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Die Meeresgebiete um die Antarktis gehören zu den reichhaltigsten und unberührtesten der Erde. Ihre Grösse, Abgeschiedenheit und die klimatischen Bedingungen waren für lange Zeit der beste Schutz, um die darin vorkommenden Tierarten, vor allem Fische und Krebse, vor kommerzieller Ausbeutung zu schützen. Mit dem technischen Fortschritt und dem Druck, den die Überfischung der übrigen Regionen mit sich bringt, sind jedoch nun auch diese Gebiete gefährdet. Der Antarktis-Vertrag, der den Schutz dieser letzten grossen Wildnis in die Hände der Unterzeichnerstaaten legt, bietet nicht genügend Schutz für die Meeresgebiete. Dies soll sich nun ändern.

Der Riesen-Antarktisdorsch (Dissostichus mawsoni) wird auch Antarktischer Seehecht genannt und lebt in den Meeren rund um die Antarktis bis zur Nordgrenze des Südpolarmeers an der Antarktischen Konvergenz, in Tiefen von 0 bis 1600 Metern.
Der Riesen-Antarktisdorsch (Dissostichus mawsoni) wird auch Antarktischer Seehecht genannt und lebt in den Meeren rund um die Antarktis bis zur Nordgrenze des Südpolarmeers an der Antarktischen Konvergenz, in Tiefen von 0 bis 1600 Metern.

Reich an Fisch, an Mineralstoffen und Bodenschätzen und an wissenschaftlichem Potential, gehören die Meeresgebiete rund um den antarktischen Kontinent zu den unberührtesten Gewässern der Erde -  aber der Druck durch Fischereiflotten nimmt bereits zu. Mitte Oktober 2012 haben Unterhändler an einem Treffen des CCAMLR (Kommission zur Erhaltung antarktischer mariner Lebendressourcen) versuchen, den angeheizten Run auf die Naturschätze und Ressourcen dieses Gebietes zu bremsen. Auf dem Spiel steht eines der letzten grossen Wildgebiete der Erde – und die Glaubwürdigkeit des internationalen Gremiums zum Schutz der antarktischen Meeresorganismen.

CCAMLR wird über vier Vorschläge zur Errichtung grosser Meereschutzgebiete (MSG) beraten, welche die Fischereiaktivität in der Region stark einschränken würde. Aber der Schutz benötigt einen einstimmigen Beschluss aller CCALMR-Mitglieder (24 Länder und die Europäische Union), und einige, darunter Japan und China, haben in der Vergangenheit Skepsis bei der Errichtung solcher MSG gezeigt. «Das ist ein besonders wichtiges Treffen», erklärt Alex Rogers, ein Naturschutzbiologe der Universität Oxford, UK. «Wenn die Vorschläge blockiert oder abgelehnt würden, würde eine sehr ernsthafte Situation entstehen, und würde sämtliche Schutzbemühungen um ein Jahrzehnt oder mehr zurückwerfen».

So sollen die Schutzgebiete rund um die Antarktis aussehen, wenn es nach den Wünschen der Wissenschaftler geht.
So sollen die Schutzgebiete rund um die Antarktis aussehen, wenn es nach den Wünschen der Wissenschaftler geht.

Nur ein grosser Sektor der Antarktischen Gewässer ist zurzeit ein ausgewiesenes Meeresschutzgebiet. Dabei handelt es sich um ein 94'000 km² grosses Gebiet nahe der South Orkneys (siehe Karte). Die USA und Neuseeland haben nun je einen Vorschlag zum Schutz der Ross-See, die die Heimat von Robben, Walen, Fischen, Pinguinen und anderen Vögel ist, eingereicht, um dieses Gebiet in eines der grössten Schutzgebiete der Welt zu verwandeln. Kommerzieller Fischfang in der Ross-See, besonders auf den sehr lukrativen Riesen-Antarktisdorsch war schon immer ein wunder Punkt bei Naturschützern. Der amerikanische Vorschlag sieht die Einrichtung einer 1.8 Millionen km² grossen Schutzzone mit einer Fischereiverbotszone von 800'000 km² und einer «wissenschaftlichen Referenz-Zone» zur Erforschung von Klimawandeleffekten. Neuseelands Vorschlag würde rund 2.5 Millionen km² bedecken, mit einigen Gebieten, die der Fischerei offenstehen würden. Die beiden Länder hatten gehofft, einen gemeinsamen MSG-Vorschlag auf den Tisch bringen zu können, konnten jedoch keinen Konsens finden. Die Antarctic Ocean Allianz, ein Zusammenschluss mehrerer Umweltverbände, kritisierte beide Pläne: den neuseeländischen Plan für die Beeinträchtigung des Naturschutzes zu Gunsten der eigenen Fischereiflotte und des US-Vorschlag für die ungenügend grossen ökologisch wertvollen Gebiete. Ausserdem könnten die beiden sich rivalisierenden Vorschläge eine Einigung behindern und die Ross-See ohne ein Schutzgebiet lassen.

Der Fisch wird 1,75 Meter lang und erreicht ein Gewicht von 80 kg. Er wird in den letzten Jahren intensiv befischt und ist inzwischen durch Überfischung gefährdet.
Der Fisch wird 1,75 Meter lang und erreicht ein Gewicht von 80 kg. Er wird in den letzten Jahren intensiv befischt und ist inzwischen durch Überfischung gefährdet.

Währenddessen fordert ein britischer Vorschlag den Schutz für Gebiete entlang der antarktischen Halbinsel, die durch die zusammenbrechenden Eisschelfs exponiert werden. «Neue Gebiete werden rasch von Tieren besiedelt und können sehr attraktiv für Fischereiflotten werden», sagt Phil Trathan, Leiter der Abteilung Naturschutzbiologie des British Antarctic Survey (BAS) in Cambridge, UK, ein Mitinitiant des Vorschlags. Der Schutz dieser Gebiete könnte Forschern helfen herauszufinden, wie sich marine Ökosystem nach dem Rückzug des Eis verändern, was sich im Angesicht des sich erwärmenden Erdklimas häufen sollte. «Wir verstehen viel von den physikalischen Aspekten des Klimawandels», sagt Trathan. «Aber eines der Schlüsselthemen wird sein, wie die ökologischen Konsequenzen aussehen werden».

Australien hat einen vierten Vorschlag eingereicht, der die Errichtung eines Netzes von Schutzgebieten entlang der Ostantarktis vorsieht. «Alle vier Vorschläge sind wissenschaftlich sehr fundiert und einwandfrei», sagt Andrew Wright, Vorstandssekretär der CCAMLR, in Nordhobart, Australien. Aber der Erflog ist bei weitem nicht garantiert: «Es wird auf eine politische Entscheidung hinauslaufen», meint Susie Grant, Naturschutzforscherin bei der BAS.

Sollten die Vorschläge keine Einigung finden bis zum Ende des Jahres-Treffens am 1. November, könnten sie im Prinzip auf die Agenda für das nächstjährige Treffen gesetzt werden. Aber die Tatsache, dass eine einstimmige Einigung aller Mitglieder erzielt werden muss, würde ein effektives Ende dieser und auch aller ähnlichen Pläne bedeuten bis eine signifikante Verschiebung der politischen Ideologien stattgefunden hat. Ohne eine Einigung in diesem Jahr, sagt Grant, «müsste die CCAMLR sehr genau überlegen, was das für ihre früheren Bekenntnisse zum Naturschutz bedeuten würde».

Quelle: Daniel Cressey, www.nature.com/news