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Grönland besticht in vielerlei Hinsicht mit Superlativen: die grösste Insel der Welt, die grösste Eiskappe auf der Nordhemisphäre, das älteste Gestein der Welt. Die Liste könnte noch lange weitergeführt werden. Daher ist die Faszination, die von diesem Flecken ausgeht, durchaus nachvollziehbar. In den letzten Jahren hat Grönland auch immer mehr Menschen angezogen, darunter Birgit Lutz. Die Abenteurerin war bereits einmal im Rahmen einer Expedition im wilden Osten der Insel und war von der Region und den Menschen so fasziniert, dass sie beschloss, zurückzukehren und ein Buch zu schreiben. Das Resultat ist ein intimer Einblick in eine Kultur, die gefangen zwischen Tradition und Moderne, ihren Platz sucht.

Grönlands Bewohner versuchen den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Dies ist kein einfaches Unterfangen auf einer Insel, die zu über 80 Prozent von Eis bedeckt ist und viele der alltäglichen Dinge importiert werden müssen und wo Strassen nur gerade in den Orten vorhanden sind.
Grönlands Bewohner versuchen den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Dies ist kein einfaches Unterfangen auf einer Insel, die zu über 80 Prozent von Eis bedeckt ist und viele der alltäglichen Dinge importiert werden müssen und wo Strassen nur gerade in den Orten vorhanden sind.

Ein Buch wie „Heute gehen wir Wale fangen“ gibt es bislang noch nicht. Darin begibt sich die Autorin auf eine Reise durch Ostgrönland, auf der sie den Leser mitnimmt. Sie belässt es aber nicht bei ihren eigenen Eindrücken, sondern recherchiert ausgiebig und spricht mit zahlreichen Einheimischen. Diese lässt sie ausführlich zu Wort kommen, im Buch sind viele Gespräche mit Jägern, dem Pfarrer von Tasiilaq, Lehrern, Polizisten, Tourismus-Mitarbeitern und „ganz normalen Menschen“ enthalten, die genug Vertrauen zu der Autorin gefasst haben, um ihr aus ihrem Leben zu erzählen. So erhält man einen faszinierenden Einblick in das heutige, tägliche Leben der Ostgrönländer, das geprägt ist von der schnellen Veränderung, dem rasenden Übergang von der Steinzeit in die Moderne. Junge Menschen erzählen, dass all ihre Kindheitsfreunde mittlerweile Selbstmord begangen haben, Jäger berichten vom Niedergang der Jagd, nach den großen Kampagnen gegen die Robbenjagd. Bei den sensiblen Themen der Jagd hat die Autorin sowohl ausgiebig nach Fakten recherchiert als auch selbst an einer Jagd teilgenommen. Immer wieder stieß sie selbst an Grenzen, schreibt sie in einem Vorwort, und doch wollte sie eben dorthin schauen, wo es auch einmal weh tut, und nicht nur auf die schönen Gletscherlandschaften - um das ganze Bild zu bekommen.

Entstanden ist so ein sehr persönlicher und gleichzeitig informativer Bericht über Ostgrönland in einem einmaligen Moment der Geschichte - dem Moment, in dem die grönländische Kultur den Übergang von der Tradition in die Moderne wagt.

Auf einer Insel, die nur wenige Flächen für Landwirtschaft besitzt, waren und sind Fischfang und die Jagd nicht nur ein Luxus, sondern eine alltägliche Notwendigkeit, trotz internationalen Protesten. Im aktuellen Buch von Birgit Lutz wird diesem Aspekt grönländischem Alltags sehr grosses Gewicht gegeben.
Auf einer Insel, die nur wenige Flächen für Landwirtschaft besitzt, waren und sind Fischfang und die Jagd nicht nur ein Luxus, sondern eine alltägliche Notwendigkeit, trotz internationalen Protesten. Im aktuellen Buch von Birgit Lutz wird diesem Aspekt grönländischem Alltags sehr grosses Gewicht gegeben.

Die Autorin

Birgit Lutz ist ausgebildete Journalistin, Abenteurerin und Vortragsrednerin, die lange Jahre für die Süddeutsche Zeitung tätig gewesen war und mit mehreren Preise für ihre Tätigkeit ausgezeichnet worden ist. Auf einer Fahrt an den Nordpol 2007 „infizierte“ sie sich mit dem Polarvirus und ist seither nicht mehr von dieser Region losgekommen. Neben dem Nordpol, wo sie 15 Mal gewesen ist, hat sie die arktischen Regionen Grönlands, Spitzbergens und der russischen Arktis mehr als 30-mal bereist. Unter anderem hat sie an zwei Ski-Expeditionen zum Nordpol mit Thoma Ulrich teilgenommen, eine Grönlanddurchquerung überstanden und als Guide und Expeditionsleiterin Menschen die Schönheit der Arktis näher gebracht. Über ihre Erfahrungen auf ihren Expeditionen hat Birgit Lutz mehrere Bücher geschrieben und hält Vorträge darüber. Für ihr neuestes Buch „Heute gehen wir Wale fangen…“ war sie 3 Monate in Ostgrönland unterwegs. Sie lebt in Schliersee im schönen Oberbayern.

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Birgit Lutz
Heute gehen wir Wale fangen – Wie mich die Grönländer mit in ihre Welt nahmen
448 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Verlag btb 2017
ISBN 978-3-442-75411-3; € 25.00 (D), €25.70 (A), CHF33.90 (CH)
372 Seiten in 2 Teilen, 2 Bände gebunden in Schuber inkl. 1 DVD, Verlag Natur & Text, Rangsdorf 2016 ISBN 978-3-942062-25-1; € 65.00

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Quelle: Birgit Lutz