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Kaiserpinguine sind die Ikonen der Antarktis, mindestens seit den Filmen «Reise der Pinguine» und «Happyfeet». Doch eine neue Studie zeigt, dass die rund 600'000 Pinguine durch den Klimawandel bedroht sind. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird die weltweite Population zwischen 19 und 33 Prozent zurückgehen, gemäss einer neuen Studie im renommierten Nature Climate Change.

Der Kaiserpinguin lebt und brütet ausschliesslich am Rand der Antarktis zwischen dem 66. und 78. Breitengrad. In ihrer «ozeanischen Phase» wandern Kaiserpinguine im Bereich des Packeisgürtels.
Der Kaiserpinguin lebt und brütet ausschliesslich am Rand der Antarktis zwischen dem 66. und 78. Breitengrad. In ihrer «ozeanischen Phase» wandern Kaiserpinguine im Bereich des Packeisgürtels.

Der Bericht, dessen Hauptautorin Stephanie Jenouvrier vom Ozeanographischen Institut in Woods Hole, Massachusetts, USA, ist, untersuchte die Kaiserpinguinpopulationen in der Antarktis und den Einfluss der Meereisveränderungen auf deren Brutgeschäft und Nahrungssuche. Ausgehend von Klimamodellvorhersagen, die für das IPCC der UNO erstellt wurden, besagt die Studie, dass die Kaiserpinguinpopulation bis zum Ende dieses Jahrhunderts signifikant zurückgehen wird. «Ich glaube, dass Kaiserpinguine unseren vollen Schutz benötigen, einschliesslich durch den amerikanischen Artenschutzvertrag. Denn sie sehen in den meisten ihrer Gebiete in einer vorhersehbaren Zukunft einem möglichen Aussterben entgegen», erklärt Jenouvrier. Sie erklärt, dass die Kolonien im Rossmeer wahrscheinlich Populationsrückgänge erst später erfahren werden als andere Kolonien, weil dort die Meereisbedingungen länger für sie passend sein werden. «Das Einrichten eines Schutzgebietes im Rossmeer könnte helfen, etwas Zeit zu gewinnen, um dem Aussterben zu entgehen und dringend benötigte Schutz- und Treibhausgasreduktionspläne zu entwickeln».

Kaiserpinguine brüten auf dem Meereis. Ausserdem liefert das Meereis die Grundlage für die Nahrungsketten und somit Futter für die Küken.
Kaiserpinguine brüten auf dem Meereis. Ausserdem liefert das Meereis die Grundlage für die Nahrungsketten und somit Futter für die Küken.

Um ihre Jungen zu füttern, verlassen Kaiserpinguine für lange Zeit ihre Kolonien und wandern lange Strecken über das antarktische Eis, um zum offenen Wasser zu gelangen und dort Nahrung zu finden. Daher sind diese Pinguine auf eine optimale Menge an Meereis aus verschiedenen Gründen angewiesen, einschliesslich dem Schutz vor Fressfeinden. Änderungen der Eisdecke haben auch enorme Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Krill, der in der Nahrungskette der Antarktis eine Hauptrolle spielt und für die meisten antarktischen Tierarten die Hauptnahrungsquelle darstellt. Durch den Rückgang der Nahrungsverfügbarkeit werden Elterntiere auf der Suche nach Nahrung ihre Küken länger alleine lassen müssen, was wiederum die Jungen einem höheren Risiko zu verhungern oder erbeutet zu werden, aussetzt.

Zur Futtersuche für ihren Nachwuchs müssen die erwachsenen Pinguine von der Kolonie bis zum Meer gelegentlich mehrere hundert Kilometer zurücklegen.
Zur Futtersuche für ihren Nachwuchs müssen die erwachsenen Pinguine von der Kolonie bis zum Meer gelegentlich mehrere hundert Kilometer zurücklegen.

Die Resultate der Studie zeigen, dass zu Beginn des nächsten Jahrhunderts rund 75 Prozent aller Kaiserpinguinkolonien durch die Auswirkungen der Meereisdicke-Veränderung geschädigt sein werden und rund 20 Prozent werden sogar kurz vor dem Aussterben stehen. «Wird das Meereis mit der Rate, die von den IPCC-Modellen vorhergesagt werden, weiter zurückgehen, und dabei die Kaiserpinguine in derselben Weise beeinflussen, wie es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Gebiet Terre Adélie getan hat, werden rund 2/3 der Kolonien mehr als 50 Prozent ihrer jetzigen Grösse verlieren», erklärt Stephanie Jenouvrier, die Hauptautorin der Studie. «Keine der Kolonien, nicht einmal die südlichsten in der Ross-See, würden bis zum Ende des 21. Jahrhunderts ein adäquates Habitat bilden».

Beim Fischfang können sie unter dem Eis bis zu 450 Meter tief tauchen und mehr als eine Viertelstunde unter Wasser bleiben.
Beim Fischfang können sie unter dem Eis bis zu 450 Meter tief tauchen und mehr als eine Viertelstunde unter Wasser bleiben.

Der vorhergesagte Rückgang würde die Tierart auf die Stufe «Bedroht» setzen. Dadurch würden Antarktis-Vertragsstaaten Massnahmen zum Schutz der übriggebliebenen Kolonien treffen müssen, wie beispielsweise besondere Rücksichtnahme bei der Ausstellung von Fischereilizenzen. Dies wiederum würde zu stärkeren Diskussionen und Kontroversen in Bezug auf Schutzmassnahmen und –gebieten innerhalb der Kommissionen führen.

«Der Rückgang des Lebensraumes der Pinguinen und der Population ist sehr verstörend», sagt Andrea Kavanagh, Leiterin des Global Penguin Conservation im bekannten The Pew Charitable Trust. «Damit Pinguine eine Überlebenschance haben, muss die internationale Gemeinschaft zusammenkommen und die Ozeane und die Fische, von denen diese ikonischen Tiere leben, besser schützen». Die Bildung von grossflächigen, komplett unter Schutz gestellten Meeresreservaten, könnte helfen, den Druck auf die Pinguinhabitate und die Nahrungsquellen zu reduzieren und so die Distanzen für die Nahrungssuche der Kaiserpinguine verkleinern. Obwohl dies den Klimawandel nicht aufhalten wird, können Meeresreservate helfen, die Ökosysteme etwas widerstandsfähiger machen und Nahrungsnetze intakt halten durch das Einrichten von Fischereiverbotszonen. Im Oktober wird die CCAMLR, die Kommission für den Schutz antarktischer lebender Meeresressourcen, über Vorschläge zur Errichtung von Meeresreservaten in der Ross-See und in den Gewässern vor der Ostantarktis. Es ist bereits das vierte Mal, dass die Kommission darüber beraten wird. Die meisten Populationen der 18 Pinguinarten werden gemäss einer roten Liste die von Naturschutzexperten geführt wird kleiner. Nur Königs-, Adélie- und Zügelpinguine sind im globalen Kontext am Zunehmen. «Die Neuigkeiten über die Pinguine sollten grosse Bedenken erheben und für die CCAMLR umso mehr ein Grund sein, in Aktion zu treten», erklärt Kavanagh. «Es ist Zeit, Massnahmen zu ergreifen, damit Kaiserpinguine auch in Zukunft ein Teil der antarktischen Landschaft sein werden.»

Quelle: Dave Walsh, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , Woods Hole Oceanographic Institution