Die arktischen Rohstoffe, die überwiegend im russischen Teil des Kontinentalschelfs lagern, lassen den Europäern und den Amerikanern keine Ruhe. Experten erwarten eine äusserst harte diplomatische Auseinandersetzung. Einige Politiker sagen oft, die Arktis mit ihren Rohstoffen müsse der ganzen Menschheit gehören.

Russische Eisbrecher werden vermehrt für die Sicherung der russischen Nordpolarküste eingesetz.
Russische Eisbrecher werden vermehrt für die Sicherung der russischen Nordpolarküste eingesetz.

Der Chef der russischen Denkfabrik «Zentrum für strategische Konjunktur», Iwan Konowalow, befürchtet jedoch, diesen Erklärungen könne eine Eskalation folgen: «Es beginnt eine ernste militärisch-diplomatische Auseinandersetzung. Nicht nur die arktischen Anrainerstaaten wie Kanada, Russland, die USA, Norwegen und Dänemark, sondern auch Länder ausserhalb der Region nehmen daran teil. Zweifelsohne wird China ebenfalls einsteigen, aber auch weitere Länder, die Zugriff auf die arktischen Ressourcen bekommen wollen. Auf diplomatischer Ebene wird die Rhetorik äusserst hart werden. Doch wer im diplomatischen Kampf keine militärische Komponente besitzt, wird immer verlieren».

Da staunen die Eisbären nicht schlecht, aber an vermehrte Überraschungen muss sich der König der Arktis so langsam gewöhnen.
Da staunen die Eisbären nicht schlecht, aber an vermehrte Überraschungen muss sich der König der Arktis so langsam gewöhnen.

Vor diesem Hintergrund hat die russische Staatsführung beschlossen, in der Arktis wieder Truppen zu stationieren; diese Aufgabe gilt als vorrangig. Der Wiederaufbau der in den 1990er Jahren verwahrlosten Infrastruktur wird aber viel Zeit und Mühe kosten. Der russische Militärexperte Michail Chodarenok, Chefredakteur der Wochenzeitung «WPK», kommentiert: «Die russische Militärpräsenz in der Arktis ist in den 1990er und Anfang der 2000er Jahre praktisch auf null zurückgegangen. Zwischen der Kola-Halbinsel und dem Beringmeer gab es eigentlich keine russischen Militäreinheiten. Die Reformen liefen so hastig, dass viele Waffensysteme und Militärtechnik einfach an der Küste des Nordpolarmeeres und auf den dortigen Inseln zurückgelassen wurden».

Bei der Militärpräsenz geht es nicht nur um Rohstoffe, sondern auch um die Überwachung der Seewege.
Bei der Militärpräsenz geht es nicht nur um Rohstoffe, sondern auch um die Überwachung der Seewege.

Der Wiederaufbau hat bereits begonnen. Laut Konowalow soll die Infrastruktur nun allen neuen Standards der militärischen Sicherheit entsprechen: «Die Palette der erforderlichen Kräfte wurde bereits festgelegt. Das sind die Kriegsmarine und die Flugabwehr, die das ganze arktische Gebiet mit Radaren abdecken soll. Dies zählt derzeit zu den wichtigsten Aufgaben im Sinne der Weiterentwicklung der russischen Streitkräfte. Zwei arktische Brigaden sollen dort stationiert werden. Im Prinzip reicht das aus. Man muss die Grenztruppen aufstocken, das Flugplatz-Netzwerk ausbauen. All dies soll unsere Positionen in der Arktis stärken».

Zwar erwarten die Experten in absehbarer Zukunft keinen Krieg um die arktischen Rohstoffe, doch bereits die alten Römer sagten: «Si vis pacem, para bellum», also: «Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor». Falls jemand versucht, in unsere arktischen Gebiete einzudringen, werden Russlands Streitkräfte ihm höflich die Tür weisen.

Quelle: RIA Novosti. Anna Yudina