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Die sogenannten «Tränen der Meerjungfrau», winzigen Teilchen aus Plastik, kosten hunderttausenden Meereslebewesen jährlich den Tod. Die Elterntiere verwechseln den Müll mit Nahrung. Jedes Jahr sterben deshalb rund 100.000 Jungvögel durch Verhungern, Vergiftungen oder Ersticken. Und in grösseren Plastikteilen können sich Meeresbewohner verheddern und sich damit strangulieren.

Muell-im-Meer
Unglaubliche Mengen von Plastikmüll treibt in den Meeren

Millionen von Plastiktüten verschmutzen das Meer und die Strände. Die Wissenschaftler nennen sie «Tränen der Meerjungfrau». Klingt eigentlich ganz nett, doch der Name steht für kleine Plastikkügelchen, die sich laut einer Studie britischer Wissenschaftler über die Weltmeere ausbreiten. Sie sind das Abfallprodukt von Industrie und privaten Haushalten, die jede Menge Müll produzieren. Plastikflaschen oder Einkaufstüten aus dem Supermarkt – alles landet in den Ozeanen. Gelegentlich wundert es einem schon, was auch in polaren Gewässern alles anzutreffen ist. Bierkisten aus Deutschland auf Spitzbergen oder Verpackungsmaterial aus Brasilien an South Georgias Stränden. Der Müll verschont selbst die abgelegendsten Gegenden der Welt nicht.

vergifteter-Albatros
Wozu die Verschmutzung unserer Meere führt, sieht man an folgendem Bild. Der Albatros hatte den kompletten Magen voller Plastik, bevor er verendet ist.

Der Plastikmüll hat gute Chancen, für mehrere hundert Jahre im Meerwasser zu treiben. Er baut sich nicht ab wie organische Stoffe, die irgendwann zerfallen. Er wird nur kleiner. Bei Untersuchungen von Krebsen, Würmern und Sandhüpfern fanden sich in den Verdauungstrakten die mikroskopisch kleinen Plastikpartikel. Wale, Schildkröten und Seevögel sind am stärksten bedroht. Insbesondere Albatrosse sterben daran. Die riesigen Müllmengen der Industrieländer sind inzwischen eine ernsthafte Bedrohung für viele Meereslebewesen. Forscher schlagen Alarm, mikroskopisch kleine Plastikkügelchen vergiften die Ozeane – über die Nahrungskette können Chemikalien bis zum Menschen gelangen.

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Eine Inuitfrau sammelt in Resolute, in der kanadischen Arktis, den angeschwemmten Müll zusammen.

So verteilt sich der Müll

Der 10. Januar 1992 war ein verhängnisvoller Tag für 28.800 gelbe Entchen, blaue Schildkröten, grüne Frösche und rote Biber. Der Frachter, der sie von Hongkong nach Tacoma bringen sollte, kämpfte in schwerer See gegen haushohe Wellen. Drei Container gerieten ins Rutschen - auch der, in dem die bunten Badewannentiere steckten. Mitten im Nordpazifik, ganz in der Nähe der Datumsgrenze, gingen die Quietschetiere über Bord, kein Land weit und breit. Die Monate vergingen. Im Sommer strandeten die ersten Plastiktiere an einer felsigen Küste bei Sitka/Alaska, nach einer Reise von immerhin 3500 Kilometern. Die anderen schwammen weiter. Sie fädelten sich in die Ringströmung im Pazifik ein. Ein paar stiegen in Hawaii aus, andere an den Stränden Australiens, Indonesiens oder Kolumbiens.

Staunend verfolgten Ozeanographen und die Weltöffentlichkeit die Odyssee der Plantschtier-Armada. Sie trieb wohin die Meeresströmungen sie trug. Sie trotzten nicht nur dem stürmischen Nordpazifik und der Hitze des Äquators, sondern auch der jahrelangen Drift im Eismeer - ebenso wie Milliarden und Abermilliarden anderer Plastikteile. Für Meeresökologen wie Richard Thompson von der Universität von Plymouth waren die Entchen und Frösche deshalb nichts anderes als das friedlich-freundliche Gesicht eines ernsten Themas. Wie ernst, zeigt ein Besuch an einem beliebigen Strand dieser Welt. Gleichgültig wo man ist, der Müll ist schon da.

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Nicht ungefährlich, ein Delfin spielt mit einer Plastiktüte.
Inuitfrau
Resolute - Nordwestpassage - der Plastikmüll ist auch in der Arktis angekommen