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Die subantarktische Insel Südgeorgien ist Jahrhunderten von Nagern belastet worden. Eingeschleppt von Wal- und Robbenfängern hatten Ratten und Mäuse die Vogelkolonien und die Vegetation stark geschädigt. In den letzten 10 Jahren jedoch haben sich die Dinge zum besseren geändert. Durch das weltgrösste Nager-Eliminierungsprogramm wurden mehr als 1‘000 km2 von Ratten und Mäusen befreit. Nun hat der South Georgia Heritage Trust, der für die Kampagne verantwortlich war, die Aktion für erfolgreich abgeschlossen erklärt.

Südgeorgien liegt mitten im Südatlantik, bzw. Südpolarmeer. Durch seine abgelegene Lage konnten nur Seevögel und Meerestiere die Insel zu ihrem Zuhause machen. Zumindest bis zur Ankunft des Menschen. Bild: Michael Wenger
Südgeorgien liegt mitten im Südatlantik, bzw. Südpolarmeer. Durch seine abgelegene Lage konnten nur Seevögel und Meerestiere die Insel zu ihrem Zuhause machen. Zumindest bis zur Ankunft des Menschen. Bild: Michael Wenger

Nach beinahe einem Jahrzehnt Planung und vier Saisons voller Arbeit durch ein aussergewöhnliches, internationales Team, konnte der South Georgia Heritage Trust (SGHT) die Insel Südgeorgien für offiziell Nager-frei erklären, zum ersten Mal seit Menschen vor zweihundert Jahren auf die Insel gekommen sind. Professor Mike Richardson, der Vorsitzende des Leitungskomitees für das Lebensraum-Restaurierungsprojektes erklärte: „Der South Georgia Heritage Trust ist hoch erfreut sagen zu können, dass sein Habitats-Restaurierungsprojekt beendet ist und dass die eingeschleppten Nagetiere erfolgreich von der Insel entfernt worden sind. Es war ein Privileg, an diesem Naturschutzprojekt arbeiten zu dürfen, welches das grösste seiner Art weltweit gewesen ist. Und ich bin unglaublich stolz, was diese kleine Wohltätigkeitsstiftung erreicht hat, denn es war eine riesige Teamarbeit. Die beliebte TV-Serie „Der blaue Planet“ hatte unsere gemeinsamen ökologischen Herausforderungen hervorgehoben und das Bewusstsein um die Bedeutung Südgeorgiens für Seevögel und die Natur stark geschärft. Wir hoffen, dass die Ergebnisse dieses Projekts andere zur Hilfe für unsere Umwelt und Natur inspirieren wird.“

Ratten und Mäuse kamen mit den Walfang- und Robbenjägerschiffen im 18. und 19. Jahrhundert an und landeten auf Südgeorgien, als die Schiffe entweder an die Strände gefahren wurden oder Camps errichtet worden waren. Ohne Konkurrenz und Fressfeinden konnten sie sich rasant ausbreiten. Bild: Paula O‘Sullivan
Ratten und Mäuse kamen mit den Walfang- und Robbenjägerschiffen im 18. und 19. Jahrhundert an und landeten auf Südgeorgien, als die Schiffe entweder an die Strände gefahren wurden oder Camps errichtet worden waren. Ohne Konkurrenz und Fressfeinden konnten sie sich rasant ausbreiten. Bild: Paula O‘Sullivan

Eingeschleppte Mäuse und Ratten kamen als blinde Passagiere an Bord von Robben- und Walfangschiffen nach Südgeorgien ab dem 18. Jahrhundert und begannen, über die bodenbrütenden und in Erdhöhlen lebenden Vögel herzufallen. Der Effekt für diese Vogelarten war verheerend, da sich diese ohne Räuber entwickelt hatten und nun immer weiter auf abseits gelegene Insel zurückgedrängt wurden. Besonders bedrohten die Ratten zwei endemische Arten, die nirgendwo sonst auf der Welt zu finden sind: den Südgeorgien- Riesenpieper und die Südgeorgien-Spitzschwanzente. Die in Schottland beheimatete Wohltätigkeitsstiftung SGHT begann 2008 mit der Planung ihres ambitionierten Habitat-Restaurierungsprojektes und hatte zum Ziel, zwei Jahrhunderte durch Menschen verursachte Schädigungen umzukehren, damit Millionen von Vögeln ihr angestammtes Zuhause wieder einnehmen könnten. Die Stiftung begann die Pilotphase der Köderauslegung im Jahr 2011, gefolgt von einer zweiten und dritten Phase in den Jahren 2013/14 und 2015/16. Allein die erste Phase, die in gerade einmal 28 Tagen durchgeführt worden war, trotz widriger Wetterbedingungen, machte aus dem Projekt die grösste Insel-basierte Eliminierungsoperation die jemals auf der Welt unternommen worden war. Nach der letzten Köderauslegung 2015/16 wurden bei mehreren Untersuchungen keine Anzeichen von Nagetieren mehr entdeckt und gleichzeitig feierten einige Vogelarten ein grosses Comeback. Doch trotzdem wurde nochmals eine grossangelegte Überprüfungsaktion notwendig, bevor die Insel tatsächlich für Nager-frei erklärt werden könnte.

Mithilfe von Hubschraubern, neuseeländischen Piloten und einem sehr engagierten Team Rat, wurden die vergifteten Köder an allen Nager-verseuchten Gebieten Südgeorgiens in 3 Phasen und über einen Zeitraum von 4 Jahren verteilt. Die letzte Phase beinhaltete danach noch ein Überwachungsprogramm mit speziell abgerichteten Hunden. Bild: SGHT
Mithilfe von Hubschraubern, neuseeländischen Piloten und einem sehr engagierten Team Rat, wurden die vergifteten Köder an allen Nager-verseuchten Gebieten Südgeorgiens in 3 Phasen und über einen Zeitraum von 4 Jahren verteilt. Die letzte Phase beinhaltete danach noch ein Überwachungsprogramm mit speziell abgerichteten Hunden. Bild: SGHT

Internationalen Richtlinien folgend, verbrachte ein Expeditionsteam zwei Jahre nach der letzten Köderauslegung insgesamt 6 Monate auf Südgeorgien während des Winters als letzte Phase. Unterstützt wurde das Team von offiziellen Vertretern der Verwaltungsbehörde. Zusammen wurde nach Anzeichen von überlebenden Ratten mithilfe verschiedener Methoden gesucht. Mehr als 4‘600 festmontierte Geräte, inklusive Kaustäbe und Markierungstunnel waren ausgebracht und kontrolliert worden. Ausserdem wurden die besten Entdeckungsexperten eingeflogen: drei speziell ausgebildete Spürhunde und ihre beiden Trainerinnen. In einer schier unglaublichen und an Sir Ernest Shackletons epischen Durchquerung der Insel erinnernden Leistung wanderten die Trainerinnen insgesamt 1‘608 km und die Hunde sogar 2‘420 km. Die zurückgelegte Distanz entspricht in etwa der Luftlinie zwischen Berlin und Palermo und ist besonders beeindruckend, wenn man das zerklüftete und herausfordernde Terrain Südgeorgiens miteinrechnet. Zusammen erkletterten die beiden Halterinnen die 8-fache Distanz des Mount Everest, die Hunde sogar die 13-fache Distanz.

Drei Spürhunde und zwei Halterinnen suchten alle beköderten Gebiete nach Nagetieren in einer letzten Überwachungsaktion ab. Dabei legten die Halterinnen mehr als 1‘500 km und die Hunde sogar mehr als 2‘400 km zurück und erkletterten distanzmässig das Mehrfach des Mount Everest. Bild: Oli Prince
Drei Spürhunde und zwei Halterinnen suchten alle beköderten Gebiete nach Nagetieren in einer letzten Überwachungsaktion ab. Dabei legten die Halterinnen mehr als 1‘500 km und die Hunde sogar mehr als 2‘400 km zurück und erkletterten distanzmässig das Mehrfach des Mount Everest. Bild: Oli Prince

Professor Richardson meinte dazu: „ Dank der ausserordentlichen Arbeit der passionierten und engagierten Mitglieder von Team Rat und dem Stiftungsrat sind die Vögel Südgeorgiens wieder frei von der Bedrohung durch Nagetiere. Die Stiftung kann nun ihre Aufmerksamkeit und Anstrengungen in die Zusammenarbeit mit der der Verwaltung von Südgeorgien und der Südsandwichinseln bezüglich eines anderen Schutzes stellen: die Bewahrung und Neuinterpretation des historischen Kulturerbes der Insel, um zukünftige Generationen über unsere Umwelt zu informieren und zu begeistern.“ Die Stiftung, zusammen mit ihrer US-basierenden Schwesterorganisation „Friends of South Georgia“ (FOSGI) hatte über €11.5 Millionen gesammelt, um das gesamte Projekt finanzieren zu können. Darin enthalten waren die finanziellen und Sachleistungen von unzähligen Einzelpersonen, Gesellschaften, Geschäften und Regierung, darunter rund €1 Million der britischen Regierung durch das Departement für Umwelt, Ernährung und Landwirtschaft. Lord Gardiner, der Staatssekretär der DEFRA, erklärte: „Das Vereinigte Königreich ist stolz, der Wächter für die wertvolle und einzigartige Biodiversität von 14 Überseegebieten zu sein, die meisten davon Inselwelten wie Südgeorgien, die enorm unter dem Klimawandel leiden. Die letzten zehn Jahre haben einen steilen Anstieg gesehen, wie Grossbritannien auf invasive nicht-einheimische Arten reagiert hat. Die Nager-Eliminierung, die durch den SGHT hervorgebracht worden ist, gehört zweifellos zu den bewundernswertesten Schutzleistungen für Inseln. Das erfolgreiche Projekt wird Vertrauen und Zuversicht für weitere Bekämpfungsmassnahmen gegen eingeschleppte Arten rund um den Globus geben.“

Nach dem Verschwinden der Nager kann die Vogelwelt sich wieder erholen und die Küken werden sicher vor den Ratten sein. Geschätzte 100 Millionen Vögel könnten sich potentiell wieder auf Südgeorgien niederlassen. Bild: Sally Poncet
Nach dem Verschwinden der Nager kann die Vogelwelt sich wieder erholen und die Küken werden sicher vor den Ratten sein. Geschätzte 100 Millionen Vögel könnten sich potentiell wieder auf Südgeorgien niederlassen. Bild: Sally Poncet

Quelle: South Georgia Heritage Trust