pn en

×

Warnung

JUser: :_load: Fehler beim Laden des Benutzers mit der ID: 62

Deutsche Arktisforscher auf dem Schiff «Polarstern» müssen eine aufwendige Messkampagne in letzter Sekunde abblasen - wegen eines Rechtsstreits in Kanada. Aus Angst um ihre Fischgründe haben kanadische Ureinwohner eine Forschungsfahrt der deutschen «Polarstern» gestoppt. Ein Gericht in Montreal hatte den Bedenken der Inuit recht gegeben und eine zuvor genehmigte Expedition durch eine einstweilige Verfügung nun doch verboten.

Polarstern_im_Eis

Auf der Fahrt durch die kanadischen Gewässer wollte eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern seismische Untersuchungen im Lancastersund, eine Meerenge bei der Baffininsel im äussersten Nordosten Kanadas, vornehmen. Beim geplanten Projekt ECASE (Eastern Canadian Arctic Seismic Experiment) wollten Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover mit Kollegen der Behörde Natural Ressources Canada zusammenarbeiten. Hubschrauberrundflüge mit Magnet-Messgeräten waren geplant, auch ein paar Sedimentkerne sollten aus dem Meeresboden gezogen werden. Vor allem aber ging es um seismische Tests. Dabei werden Schallwellen ins Wasser geschickt, um aus den Reflexionen die Beschaffenheit des Untergrunds abzulesen. Die Untersuchungen sollten Hinweise darauf geben, wie sich der amerikanische Kontinent und Grönland voneinander getrennt haben.

Die Inuit an der Baffin Bay befürchten, dass die bei den Untersuchungen eingesetzten Schallwellen Wale und andere Meeressäuger vertrieben würden, die für die Ureinwohner nach wie vor als wichtige Nahrungsquelle dient. Die Inuit werfen den deutschen Forschern weiterhin vor, verdeckte Arbeit für die Förderung von Öl und Gas in Kanadas Atlantikgebiet zu leisten.

Die deutschen Forscher respektieren die Bedenken der Inuit und streichen die Vermessungsfahrt der Expedition ersatzlos und drehten in Richtung Grönland ab.

Inuit-Jaeger

Hintergrund des Streites um die Forschungsfahrt ist auch die Auseinandersetzung zwischen den Vertretern des seit 1999 eigenständigen Inuitterritoriums Nunavut und der Zentralregierung im kanadischen Ottawa. Zwischen beiden Administrationen ist immer wieder umstritten, wie weit das Mitspracherecht der Ureinwohner gehen darf. «Das ist ein grosser Sieg für die Inuit, nicht nur in der Arktis, sondern in ganz Nunavut», sagte die Inuitführerin Okalik Eegeesiak dem «Globe and Mail» aus Toronto. Nunavut ist fast sechsmal so gross wie Deutschland, hat aber mit gut 31 000 nur die Einwohnerzahl einer Kleinstadt.

Narwale