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Mit einer aussergewöhnlichen Bergungsaktion haben die Besatzungen der beiden Kreuzfahrtschiffe MV «Ortelius» und MV «Plancius» am 19. September 2014 der AWI-Ozeanographin Dr. Katrin Latarius geholfen, ein Messprogramm in der Grönlandsee erfolgreich abzuschliessen. Die Mannschaften stoppten die Schiffe der Reederei Oceanwide Expeditions auf offener See, liessen Schlauchboote zu Wasser und halfen, zwei autonome Unterwasserfahrzeuge des AWI aus dem Wasser zu fischen.

Der geborgene Seaglider an Bord der MV «Plancius». Seit 2008 setzt das Alfred-Wegener-Institut Unterwassergleiter ein, um ozeanographische Messungen in der nördlichen Framstrasse durchzuführen. Foto: Katja Riedel
Der geborgene Seaglider an Bord der MV «Plancius». Seit 2008 setzt das Alfred-Wegener-Institut Unterwassergleiter ein, um ozeanographische Messungen in der nördlichen Framstrasse durchzuführen. Foto: Katja Riedel

Die Wissenschaftlerin und ihr Team hatten die beiden sogenannten «Seaglider» Anfang Juli während einer Expedition des Forschungsschiffes «Polarstern» in der Grönlandsee ausgesetzt. Die zwei Meter langen Gleiter tauchten anschliessend auf einem vorgegebenen Kurs immer wieder bis in eine Tiefe von 1000 Metern hinab und sammelten Daten über die Temperatur sowie den Sauerstoff- und Salzgehalt des Wassers in der Grönlandsee. Bei regelmässigen Zwischenstopps an der Wasseroberfläche funkten sie die neuen Informationen dann via Satellit an das AWI in Bremerhaven, sodass die Wissenschaftler sofort auf die Daten zugreifen konnten. Auf dem gleichen Weg schickte Katrin Lauratius den Geräten neue Kursdaten – zum Beispiel, wenn die Gleiter dem Meereis-Feldern vor Grönland zu nahe gekommen waren.

Kapitän Alexey Nasarov der MV «Plancius» mit Helfern auf der Suche nach dem AWI-Seaglider. Foto: Jerry Xu
Kapitän Alexey Nasarov der MV «Plancius» mit Helfern auf der Suche nach dem AWI-Seaglider. Foto: Jerry Xu

Mithilfe der gesammelten Informationen möchte Katrin Latarius nun herausfinden, ob die Zunahme des Süsswassergehaltes im Oberflächenwasser des Nordatlantiks auch das Tiefenwasser im Europäischen Nordmeer beeinflusst. Der Hintergrund dieser Fragestellungen sind klimabedingte Veränderungen in der Arktis: Die Meereis-Schmelze und zunehmende Niederschläge haben dazu geführt, dass seit den 1990er Jahren der Süsswassergehalt in den oberflächennahen Wasserschichten des Arktischen Ozeanes deutlich angestiegen ist. Von dort breitet sich das salzarme Wasser nun in Richtung Nordatlantik aus. Eine Entwicklung mit Folgen: Süsswasser stabilisiert die Wassersäule und erschwert auf diese Weise das Absinken abgekühlten Wassers in die Tiefsee. Aus diesem Grund, so die Annahme der AWI-Wissenschaftler, könnten grosse Mengen Süsswasser die Tiefenwasserbildung im Europäischen Nordmeer abschwächen. Mit ersten Ergebnissen rechnen die Forscher in den kommenden Wochen.

Der Seaglider hat eine maximale Einsatzdauer von etwa 9 Monaten bei zirka 740 Tauchgängen von bis zu 1.000 Meter Tiefe.
Der Seaglider hat eine maximale Einsatzdauer von etwa 9 Monaten bei zirka 740 Tauchgängen von bis zu 1.000 Meter Tiefe.

Quelle: AWI, Bremerhaven