Die Menschheit segelt durch den Corona-Sturm und lebt sozial distanziert. Viele von uns – Stand: Anfang Mai – gehen im Moment kaum vor die Tür.

Mir fallen die Parallelen zu den frühen Entdeckern auf: Sie waren wahrlich Weltmeister der Isolation. Raum, Ressourcen, Möglichkeiten und Gesellschaft sind begrenzt auf ihren Schiffen. Monatelang haben sie Stürmen, Eis und Kälte getrotzt. Dass die Pioniere dabei einen Großteil ihrer Zeit gar nichts entdecken, sondern einfach nur abwarteten, wird in den heroischen Berichten kaum erwähnt. Nur zwei Beispiele: 40 Monate dauerte Amundsens Gjøa-Expedition durch die Nordwestpassage. Davon war er gerade mal etwa sieben tatsächlich unterwegs. Dreimal musste er überwintern, zweimal sogar am gleichen Ort. Oder auch die Männer der „Ross Sea Party“, von denen unser Bericht ab Seite 54 handelt. Ein schwerer Sturm riss ihr Schiff Aurora aus ihrer Verankerung. Ohne Wissen über das Schicksal des Schiffes hingen zehn Männer der Expedition an Land fest.

Noch heute starten Polarforschende Expeditionen, bei denen sie mehrere Monate abgeschieden von Zivilisation verbringen. Sei es auf einem hochtechnischen Forschungsschiff, wie in unserer Titelgeschichte über die Mosaic-Expedition, oder in einer kleinen Trapperhütte, wie Sunniva Sørby und Hilde Fålun Strøm, die wir zu ihrer Überwinterung auf Spitzbergen und ihrem Projekt „Hearts in the Ice“ befragt haben. Sie alle mussten sich denselben Fragen stellen, wie wir uns heute in unserer Heimquarantäne: Welche Rituale und Tagesabläufe helfen? Wie geht man einander auf beschränktem Raum nicht auf die Nerven?

Vielleicht freut es Sie unter diesen Umständen umso mehr, etwas über die Entwicklungen in den polaren Regionen unserer Erde und die dortige Tier- und Pflanzenwelt lesen zu können.

Der Corona-Sturm hat auch Auswirkungen auf PolarNEWS. Schweren Herzens mussten wir aus wirtschaftlichen Gründen entscheiden, zunächst auf eine gedruckte Ausgabe des Magazins zu verzichten. Das ist für die meisten Lesenden sicherlich ungewohnt. Sollten wir alle bald wieder aufatmen können und unser Schiff zurück auf Kurs bringen, werden wir im Herbst eine gedruckte Version herausgeben. Gleiches gilt auch für das neue Leserreisen-Expeditionsprogramm 2021-22 – jetzt erstmal online, später auch gedruckt.

Also blättern Sie doch bitte am Bildschirm durch und genießen Sie.

PolarNEWS-29-Titel

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pdfPolarNEWS 29 – Juni 20208.2 MB

Inhaltsverzeichnis

  • Einstieg: Fotowettbewerb
  • Polarforschung: Die grösste Arktis-Expedition aller Zeiten
  • Tierwelt: Der Finnwal – Fressen extrem
  • Vergessene Helden: Die unterschrockene Mrs. Chippy
  • Reisebericht: Südatlantik - Vom Ende der Welt ins Nirgendwo
  • Wissenschaft: Astronomie in der Antarktis
  • Geschichte: Die Ross Sea Party – Heldenmütig und nutzlos
  • Interview: Überwinterung auf Spitzbergen – Hearts in the Ice
  • Technik: Mission Riesenschlitten
  • Umwelt: Klimaschutz zwischen Worten und Taten
  • Pflanzenwelt: Botanische Rundreise um Spitzbergen
  • Spezial: PolarNEWS-Reisen