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Das Ende der letzten Eiszeit und die Prozesse, die zum Schmelzen der nördlichen und südlichen Eisschilde geführt haben, liefern grundlegende Informationen über die Veränderung unseres Klimas. Obwohl die maximale Ausdehnung der Eisschilde während der letzten Eiszeit in der Nordhemisphäre relativ gut bekannt ist, gibt es bisher wenig verlässliche Angaben zur Ausdehnung der Antarktischen Eisschilde.

Eisrueckzug in der Antarktis
Sedimentkerne vom Kontinentalhang archivierten einen erhöhten Sedimenttransport während der letzten Eiszeit. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels um ca. 130 m zog sich der Antarktische Eisschild bis heute im südlichen Weddellmeer 450 km weit zurück.

Eine in der Fachzeitschrift «Science» am 1. Dezember 2011 erscheinende Veröffentlichung liefert nun Hinweise darauf, dass beide Hemisphären nahezu zeitgleich ihre maximale Eisschild-Ausdehnung erreicht hatten und vor 19.000 Jahren zu schmelzen begannen. «Der Rückzug der Antarktischen Eisschilde begann somit fast 5000 Jahre früher als bisher angenommen, wobei unsere Untersuchungen grosse regionale Unterschiede zeigen und belegen, wie wichtig Tiefwasserarchive sind», sagt der Erstautor der Studie, Dr. Michael Weber vom Geologischen Institut der Universität Köln.

«Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die Antarktis klimatisch nicht so isoliert ist wie bisher angenommen», ergänzt Dr. Gerhard Kuhn vom Alfred-Wegener-Institut. «Wir müssen jetzt davon ausgehen, dass die grossen Eisschilde in Arktis und Antarktis zeitlich enger gekoppelt auf Klimaänderungen reagieren als gedacht. Zumindest ist es während der letzten Eiszeit so gewesen.»

Sediment Bohrung
Im Rahmen des multinationalen Bohrprogramms ANtarctic Geological DRILLing (ANDRILL) wurde in 2007 im südlichen McMurdo Sund im Ross Meer eine 1138,54 Meter tiefe Kernbohrung gemacht.

Dieses zeitgleiche Schmelzen wurde vermutlich durch Änderungen des globalen Meeresspiegels und der Tiefenwasserzirkulation im Atlantischen Ozean verursacht. Dadurch gelangte wärmeres Wasser an den Antarktischen Kontinentalrand. Dieser frühe Eisrückzug belegt eine bisher nicht vermutete Instabilität des Ostantarktischen Eisschilds. «Davon werden auch Prognosen des künftigen Meeresspiegelanstiegs, der durch den Klimawandel hervorgerufen wird, angepasst werden müssen», erläutert Dr. Weber.

Sedimentkern aus der Antarktis
Dr. Gerhard Kuhn mit Sedimentkern

«Unsere Untersuchung macht aber auch deutlich, wie wichtig der Rückgriff auf lange Datenreihen, gute Archive und qualitativ hochwertige wissenschaftliche Datenbanken ist», nennt Gerhard Kuhn zentrale Voraussetzungen für klimageschichtliche Rekonstruktionen. «Nur weil wir im Alfred-Wegener-Institut auf langfristig archivierte Sedimentkerne und ein über Jahrzehnte aufgebautes wissenschaftliches Datenarchiv zurückgreifen können, sind solche vergleichenden Studien überhaupt möglich. Einige der jetzt untersuchten Sedimentkerne beispielsweise wurden von unserem Forschungsschiff «Polarstern» bereits in den Jahren 1987 und 1990 genommen.»

Bohrstelle Andrill
Der Standort für die Andrill-Bohrung wurde anhand seismischer Voruntersuchungen ausgewählt. Die erbohrten Sedimentschichten deckten mehrere Zeitabschnitte über 19 Mio. Jahre bis heute ab und enthielten einige der wichtigen Entwicklungsschritte im antarktischen Klima.


Quelle: AWI Bremerhaven