Die Insel Macquarie südöstlich von Tasmanien steht aufgrund ihrer einzigartigen Flora und Fauna auf der Weltnaturerbe-Liste. Doch Ratten, Mäuse und Kaninchen, die von Menschen dort eingeschleppt wurden, hatten die Vogel- und Pflanzenwelt stark geschädigt. Um der Plage Herr zu werden wurde ab 2007 ein massives Ausrottungsprogramm gestartet. Mit Erfolg: Die Insel gilt ab sofort als Schädlings-frei.

Die Schäden durch die wilden Kaninchen sind immens. Durch die Instabilität des Erdreiches kam es zu Erdrutschen, welcher mindestens in einem Fall eine Pinguinkolonie unter sich begrub.
Die Schäden durch die wilden Kaninchen sind immens. Durch die Instabilität des Erdreiches kam es zu Erdrutschen, welcher mindestens in einem Fall eine Pinguinkolonie unter sich begrub. Bild: Parks & Wildlife Service Tasmania

Macquarie liegt rund 1'500 Kilometer südöstlich von Tasmanien mitten im Südlichen Ozean und gilt als subantarktisches Tierparadies. Vor allem Seevögel finden hier ihre Brutplätze und ideale Nahrungsbedingungen. Doch eingeschleppte Tierarten (Kaninchen, Ratten und Mäuse) hatten massive Schäden unter den Tieren und Pflanzen auf der Insel angerichtet. Frei von Fressfeinden und mehr als genügend Nahrung führte zu einem explosionsartigen Ausbreiten der Tiere, die so zu Schädlingen wurden.

Zwischen 2010 und 2011 wurden mit Hubschrauber auf der gesamten Insel Giftköder abgeworfen.
Zwischen 2010 und 2011 wurden mit Hubschrauber auf der gesamten Insel Giftköder abgeworfen. Bild: Parks & Wildlife Service Tasmania

Nachdem bereits zwischen 1989 und 2000 Katzen und die Wekaralle, ein 50 cm langer und 1 kg schwerer flugunfähiger Vogel entfernt wurden, beschlossen die Regierungen von Australien und Tasmanien 2007, ein CHF 20 Millionen (€ 17 Millionen) teures Projekt zur Ausrottung von Nagern und Kaninchen auf der 13'000 Hektaren grossen Insel ins Leben zu rufen. Ein Köderprogramm wurde durchgeführt, bevor danach Jäger und ihre Hunde auf die Insel gebracht wurden, um überlebende Tiere zu entfernen. Um den Erfolg zu garantieren, startete man danach ein Überwachungsprogramm, welches nun seit zwei Jahren keine Schäden durch Kaninchen, Ratten oder Mäuse festgestellt hat. Daher wurde nun das Projekt für erfolgreich erklärt. Der Projektleiter Keith Springer meinte auch, dass das Überwachungsprogramm sehr intensiv gewesen sei. „«Wir hatten Teams, die Tag und Nacht die Insel durchquert hatten, dabei insgesamt 92'000 Kilometer auf der Insel zurücklegten, in Bezug auf gelaufene Distanz, und so jeden Schlupfwinkel und Ritze untersuchten, die sie erreichen konnten. So stellten sie sicher, dass keine Kaninchen und kein Nager übriggeblieben sind», erklärt er.

Gary Bowcock und die Jagdhunde Tama und Joker unterwegs durch die Schneeverwehungen am Strand der Sandy Bay zu Beginn der Jagd auf die Kaninchen im Macquarie Hochland.
Gary Bowcock und die Jagdhunde Tama und Joker unterwegs durch die Schneeverwehungen am Strand der Sandy Bay zu Beginn der Jagd auf die Kaninchen im Macquarie Hochland. Bild: Chris Crerar with courtesy of Parks & Wildlife Service Tasmania

Die Teams, die nun zurückgekehrt sind, bestanden aus Jägern und Hundeführern mit speziell abgerichteten Hunden, die auch die hintersten Winkel der Insel nach den Schädlingen absuchten. Dies geschah, nachdem zuvor mit Hilfe von Hubschraubern zwischen 2010 und 2011 Giftköder über der gesamten Insel abgeworfen wurde. Diejenigen Nagetiere und Kaninchen, die nicht von den Ködern gefressen hatten, wurden dann von Hand bzw. Pfoten gejagt. Der Erfolg lässt sich nun zeigen. Doch dieser Erfolg hatte eine Preis: Durch das Köderprogramm verendeten 1'500 weitere Seevögel, die sich über die Kadaver der Schädlinge hergemacht hatten. Aus diesem Fehler wurden aber Lehren gezogen, wie das Projekt auf Südgeorgien erfolgreich gezeigt hat.

Selten Bekanntschaft: Der Jagdhund Tama wird von einem «echten Bewohner» von Macquarie Island bestaunt.
Selten Bekanntschaft: Der Jagdhund Tama wird von einem «echten Bewohner» von Macquarie Island bestaunt. Bild: Parks & Wildlife Service Tasmania

Projekt von globaler Bedeutung

Die tasmanische Regierung in Hobart erklärt, dass dies das grösste erfolgreiche Schädlingsbekämpfungsprogramm der Welt sei, das jemals unternommen wurde. Der ehemalige Projektmanager Noel Carmichael meint, dass der Erfolg von weltweiter Bedeutung sei. «Es gab massives Interesse zu den Fortschritten des Programms auf Macquarie, weil niemals zuvor Kaninchen, Ratten und Mäuse gleichzeitig auf einer Insel dieser Grösse bekämpft wurden», erklärt er. «Es ist ein wirklich wichtiger Schritt in der Entwicklung der Schädlingsbekämpfung auf Inseln». Keith Springer meint, dass die Verantwortlichen von anderen Projekten, die ähnliche Ziele haben, sehr daran interessiert sind, von diesem Erfolg zu lernen. «Wir konnten sicherlich einige der Lektionen, die wir auf Macquarie gelernt haben, unter anderem mit den Projektverantwortlichen des Schädlingsbekämpfungsprogramms auf Südgeorgien teilen», sagt Springer. «Auch in Neuseeland und in anderen Teilen Australiens besteht das Interesse zu erfahren, was wir gemacht und erreicht haben und wie wir es angegangen sind. Also ist es etwas Tolles, diesen Erfolg zu teilen und zu versuchen, weitere Erfolge in anderen Teilen der Welt zu erzielen».

Quelle: Laura Bevis und Linda Hunt, ABC News, www.abc.net.au