Polarforscher rechnen mit der baldigen Möglichkeit, in den Reliktsee einzudringen und Wasserproben zu entnehmen. Der unter 3753 Meter dickem Eis ruhende Reliktsee soll ein einzigartiges Ökosystem darstellen, das seit etwa 4 Millionen Jahren von der Erdatmosphäre und von der Biosphäre der Erdoberfläche getrennt ist. Die Untersuchung des gewonnenen Eiskerns und die bevorstehende Erforschung des subglazialen Sees sollen helfen, ein Szenario der Klimaänderungen in den nächsten Jahrtausenden zu entwerfen.

Lake_Vostok_unter_Eis
Der Vostok See liegt in der Ostantarktis 3753 Meter unter der gleichnamigen russischen Forschungsstation.

Die Bohrarbeiten bei der Polarstation Vostok hatten in den 1970er Jahren begonnen. Ihr Ziel waren paleoklimatische Forschungen. Im Jahr 1996 hatten russische Polarforscher mit Unterstützung britischer Kollegen einen unter Eis liegenden See entdeckt. Dabei handelt es sich um eines der weltweit grössten Süsswasser-Reservoire unserer Erde. 1998 mussten die Arbeiten wegen fehlender umweltschonender Technologien zeitweise eingestellt werden. Die Tiefbohrungen in der Antarktis konnten im Jahr 2005 wieder aufgenommen werden, nachdem geeignete Technologien im Jahr 2003 im Sankt Petersburger Institut für Bergbau entwickelt worden waren. Zur Schmierung der Bohrgestänge und des Bohrkopfes gelangten Frostschutzmittel, sowie Verschmutzungen und Bakterien von der Oberfläche ins Bohrloch. Damit könnte der See kontaminiert werden. Aber nun sind die Forscher nur noch 20 bis 40 Meter über der Wasseroberfläche und wollen – mit einer internationalen Umweltgenehmigung, aber gegen den Willen vieler Kritiker den See anbohren. Für die letzen Meter soll der mechanischen Bohrer durch eine thermische Lanze ersetzt werden, die mit einer Kamera ausgestattet ist. Sie ist fähig, sich etwa vier Meter pro Tag durchs Eis zu schmelzen. «Es ist aufregend wie ein Flug zum Mars», erklärt Valery Lukin, Direktor des russischen Antarktis-Programms. «Allerdings wird es für die diesjährige Saison zum Wettlauf mit dem in der Antarktis einbrechenden Winter. Dann ist die Station ist in den kalten Monaten unbesetzt, der letzte Flug in die Heimat geht am 6. Februar 2011», so Lukin weiter.

Waermesonde
Die Thermische Lanze schmilzt sich jeden Tag ca. 4 Meter durch das Eis.

Der Vostok-See ist etwa 250 Kilometer lang, bis zu 50 Kilometer breit und ist bis 740 Meter tief. Nach der Entdeckung des Sees unter der Eisfläche der Antarktis brachten weitere Untersuchungen insgesamt 145 subglazialen Seen zum Vorschein. Der Vostoksee bietet vermutlich einen sehr extremen Lebensraum. Neben seiner Temperatur ist auch der Sauerstoffgehalt extrem, nämlich etwa 50-mal höher als in normalem Süsswasser, zum einen aufgrund des hohen Drucks, zum anderen aufgrund des Vorkommens von Klathraten, bei denen der gasförmige Sauerstoff in eine Eisstruktur eingelagert ist.