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Seit kurzem erscheinen auf den Seekarten des Südatlantiks und des Weddellmeers die Namen zweier zuvor unbekannter Unterwasserberge: «Madiba Seamount» und «Nachtigaller Shoal». Bei der Namenswahl folgte das Sub-Committee on Undersea Feature Names (SCUFN) auf seiner diesjährigen Tagung in Monaco den Vorschlägen von zwei Wissenschaftlern des AWI. Diese hatten die Berge vergangenes Jahr auf Polarstern-Expeditionen in die Antarktis entdeckt.

Der Madiba Seamount erhebt sich fast 2.000 Meter über den Meeresboden, ist aber für die Schifffahrt keine Gefahr, da der Berggipfel 3.500 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. ©Jan Erik Arndt, AWI
Der Madiba Seamount erhebt sich fast 2.000 Meter über den Meeresboden, ist aber für die Schifffahrt keine Gefahr, da der Berggipfel 3.500 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. ©Jan Erik Arndt, AWI

«Bis heute sind weniger als zehn Prozent der Unterwasserlandschaften unserer Meere erkundet und mit einem Namen versehen worden. Wenn man abseits der normalen Seerouten fährt, kann man deshalb durchaus noch Neuentdeckungen machen», sagt Jan Erik Arndt vom Alfred-Wegener-Institut. Während einer Expedition in den südlichen Indischen Ozean hatte der Bathymetriker im November 2013 das Glück, einen bisher unbekannten Unterwasserberg zu entdecken. Auf seinem Weg von Kapstadt in das Südpolarmeer passierte der AWI-Forschungseisbrecher «Polarstern» die Spitze eines Unterwasserberges. «Hätte das Fächerecholot nur den Rand des Berges gestreift, wäre er unter Umständen unentdeckt geblieben», erzählt Jan Erik Arndt. Dabei erhebt sich der Gipfel 1.920 Meter über den Meeresboden und ist in seiner Höhe somit vergleichbar mit Bergen der Alpen – allerdings liegt sein höchster Punkt auch knapp 3.500 Meter unter dem Meeresspiegel.

Der «Nachtigaller Soal» erhebt sich bis auf 16 Meter unter die Wasseroberfläche und könnte für die Schifffahrt eine Gefahr darstellen. ©Jan Erik Arndt, AWI
Der «Nachtigaller Soal» erhebt sich bis auf 16 Meter unter die Wasseroberfläche und könnte für die Schifffahrt eine Gefahr darstellen. ©Jan Erik Arndt, AWI

Um einen geeigneten Namen für den Unterwasserberg zu finden, stellte Jan Erik Arndt eine Box auf der «Polarstern» auf. Jeder Expeditionsteilnehmer konnte so anonym seinen Namensvorschlag einreichen. «Nelson Mandela ist in dem Zeitraum unserer Expedition verstorben und als sein Clan- und Spitzname, Madiba, als Vorschlag einging, waren wir uns schnell einig, ihn mit dieser Neuentdeckung zu ehren. Schliesslich startete und endete unsere Expedition auch in Südafrika», erklärt der Bathymetriker.

Bereits im Februar 2013 hatte Boris Dorschel, Leiter der Bathymetrie am Alfred-Wegener-Institut, auf einer Polarstern-Expedition in das antarktische Weddellmeer einen bis dahin unbekannten Unterwasserberg erkundet, der bis dicht unter die Meeresoberfläche reichte. «An seiner flachsten Stelle lag der Berg nur 16 Meter unter dem Meeresspiegel und damit knapp fünf Meter unter dem Kiel der Polarstern. Wäre die Erhebung in einer Seekarte eingezeichnet gewesen, hätten wir diese Untiefe gemieden», sagt Boris Dorschel. Umso wichtiger war es, die Neuentdeckung zu kartieren und zu benennen.

Die Fahrtenaufzeichnung des «Nachtigaller Soal» inspirierte die Crew der Polarstern zu dessen Namensgebung.
Die Fahrtenaufzeichnung des «Nachtigaller Soal» inspirierte die Crew der Polarstern zu dessen Namensgebung.

«Auf Grund der Eisbedeckung mussten wir während der Erkundung immer wieder den Kurs ändern. Dadurch ist eine Aufzeichnung entstanden, die mich an die Romanfigur Prof. Dr. Abdul Nachtigaller aus den 13½ Leben des Käpt'n Blaubär erinnert hat», erzählt Boris Dorschel. Sehr schnell setzte sich deshalb der Arbeitstitel «Nachtigaller Hill» durch. «Der Name erschien uns als sehr passend, da Prof. Dr. Nachtigaller sein Leben der Erforschung ungeklärter Mysterien widmet und dafür in die entlegensten Gebiete auf unserer Erde reist – vor allem an dunkle und lebensfeindliche Orte», erklärte Boris Dorschel mit einem Augenzwinkern und reichte seinen Namensvorschlag ein.

Davor hatte er „Käpt'n Blaubär"-Autor Walter Moers allerdings kontaktiert. «Ich wollte sichergehen, dass er nichts dagegen hat, dass wir einen Seeberg in der Antarktis nach einer seiner Romanfiguren benennen wollen», sagt der Bathymetriker. Zunächst hielt der Autor die Anfrage für einen Scherz. Von der Ernsthaftigkeit des Vorschlags überzeugt, gefiel dem Autor die Idee dann aber immer besser und er stimmte ihr zu. «Ich hatte ja keine Ahnung, dass heutzutage noch ganze Berge unentdeckt sein können. Dass die Entdeckung im Dunkel antarktischer Gewässer stattgefunden hat, dürfte Nachtigaller, den zamonischen Pionier der Dunkelheitsforschung, besonders freuen», sagt Walter Moers.

Prof. Dr. Abdul Nachtigaller zeichnet sich für die Namensgebung eines Unterwasserberges vor der Antarktis verantwortlich.
Prof. Dr. Abdul Nachtigaller zeichnet sich für die Namensgebung eines Unterwasserberges vor der Antarktis verantwortlich.

Beide Namensvorschläge, «Madiba Seamount» und «Nachtigaller Hill», legten die AWI-Wissenschaftler dem internationalen SCUFN-Komitee (Sub Commitee on Undersea Feature Names) zur Abstimmung vor. Das Komitee tagt einmal jährlich, um neuentdeckte geografische Strukturen am Meeresboden offiziell zu benennen. Vom 16. bis zum 20. Juni 2014 diskutierten die Mitglieder in Monaco über 102 vorgeschlagene Namen. Besonderes Augenmerk legen die Mitglieder darauf, ob die Namensvorschläge angebracht sind und die Unterwasserstrukturen tatsächlich noch unbekannt und unbenannt sind. Auf diese Weise reduziert SCUFN möglichen Wildwuchs bei der Benennung von Strukturen am Meeresboden.

Schnell entschied sich das Komitee für den Namensvorschlag «Madiba Seamount» und begrüsste dabei vor allem, dass mit der Wahl des Clannamen nicht nur Nelson Mandela selbst, sondern auch der Stamm geehrt wird. Für Diskussionen dagegen sorgte die terminologische Einordnung des «Nachtigaller Hill» als «Hill». «Da dieser Unterwasserberg dicht unter der Meeresoberfläche liegt, haben wir uns entschieden, ihn als «Shoal» einzuordnen. Also als eine Untiefe, die eine Gefahr für den Schiffsverkehr darstellt», erklärt Prof. Dr. Hans Werner Schenke.

Quelle: AWI, Alfred Wegener Institut