Australien hat sein Antarktis-Programm substantiell ausgebaut und unter anderem einen neuen Eisbrecher in Auftrag gegeben. Die RSV Nuyina soll den in die Jahre gekommenen Eisbrecher Aurora Australis ab der Saison 2020/21 unterstützen und danach ersetzen. Zurzeit wird das 25‘500 Tonnen-Schiff in der Galati-Werft in Rumänien gebaut. Anders als früher, werden dazu die neuesten Techniken verwendete, darunter auch Laserpräzisionsgeräte zur perfekten Ausrichtung der Propellerschäfte.

Der Heimathafen der australischen Eisbrecher ist traditionell Hobart auf Tasmanien. Im Bild ist der bisherige Eisbrecher, Aurora Australis (links) und ein Computermodell des neuen dreimal grösseren Schiffs, der RSV Nuyina (rechts) zu sehen. Bild: Australian Antarctic Division
Der Heimathafen der australischen Eisbrecher ist traditionell Hobart auf Tasmanien. Im Bild ist der bisherige Eisbrecher, Aurora Australis (links) und ein Computermodell des neuen dreimal grösseren Schiffs, der RSV Nuyina (rechts) zu sehen. Bild: Australian Antarctic Division

Um eine sichere Versorgung seiner antarktischen Stationen zu gewährleisten und sein wissenschaftliches Antarktis-Programm zu betreiben, benutzt Australien einen der bekanntesten Eisbrecher, die Aurora Australis. Doch das 1990 in Betrieb genommene Schiff kommt langsam in die Jahre und auch die Ansprüche durch die Forschung sind mittlerweile gestiegen. Daher hatte die australische Regierung via seiner Abteilung für das Antarktisprogramm, der Australian Antarctic Division (AAD) den Bau eines neuen Eisbrechers beschlossen. Das Multi-Millionen-Dollar-Projekt wird von der holländischen Damen-Gruppe in ihrer Werft in Rumänien nach den Plänen eines dänischen Architekten-Büros gebaut. Die Kiellegung fand im August 2017 statt und der Bau wurde seither wie geplant vorangetrieben. Die Dimensionen des Schiffes sind beachtlich und mit seinen 160 Metern Länge und 25.6 Metern Breite überragt die Nuyina seinen Vorgänger um einiges. Das Schiff soll neben Versorgungsfahrten auch eine Plattform für wissenschaftliche Projekte bieten, was wiederum besondere Anforderungen an den Bau liefert. Darunter auch den Antrieb, der mit 2 Verstellpropellern gewährleistet wird. Damit soll das Schiff auf eine maximale Geschwindigkeit von 16 Knoten (30 km/h) kommen, aber trotzdem beinahe komplett ruhig laufen. Denn die 50 Meter langen Propellerschäfte, die mit den Hauptmotoren in der Mitte des Schiffes verbunden sind, laufen durch Heckrohre, die durch die Aussenwand gehen und damit ein Wassereindringen verhindern. Am Ende der Schäfte sitzen dann die jeweils 40 Tonnen schweren Propeller.

Um einen perfekten Verlauf der Schäfte zu garantieren, werden sie in den Röhren und den Gondeln mit Lasergeräten vermessen. Dadurch kann ein eiern beim Laufen verhindert werden und es entstehen keine typischen Schlaggeräusche. Bild: Michiel Jordaan
Um einen perfekten Verlauf der Schäfte zu garantieren, werden sie in den Röhren und den Gondeln mit Lasergeräten vermessen. Dadurch kann ein eiern beim Laufen verhindert werden und es entstehen keine typischen Schlaggeräusche. Bild: Michiel Jordaan

Der Projektleiter Nick Browne erklärt, dass die korrekte Ausrichtung der Schäfte durch Laser, die durch die Heckrohre geschickt werden, geschieht. „Eine perfekte Ausrichtung der Propellerschäfte ist essentiell, um ein Eiern der Propellerblätter und einen strukturellen Bruch der Schäfte zu verhindern. Damit wird das Schiff geräuschlos laufen während wissenschaftlichen Fahrten“, meint er. „Im offenen Wasser stammen die meisten Geräusche vom Antriebssystem, den Motoren, Schaltgetrieben und den Propellern. Dies stört die wissenschaftlichen Akustikinstrumente und kann das Verhalten von Fischen und anderen zu untersuchenden Meeresorganismen verändern.“ Um im Lautlos-Modus zu fahren, wird das Schiff von seiner Hauptantriebsquelle, den Dieselmotoren, auf die leisen elektrischen Motoren wechseln, die von Dieselgeneratoren, die auf flexiblen Standsystem stehen, angetrieben werden. „Die elektrischen Motoren sind auf flexiblen Kupplungen montiert, die Vibrationen absorbieren und die Dieselgeneratoren sind auch auf elastischen Ständern installiert, um zu verhindern, dass der Lärm durch die Hülle ins Wasser übertragen wird“, erklärt Nick Browne weiter. Die Propeller selbst sind so entwickelt worden, dass sie die Blasenbildung und –bewegung reduzieren, die normalerweise für Lärm sorgen, wenn sie zerbersten oder über die Instrumente fliessen.

Der Eisbrecher nimmt langsam Form an in der Damen Galati Werft in Rumänien. Der orange Bugbereich und einen der Aufbauten oberhalb des Schiffes sind sichtbar. Wenn das Schiff fertig ist, wird seine maximale Höhe über 50 Meter vom Kiel zum Hauptmast betragen. Bild: Rob Bryson
Der Eisbrecher nimmt langsam Form an in der Damen Galati Werft in Rumänien. Der orange Bugbereich und einen der Aufbauten oberhalb des Schiffes sind sichtbar. Wenn das Schiff fertig ist, wird seine maximale Höhe über 50 Meter vom Kiel zum Hauptmast betragen. Bild: Rob Bryson

Im Trockendock der Damen Galati-Werft in Rumänien nimmt das Schiff langsam Form an und einige spezifische Arbeitsbereiche sind bereits sichtbar. Dazu gehören die zwei Hauptfrachträume, in die jeweils fünfzig 20-Fuss-Container passen, der Trockenlagerraum und der wissenschaftliche Brunnen, aus dem direkt Krill und andere Meeresorganismen entnommen werden können. Weitere Aufbauten werden zurzeit neben dem Schiff gebaut und später aufgesetzt, wenn das Schiff vom Stapel gelaufen ist. Insgesamt 149 Personen, 1‘200 Tonnen Material, bis zu 4 Hubschrauber sollen dereinst auf dem Schiff Platz finden, welches so konzipiert ist, dass es für 90 Tage lange komplett unabhängig laufen kann. Die Nuyina soll im April 2020 in Hobart übergeben werden und ab der Saison 2020/21 voll einsatzbereit sein.

Quelle: Australian Antarctic Division