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Wissenschaftler der NASA und der BAS (British Antarctic Survey) haben zum ersten Mal direkte Beweise verzeichnet, die zeigen dass die beobachteten Veränderungen des antarktischen Meereises aufgrund von Veränderungen der Windsysteme verantwortlich sind für die gemeldete Zunahme der antarktischen Meereisdecke in den letzten 20 Jahren.

Die Adeliepinguine fühlen sich wohl im Eis, wie hier in der Ross Sea vor dem Cap Adare.
Die Adeliepinguine fühlen sich wohl im Eis, wie hier in der Ross Sea vor dem Cap Adare.

Die Resultate dieser Studie können dabei helfen zu erklären, warum die Meereisdecke in der Antarktis zugenommen hat unter den Effekten der Klimaveränderung, statt zu schmelzen, wie es in der Arktis geschieht.  Die Forscher Ron Kwok vom NASA Jet Propulsion Labor (JPL) in Pasadena, Kalifornien (USA) und Paul Holland vom British Antarctic Survey in Cambridge (Grossbritannien) haben Karten analysiert, die von der JPL aus über 5 Millionen einzelnen Tagesaufnahmen der Eisbewegungsmessungen erstellt wurden. Die Daten, aufgenommen über eine Dauer von 19 Jahren von 4 verschiedenen Meteo-Satelliten der US Verteidigungsbehörde, zeigen zum ersten Mal Langzeitveränderungen der Meereisdrift um die kontinentale Antarktis herum.

Durch veränderte Windverhältnisse nimmt das Meereis rund um die Antarktis zu.
Durch veränderte Windverhältnisse nimmt das Meereis rund um die Antarktis zu.

Die Winde als Grund für die Eisdeckenzunahme

«Bis anhin waren diese Veränderungen der Eisdrift lediglich Spekulation, basierend auf Resultaten von Computermodellen der antarktischen Winde», sagt Paul Holland, Hauptautor der Studie, die in der bekannten und renommierten Fachzeitschrift «Nature Geosciences» veröffentlicht wurde. «Diese Studie von direkten Satellitenbeobachtungen zeigt die Komplexität des Klimawandels. Die gesamte Meereisdecke um die Antarktis herum nimmt langsam zu, obwohl einzelne Regionen viel grössere Zunahmen erfahren, während in anderen Gebieten massive Verluste verzeichnet werden. Aber es scheint sich insgesamt auszugleichen. Wir wissen jetzt dass diese regionalen Veränderungen durch Veränderungen der Winde zustande kommen, welche wiederum die Eisdecke durch Änderungen in der Drift und der Lufttemperaturen beeinflussen», meint Holland weiter. «Diese Veränderungen der Eisdrift könnten auch grosse Veränderungen der Ozeane um die Antarktis herum bedeuten, die sehr sensibel auf das kalte und salzigere Wasser reagieren, welches durch die Ausdehnung des Meereises entsteht».

Holland sagt, dass das Meereis um die Antarktis kontinuierlich von starken Winden vom Festland nach Norden weggeblasen wird. «Seit 1992, dem Beginn der Studie hat sich die Eisdrift verändert», meint er. «In einigen Gebieten hat sich die Abdrift von Eis verdoppelt, während sie in anderen Gebieten signifikant zurückgegangen ist».

Herrliche Lichtstimmung im Eis der Weddell Sea.
Herrliche Lichtstimmung im Eis der Weddell Sea.

Unterschiede zwischen Arktis und Antarktis können erklärt werden

Meereis spielt eine Schlüsselrolle in der Umwelt der Erde, da es die Hitze reflektiert und auch einen Lebensraum für die Meeresorganismen wie beispielsweise Krill bietet. An beiden Polen nimmt die Meereisdecke bis zum Ende des Sommers auf ein Minimum ab. Doch im Winter wächst die Eisdecke in der Antarktis auf ein Gebiet, welches rund doppelt so gross wie Europa ist, an. Dabei reicht die Dicke des Eises von etwa einem Meter bis zu mehreren Metern und isoliert den darunter liegenden warmen Ozean von der eisigen Luft.

Diese neue Studie kann nun dabei helfen zu erklären, warum die beobachteten Veränderungen der Menge der Meereisdecke an den beiden Polen so unterschiedlich sind. Die Arktis erfährt seit einigen Jahrzehnten einen dramatischen Rückgang des Meereises. Dagegen hat sich die Gesamtausdehnung in der Antarktis leicht erhöht. Aber diese leichte Zunahme ist das Ergebnis von viel grösseren regionalen Zunahmen und Abnahmen, die, wie sich jetzt gezeigt hat, durch veränderte Winde angetrieben werden. An vielen Orten haben diese Winde dafür gesorgt, dass das Eis von den antarktischen Kontinenten nach Norden ausgeweitet wird.

Zuwachs von Eis in der Antarktis

«Die antarktische Meereisdecke interagiert mit dem globalen Klimasystem auf eine ganz andere Weise als diejenige der Arktis und diese Ergebnisse heben die Sensitivität der antarktischen Meereidecke auf Änderungen der Stärke von Winden um den Kontinenten herum hervor», sagt Ron Kwok.

Der Klimawandel hat in den letzten Jahrzehnten gegensätzliche Effekte auf die Antarktis ausgeübt. Die antarktische Halbinsel hat sich stärker erwärmt als irgendein anderes Gebiet auf der Südhemisphäre, während auf der kontinentalen Ostseite so gut wie keine Änderungen beziehungsweise sogar eine leichte Abkühlung entlang der Küste zu verzeichnen war. Diese neue Studie verbessert das Verständnis der gegenwärtigen und zukünftigen Veränderungen des Klimas. Die Autoren fügen an, dass es sehr wichtig sei, zwischen dem antarktischen Eisschild – Gletschereis – welches an Volumen verliert, und der antarktischen Meereisdecke – gefrorenem Meerwasser – die sich ausdehnt, zu unterscheiden.

Quelle: Alan Buis & Audrey Stevens, www.nasa.gov