Die Beringstrasse zwischen Eurasien und Nordamerika war nicht immer eine Wasserstrasse. Vor 18'000 Jahren, dem Höhepunkt der letzten Eiszeit, lag das Gebiet frei und verband die beiden Kontinente. Das eigentlich arktische Gebiet sah aber auch nicht sehr arktisch aus, trotz der Bedingungen. Eine neuerstellte Karte zeigt nur sehr detailliert, wie die Landbrücke tatsächlich aussah.

Der Blick vom äussersten östlichen Ende des eurasischen Doppelkontinents zeigt die Beringstrasse, die nur etwa 82 Kilometer breit und durchschnittlich 45 Meter tief ist. Beide Regionen, Alaska und Tschukotka, waren aber einst durch eine Landbrücke verbunden. Bild: Michael Wenger
Der Blick vom äussersten östlichen Ende des eurasischen Doppelkontinents zeigt die Beringstrasse, die nur etwa 82 Kilometer breit und durchschnittlich 45 Meter tief ist. Beide Regionen, Alaska und Tschukotka, waren aber einst durch eine Landbrücke verbunden. Bild: Michael Wenger

Wenn man die östlichste Stelle Russlands oder die westlichste Stelle der USA erreicht, steht man vor der Beringstrasse. Diese rund 82 Kilometer breite Wasserstrasse ist einer von zwei Ein- bzw. Ausgängen des Arktischen Ozeans und die, zumindest geografisch, nächste Verbindung Nordamerikas mit Russland und dem restlichen Asien. Die Regionen Tschukotka (Russland) und Alaska (USA) können zur Arktis gezählt werden, obwohl beide nicht dem allgemeinen Bild der Arktis entsprechen. Einzig das jährlich wiederkehrende Meereis und die Tierwelt mit Moschusochsen, Robben, Walen und Eisbären zeigen, dass man tatsächlich in der Arktis steht. Doch diese Teilung war nicht immer so: vor 18'000 Jahren, am Höhepunkt der letzten Eiszeit, lag der Meeresspiegel rund 120 Meter tiefer als heute. Dadurch existierte eine Landbrücke in der Region, auch als Beringia bekannt, über die Tiere, Pflanzen und Menschen nach Nordamerika einwandern konnten. Wie diese Landschaft damals ausgesehen hatte, war aber bisher nur teilweise bekannt. Nun hat Jeffrey Bond vom Yukon Geological Survey einen grossen Teil dieser Lücke geschlossen und die bislang detaillierteste Karte der Beringia-Landbrücke erstellt und veröffentlicht.

Die von Jeffrey Bond erstellte Karte zeigt eine bis zu 1'000 km breite Landbrücke mit Flüssen und Seen. Viele Bereiche waren wohl zu der Zeit frei von Gletschern, darunter auch Wrangel Island, das damals Teil der Landmasse war. Bild: Jeffrey Bond, Yukon Geological Survey
Die von Jeffrey Bond erstellte Karte zeigt eine bis zu 1'000 km breite Landbrücke mit Flüssen und Seen. Viele Bereiche waren wohl zu der Zeit frei von Gletschern, darunter auch Wrangel Island, das damals Teil der Landmasse war. Bild: Jeffrey Bond, Yukon Geological Survey

Die Zeit sei reif gewesen für eine neu Beringia-Karte, erklärte Jeffrey Bond. Die Karte von 2008 am Yukon Beringia Interpretive Centre war nicht mehr akkurat und er wollte den Leuten, die das Center besuchten und sich über die Menschen und Tiere von Beringia informieren wollten, eine bessere Möglichkeit zur Orientierung und Darstellung bieten. Dabei kam ihm die Veröffentlichung zwei neuer Datensätze sehr gelegen. «Diese beiden frei verfügbaren Datensätze, zusammen mit den Gletschergrenzen (Verteilung des Eises während der letzten Eiszeit), kombinierten sich zu einem fantastischen Satz von Basisebenen, um eine neue Karte zu erstellen", meinte Bond gegenüber Live Science in einer E-Mail. Dadurch entstand eine Karte, die eine Auflösung zwischen 100 Meter und 1 Kilometer pro Quadrat. Die Art der Datensätze war auch einer der Gründe, warum die Karte den Zeitpunkt vor 18'000 Jahren darstellt. Denn die Brücke entstand vor rund 30'000 Jahren mit dem Einsetzen der Gletscherbildungen. Den Höhepunkt erreicht sie vor 18'000 Jahren, danach begann sich das Eis zurückzuziehen und der Meeresspiegel stieg wieder an.

Das Aussehen der Beringia-Region zeigt sich auch heute noch auf Wrangel Island, gemäss der allgemeinen Meinung der Forscher. Eine trockene und kalte Landschaft mit niedriger Vegetation und reichhaltiger Tierwelt. Bild: Michael Wenger
Das Aussehen der Beringia-Region zeigt sich auch heute noch auf Wrangel Island, gemäss der allgemeinen Meinung der Forscher. Eine trockene und kalte Landschaft mit niedriger Vegetation und reichhaltiger Tierwelt. Bild: Michael Wenger

Vor 18'000 Jahren war Beringia ein kalter und trockener Ort, der aber trotzdem von Flüssen und einigen Seen durchzogen war. Die Pflanzenwelt war tundraähnlich mit weiten Grassteppen und niedrigen Gehölzen, meinte Bond. Diese Umgebung half der Megafauna damals zu gedeihen. Dazu zählten Wollmammuts, der Beringia-Löwe, Kurznasenbären, Moschusochsen, Steppenbisons, Säbelzahntiger, Karibus und viele andere Arten gemäss dem Besucherzentrum. Diese Gegebenheiten erlaubten es auch den Menschen, die damals von Asien nach Nordamerika wanderten, genügend Nahrung zu finden. Doch wann, wie und wo entlang genau diese Wanderung stattfand, ist immer noch lückenhaft. Beweise liegen eventuell im Boden der überschwemmten Landmassen und bleiben damit auch noch eine ganze Weile vor den Augen der Wissenschaft verborgen.

Quelle: Laura Geggel, LiveScience.com