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Russische Forscher sind nach mehr als 30 Jahren Bohrarbeiten zum subglazialen Lake Wostok in der Antarktis vorgedrungen. Das gigantische Wasserreservoir hatte vermutlich seit hunderttausenden Jahren keinen Kontakt zur Aussenwelt - und könnte bizarre Lebensformen beherbergen.

Wostock
Am 5. Februar 2012 wurde nach 30-jähriger Bohrarbeit der Wostoksee erreicht.

Nach geschätzten 15 Millionen Jahren der Isolation von der Aussenwelt ist der Wostoksee unter dem Eis der Antarktis jetzt offenbar von einem russischen Forscherteam angebohrt worden. Demnach sollen die Wissenschaftler in einer Tiefe von 3.768 Metern unter der Eisoberfläche das Wasser des Sees erreicht haben. Sollte sich dies bestätigen, hätte dies weitreichende Auswirkungen für die Wissenschaft, aber auch für die Ökologie des Sees. Denn Forscher vermuten in dem isolierten Wasser des Wostoksees einzigartige Lebensformen. Ob sich die gesuchten Seebewohner tatsächlich in den obersten Schichten der Wassersäule finden und nicht doch eher tief unten im Sediment, steht auf einem anderen Blatt. Ihre Erforschung könnte unter anderem Aufschluss über mögliches Leben auf dem Jupitermond Europa geben, der einen ganzen Ozean unter seiner Eiskruste besitzt. Zudem könnten die Organismen im See Aufschluss darüber geben, wie sich einst das Leben an diese extremen Bedingungen von Kälte und Dunkelheit anpasste. Sollte das Seewasser jedoch durch die Bohrung kontaminiert werden, könnte diese einzigartige Lebenswelt bedroht sein, befürchten Forscher.

Station Wostock
Die Station Wostok hält noch einen anderen Rekord; am 21. Juli 1983 wurde mit -89,2 Grad Celsius die kälteste Temperatur auf unserem Planeten gemessen.

Erst im November 2011 erhielt das Forscherteam des russischen Antarktisprogramms die Genehmigung, ihre Bohrung unter strengen Auflagen bis zum See fortzuführen. Sollte man den See erreichen, werde man den Bohrer sofort zurückziehen und dabei ein wenig Seewasser ins Bohrloch hinaufziehen, erklärte Valery Lukin, Direktor des russischen Antarktisprograms im Januar 2012 im Fachmagazin «Nature». Das angesogene Seewasser friere dann zu einem Pfropf fest und verhindere, dass Schmiermittel und andere Substanzen in den See gelangten.

In jedem Falle aber könne man in den nächsten Monaten nicht weiter fortfahren. Und weil das Thermometer an der russischen Antarktis-Station «Wostok» dieser Tage zwischen minus 38 und minus 46 Grad schwankt, sich dazu die Polarnacht unerbittlich nähert, hat sich der grösste Teil des Trupps anschliessend sofort auf die Heimreise gemacht. Fortführung der Bohrung erst im kommenden Dezember.

Feier in Wostok
Nach 30 Jahren und 3.767,3 Meter wurde der Wostoksee erreicht, Grund zum feiern.

«Wenn alles nach Plan verläuft, werden wir das Loch im Dezember 2012 erneut anbohren und dann die gefrorene Probe gewinnen, ohne das Seewasser zu kontaminieren», sagt Lukin. Diese Proben sollen dann in einem Speziallabor auf genetisches Material hin analysiert werden. Nach Angaben von Lukin will man dann mögliche Spuren von Leben auch an Labore in anderen Ländern senden, um eine unabhängige Bestätigung zu erhalten. In einem nächsten Schritt planen die russischen Forscher bereits, in rund einem Jahr einen kleinen Tauchroboter in den Wostoksee hinunterzuschicken. Er soll dort Wasserproben nehmen und Sediment vom Seegrund sammeln. Einen Antrag auf Genehmigung dieses Vorhabens werde man im Mai 2012 dem Beratergremium des Antarktisvertrags vorlegen, sagte Lukin gegenüber der «Nature». «Für uns ist dies so neu und aufregend wie ein Flug zum Mars», so Lukin weiter.

Antarktis - Subglaciale Seen
Unter dem Antarktischen Eisschild wurden mittels eisdurchdringendem Radar und Satellitenaufnahmen bisher mehr als 150 subglaziale Seen gefunden.

Mittlerweile sind etwa 380 Seen unter dem Eis der Antarktis bekannt - und zumindest zeitweise sind viele von ihnen miteinander verbunden. Genau das könnte jetzt zum Problem werden. «Wenn ich an einer Stelle etwas einbringe, dann könnte sich das unter dem Gletscher verteilen», warnt der Geophysiker Malte Thoma vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. «Auch andere Seen könnten kontaminiert werden».

Der Wostok-See im Osten der Antarktis ist der grösste bislang bekannte subglaziale See. Er ist mit 250 Kilometer Länge und einer Breite von 50 Kilometer rund 32-mal so gross wie der Bodensee und über 900 Meter tief. Das Tiefbohren bei der Wostok-Station in der Antarktis begann in den 1970er-Jahren, als die Existenz des Sees noch nicht bekannt war. Ursprünglich waren paläoklimatische Forschungen das Ziel der Wissenschaftler. Im Jahr 1996 entdeckte ein russisch-britisches Forschungsteam den See im Antarktis-Eis, der eines der grössten Süsswasserbecken unseres Planeten darstellt.