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Seit dem 1. Juli 2010 bohrt die schottische «Cairn Energy» im Sigguk-Feld vor Grönland mit Genehmigung der grönländischen Regierung nach Öl. Trotz Bedenken hält die Regierung an dem Projekt fest – sie sagt, Öl sichere die Unabhängigkeit.

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Schiffe belauern sich - in den arktischen Gewässern der Baffinbay läuft derzeit ein Machtkampf zwischen Erölsuchern, Umweltschützern und Sicherheitskräften.

Im August 2007 wurde bekannt, dass sich die Schottische «Cairn Energy» für die Lizenzen für zwei Felder in der Disko Bay an der Westenküste Grönlands beworben hatte und diese erhielt. Es handelte sich dabei um die Ölfelder Sigguk und Eqqua. «Cairn Energy» zeigte auch Interesse an den Ölfeldern Lady Franklin und Atammik, die vom kanadischen Erdöl- und Erdgasförderer «Encana» betrieben werden. «Cairn Energy» war eine von vielen Interessenten, welche sich für Förderrechte vor der Grönländischen Küste interessierte.

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Umweltschützer kommen ins Spiel

In den arktischen Gewässern der Baffinbay läuft nun ein Machtkampf ab. Umweltschützer gegen Erdölsucher und Sicherheitskräfte - wer sich durchsetzen wird, ist ungewiss. Es könnte ein längeres Katz-und-Maus-Spiel werden. Seit dem 22. August 2010 lauert das Greenpeace-Schiff «Esperanza» in der Nähe der Bohrplattform «Stena Don» vor der grönländischen Küste, um gegen die dortige Ölsuche zu protestieren. Die dänische Küstenschutzfregatte «Vædderen» warnt die Umweltschützer, nicht dichter als 500 Meter an die Plattform heranzufahren. Dies wäre ein Gesetzesbruch und man würde das Boot stürmen.

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Die Umweltschützer wollen mit ihrem Einsatz Sympathisanten rekrutieren - und erreichen, dass sich Ölfirmen aus der Arktis zurückziehen. Doch dafür könnte es vielleicht schon zu spät sein.

Greenpeace kritisiert «Cairn Energy», welche bis anhin in Indien, Bangladesch, Nepal und Tunesien Erdgas und Erdöl produziert und fördert, habe kaum Erfahrung mit Arktis- und Tiefseebohrungen. Laut Wall Street Journal sei das Unternehmen eine «Wildcat» (hoher Gewinne, doch kaum kalkulierbares Risiko für Investoren). Grund zur Sorge für die ökologisch hochsensible Arktis besteht reichlich. «Cairn Energy» hätte keine Bohr-Erfahrungen in kalten Gebieten, keine grossen Rücklagen, um eventuelle Unfälle zu decken und einen öffentlich nicht zugänglicher Notfallplan.

Am 31. August 2010 ist es vier Aktivisten von Greenpeace gelungen, auf die Ölplattform «Stena Don» zu klettern und damit die dort stattfindende Probebohrung zu stoppen. Die Aktivisten waren zuvor mit Schlauchbooten zur Plattform gefahren.

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Protest an der Bohrplattform: Die «Stena Don» und das Spezialschiff «Stena Forth» suchen seit einigen Wochen im Auftrag des schottischen Konzerns «Cairn Energy» etwa 200 Kilometer vor der Grönländischen Westküste nach Öl und Gas - und das offenbar mit Erfolg.

Naturschutzorganisationen sehen durch die Bohrungen vor Grönland eine enorme Gefahr für das Ökosystem Arktis. Um die Bohrplattform zu sichern, muss ein hoher technischer Aufwand getrieben werden, um Kollisionen mit Eisbergen zu verhindern. Schiffe besprühen Treibeis mit Flüssigkeiten und Schlepper versuchen, den Kurs von Eisbergen durch Schleppeinsatz zu ändern. Bei einem Unfall wie einem Blowout bei der Plattform «Deepwater Horizon» wären die Folgen sehr viel verheerender. Da das Meeresgebiet ein halbes Jahr von Eis bedeckt ist, kann ein eventueller Ölaustritt aus den gebohrten Löchern zwischen Oktober und Mai nicht bekämpft werden. An den unzugänglichen grönländischen Küsten kann das Öl nicht aufgesammelt werden. Im kalten Wasser Grönlands verdunstet Öl deutlich langsamer als im Golf von Mexiko.

Die kleine Ölfirma «Cairn Energy» lässt sich jedoch kaum abschrecken und plant bis Ende Oktober zwei weitere Bohrungen westlich der Disko Bucht.