Man nahm lange an, dass die Tiefen der südlichen Ozeane gegenüber den äusseren Einflüssen durch den Klimawandel unbeteiligt wären und daher die Effekte nur in geringem Masse eine Rolle spielen würde. Die Forschungsergebnisse einer neuen Studie zeigen nun ein anderes Bild.

Die Laternula elliptica oder Klaffmuschel ist die grösste Muschel des südlichen Ozeans und ist rund um die Antarktis verbreitet.
Die Laternula elliptica oder Klaffmuschel ist die grösste Muschel des südlichen Ozeans und ist rund um die Antarktis verbreitet.

Untersuchungen an der antarktischen Klaffmuschel Laternula elliptica, die grösste Muschel in den Böden des südlichen Ozeans, zeigt, dass das Alter eine wichtige Rolle spielt, wenn es darum geht, mit den Auswirkungen des Klimawandels fertig zu werden. Die Ergebnisse geben neue Aufschlüsse und erweitern das Verständnis über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität des Südpolarmeeres.

Die Studie, die im Fachjournal Global Change Biology veröffentlicht wurde, wurde von Wissenschaftlern der British Antarctic Survey (BAS), der Universität Kiel (UK) und des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) durchgeführt. Sie zeigt, dass die Antwort der antarktischen Klaffmuschel Laternula elliptica, einer langlebigen und häufigen Muschelart des Südpolarmeeres, auf Umweltveränderungen abhängig vom Alter des Tieres ist. Die Forscher fanden, dass jüngere Tiere (durchschnittlich 3 Jahre alt) versuchen, sich ein neues Gebiet im Meeresboden zu suchen, wenn sie wärmeren Temperaturen oder niedrigeren Sauerstoffwerten ausgesetzt sind. Dagegen bleiben ältere Tiere (durchschnittlich 18 Jahre alt), die schon länger ortstreu gewesen sind, eher an dem Ort, trotz der ungünstigen Bedingungen. Im Normalfall bevorzugen die Tiere kaltes, sauerstoffreiches Wasser. Dies hat Auswirkungen auf die Zukunft der Muschelpopulationen, da sich nur die älteren Tiere fortpflanzen. Die Wissenschaftler erwarten aber, dass die zukünftigen Ozeane wärmer werden und auch weniger Sauerstoff enthalten werden. Die Hauptautorin der Studie, Dr. Melody Clark von der BAS meint: «Antarktische Klaffmuscheln spielen eine zentrale Rolle im Meeresökosystem. Sie ziehen Kohlenstoff in die Ablagerungen im Meeresboden und lassen Nährstoffe zirkulieren. Wir wissen, dass sie sehr empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren. Unsere Arbeit deutet darauf hin, dass die Zahl der Muscheln, die den Klimawandel überleben werden, sehr klein sein wird. Die polaren Gebiete sind das Frühwarnsystem der Erde und Antarktika ist ein grosses natürliches Labor, um die globalen Veränderungen zu untersuchen. Diese kleinen und unscheinbaren Tiere, die wir untersucht haben, können uns eine Menge über das Alter und das Überleben in einer sich verändernden Welt erzählen. Sie sind einer der «Motoren» der Ozeane.»

Die Muschel lebt in weichen Untergründen, wie schlammigen Sand und Kies und gräbt sich tief ein, It is sometimes found in densities of upward of 100 individuals per square metre. [ 2 ] manchmal in einer Dichte von bis zu 100 Individuen pro Quadratmeter.
Die Muschel lebt in weichen Untergründen, wie schlammigen Sand und Kies und gräbt sich tief ein, manchmal in einer Dichte von bis zu 100 Individuen pro Quadratmeter.

Dr. Eva Phillip von der Universität Kiel und Ko-Autorin der Studie, erklärt weiter: «Die Arbeit zeigt, dass es ausserordentlich wichtig ist, verschiedene Altersklassen einer Population zu untersuchen, um die Veränderungen und Auswirkungen innerhalb einer Population zu verstehen. In Bezug auf die antarktischen Klaffmuscheln haben frühere Studien angedeutet, dass ältere Individuen viel stärker unter einer sich ändernden Umwelt leiden könnten. Unsere Arbeit untermauert diese früheren Studien. Insgesamt können nur Untersuchungen von populationsweiten Auswirkungen es ermöglichen, Schlüsse für die Küstenökosystem zu ziehen.»

Die Laternula elliptica lebt im südlichen Ozean, rund um die Antarktis und an der Südspitze von Patagonien. It is usually found in shallow waters but the greatest depth at which it has been recorded is 360 metres (1,180 ft). [ 5 ] It is found living in soft substrates such as muddy sand and gravel in which it burrows deeply. Die Muschel wird normalerweise in flachen Gewässern gefunden, kommt aber bis in Tiefen von 360 Meter vor.
Die Laternula elliptica lebt im südlichen Ozean, rund um die Antarktis und an der Südspitze von Patagonien. Die Muschel wird normalerweise in flachen Gewässern gefunden, kommt aber bis in Tiefen von 360 Meter vor.

Die Antarktische Klaffmuschel Laternula elliptica kann bis zu 36 Jahre alt werden und pflanzen sich erst im Alter fort. An die bisher konstanten Bedingungen, trotz der Extreme, haben sie sich im Laufe ihrer Entwicklung perfekt angepasst. Aber in den letzten 50 Jahren hat sich die Wassertemperatur um die antarktische Halbinsel, einem der Hauptverbreitungsgebiete der Muscheln, um mehr als 1°C erhöht. Neben den höheren Wassertemperaturen könnten auch die grösseren Mengen an Gletschermaterial den Meeresboden, den Lebensraum der Muscheln und vieler anderer Tiere, stark schädigen. Denn durch die höheren Wassertemperaturen wird mehr Eis von den Gletschern abgebrochen. Diese Brocken könnten den Boden durchpflügen und so den Lebensraum der Muscheln weiter zerstören.

Laternula elliptica Schalen
Laternula elliptica Schalen

Wie bei Menschen nimmt auch bei Muscheln die Muskelmasse im Alter ab. Das bedeutet, dass sie ortgebundener oder sesshafter werden. Wenn nun Veränderungen in ihrem Lebensraum auftreten, tendieren die älteren Muscheln dazu, diese auszusitzen bis die Bedingungen wieder in den normalen Bereich zurückgehen. Dazu meint Doris Abele vom AWI: „«Wir könne zeigen, dass die physiologische Flexibilität von jüngeren Muscheln abnimmt, je älter sie werden. Jedoch hat sich die Art so entwickelt, dass die fittesten Tier, die ein Leben unter extremsten Bedingungen aushalten, überleben können, um sich dann fortzupflanzen. Der Klimawandel aber, der vor allem die älteren Muscheln bedroht, könnte diese Strategie über den Haufen werfen... mit unvorhersehbaren Konsequenzen für die Ökosysteme um ganz Antarktika herum.»

Quelle: British Antarctic Survey / www.antarctica.co.uk