Die Nordostpassage, die berüchtigte Wasserstrasse entlang der russischen Nordküste, gehört ganz offiziell zu Russland. Doch wer die Kontrolle über die Schifffahrt innerhalb der Passage kontrolliert, war bisher nicht ganz geklärt. Am 28. Dezember 2018 hat nun Russlands Präsident Vladimir Putin die Kompetenzen geklärt und die Leitung der staatlichen Rosatom offiziell übertragen. Diese ist nun für die gesamte arktische Infrastruktur entlang Russlands nordischer Lebenslinie vreantwortlich.

Die Nordostpassage ist eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen Russlands. Mehr als 18 Millionen Tonnen Güter wurden letztes Jahr auf dieser Route befördert. Auch Öl und Gas werden von Russlands Feldern hier entlang mit Hilfe von Eisbrechern transportiert. Bild: Michael Wenger
Die Nordostpassage ist eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen Russlands. Mehr als 18 Millionen Tonnen Güter wurden letztes Jahr auf dieser Route befördert. Auch Öl und Gas werden von Russlands Feldern hier entlang mit Hilfe von Eisbrechern transportiert. Bild: Michael Wenger

Rosatom, die offiziell „Föderale Agentur für die Atomenergie Russlands“ heisst, ist für die Atomindustrie Russlands verantwortlich. Darunter fallen auch die Nuklear-angetriebenen Eisbrecher wie beispielsweise die bekannte 50 Years of Victory. Nun wurde ihr ganz offiziell die Hauptrolle in der Entwicklung der russischen Arktis übertragen. Die Gesellschaft, für die rund 250‘000 Menschen arbeiten, ist also nun formell Russlands Kontrollbehörde für die Nordostpassage. Die dafür notwendige Gesetzesvorlage wurde am 11. Dezember von der Duma, dem russischen Parlament, verabschiedet und am 28. Dezember von Präsident Putin offiziell unterschrieben. Das neue Gesetz kommt just zu dem Zeitpunkt, an dem die russische Arktis-Schifffahrt aufstrebt. Letztes Jahr wurden rund 18 Millionen Güter durch die Arktis transportiert, was ein Anstieg um beinahe 70 Prozent im Vergleich zu 2017 bedeutet. Und es wird noch weiter ansteigen, denn gemäss Vladimir Putins sogenannte Mai-Verordnungen, die Prioritätenliste des Präsidenten, soll die Transportleistung bis 2024 auf 80 Millionen Tonnen ansteigen.

Der neue Leiter des Direktorates für die Nordmeerroute wird Vayasheslav Ruksha sein, dem bisherigen Leiter von Atomflot, dem Betreiber der Eisbrecherbasen. Auf ihn warten mit Klimawandel, wirtschaftlichen Sanktionen und sinkenden Rohstoffpreisen grosse Herausforderungen. Bild: Thomas Nielsen, Barents Observer
Der neue Leiter des Direktorates für die Nordmeerroute wird Vayasheslav Ruksha sein, dem bisherigen Leiter von Atomflot, dem Betreiber der Eisbrecherbasen. Auf ihn warten mit Klimawandel, wirtschaftlichen Sanktionen und sinkenden Rohstoffpreisen grosse Herausforderungen. Bild: Thomas Nielsen, Barents Observer

Die neuen Aufgaben von Rosatom in der Arktis beinhalten Entwicklungs- und Betriebsarbeiten für die Schifffahrt wie auch für die Infrastrukturen und Häfen entlang der russischen Nordküste. Bisher lagen die Verantwortlichkeiten bei der Nordmeerroutenbehörde, die dem Verkehrsministerium unterstellt war. Alle Aufgaben werden nun an Rosatom übertragen. Die Entscheidung Putins beendet einen Kompetenzstreit, der mit der Ankündigung Putins 2017, dass es eine Kontrollbehörde für die Nordmeerroute geben müsse, begonnen hatte. Bereits im Dezember 2017 war zwar klar, dass Rosatom den Streit gewinnen würde. Doch nun sind mit dem neuen Gesetz die letzten Unklarheiten beseitigt. Zentral in der neuen Struktur wird Vyacheslav Ruksha sein, der ehemalige Leiter von Atomflot. Er wird die Leitung über das Direktorium übernehmen. Atomflot betreibt die Basis für die 5 Nukleareisbrecher in Murmansk, zu denen in den nächsten Jahren noch weitere vier LK-60-Schiffe dazukommen werden. Auch Rosatom ist nicht untätig und plant zurzeit die Lider, ein 120MW-Superschiff, dass mit 10 – 12 Knoten (18 – 20 km/h) durch zwei Meter dickes Eis brechen soll.

Die neue Generation von Super-Eisbrechern, die zurzeit bei Rosatom in Planung sind, sollen einst die Wege für die geplanten 80 Millionen Tonnen Güter entlang der Nordmeerroute frei halten. Eine endgültige Entscheidung über das Projekt ist noch nicht gefallen. Bild: Krylov Institut
Die neue Generation von Super-Eisbrechern, die zurzeit bei Rosatom in Planung sind, sollen einst die Wege für die geplanten 80 Millionen Tonnen Güter entlang der Nordmeerroute frei halten. Eine endgültige Entscheidung über das Projekt ist noch nicht gefallen. Bild: Krylov Institut

Quelle: Atle Staalesen, The Barents Observer