China hat in den letzten Jahren immer mehr seinen Fokus in Richtung Arktis gerichtet. Gemäss Experten sind die reichhaltigen Rohstoffvorkommen und kürzere Transportwege von grösstem nationalem Interesse. Auch politisch hat China verstärkt den Kontakt zu verschiedenen Arktis-Staaten gesucht und eine Charmeoffensive gestartet. Letzten Monat erhielt der Zoo in Kopenhagen Besuch aus dem Reich der Mitte: Zwei Grosse Pandabären. Doch dieses Geschenk aus China ist wahrscheinlich mehr als nur eine freundschaftliche Geste gewesen.

Pandabären sind kostbare Geschenke aus China. Und auch in Kopenhagen scheinen sie sich wohl zu fühlen.
Pandabären sind kostbare Geschenke aus China. Und auch in Kopenhagen scheinen sie sich wohl zu fühlen.

Weit entfernt davon, kostenlos zu sein, ist das Geschenk, welches dem dänischen Staat während eines offiziellen Besuchs von Königin Margarethe II. im April in China gemacht worden war, mehr eine Art Leasing-Vertrag. Dieser sieht vor, dass der Kopenhagener Zoo rund CHF 1.3 Millionen (€1.6 Millionen) pro Jahr bezahlt, um die Tiere unterzubringen. Doch Experten warnen davor, dass die Kosten tatsächlich viel höher werden könnten, wenn China seiner Standardprozedur folgt und für das Geschenk etwa im Gegenzug erwartet. «China macht das nicht aus Herzensgüte», sagt Mette Holm, eine dänische China-Expertin. «Hier geht's um Grönland. Die Chinesen möchten ihre Hände auf Rohstoffe und Seltene Erden legen. China passt auf seine Interessen in der Arktis sehr gut auf».

Pandas fühlen sich auch im Winter wohl und dürften mit dem Klima in Kopenhagen kein Problem haben.Martin Lidegaard, der dänische Aussenminister, der auch während der überraschenden Ankündigung Chinas anwesend war, machte klar, dass die Chinesen keinerlei Bedingungen an die Leihgabe geknüpft hätten. Holm aber, sagte, dass von Dänemark sehr wahrscheinlich erwartet wird, sich erkenntlich zu zeigen. «Einen Panda zu erhalten ist eine Geste von monumentalem Ausmass ... Ich bezweifle, dass die Dänen verstehen, wie gross das Ganze wirklich ist».

Pandas an andere Länder zu verschenken im Austausch für verbesserte Beziehungen oder Handelsabkommen – bekannt als Panda-Diplomatie – ist eine wohldokumentierte chinesische Praxis. Experten sagen, dass wenn China dieses symbolische und bedrohte Tier ausleiht, es etwas im Gegenzug dafür erwartet. Kathleen Buckingham von der Universität Oxford, die Chinas Panda-Diplomatie untersucht hat, meinte, dass dies hier der Fall sei. Obwohl sie (die Dänen) es sich nicht bewusst gewesen sind, hätten sie durch die Annahme der Pandabären ihren Willen gezeigt, mit den Chinesen eine Übereinkunft zu treffen. «Länder müssen zweimal über die weiteren Konsequenzen nachdenken, wenn sie das Angebot für einen ausgeliehenen Panda annehmen möchten», meint Buckingham. «Es bedeutet nämlich, dass China eine Art von Konzession auf lange Zeit hinaus erwartet».

Der Ursprung der «Panda-Diplomatie» der jüngeren Zeit wurde ab 1972, als US-Präsident Nixon bei seinem Besuch in China weilte wieder aufgenommen.
Der Ursprung der «Panda-Diplomatie» der jüngeren Zeit wurde ab 1972, als US-Präsident Nixon bei seinem Besuch in China weilte wieder aufgenommen.

Die Panda-Diplomatie ist eine alte Tradition, die bereits vor 1'400 Jahren ausgeübt wurde. In jüngerer Zeit wurde diese Praxis wieder aufgenommen. Ein Beispiel dafür stammt aus dem Jahr 1972, als US-Präsident Nixon bei seinem Besuch in China mit den beiden bekannten Tieren Ling-Ling und Hsing-Hsing zurück kam... und als Gegenleistung China zwei Moschusochsen schenkte. Doch seit 1984 werden die Tiere nicht mehr einfach verschenkt, sondern im Rahmen einer 10-Jahre-Leihgabe an Länder weitergegeben als Symbol für die Beziehungen zwischen China und dem Empfängerland.

Quelle: The Arctic Journal, http://arcticjournal.com